🔼 MĂŒnchens Nummer 1: Was wĂ€re, wenn 1860 alle Talente behalten hĂ€tte

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Dominik Berger

Artikelbild: 🔼 MĂŒnchens Nummer 1: Was wĂ€re, wenn 1860 alle Talente behalten hĂ€tte

Es ist ein ewig junges Duell in der bayerischen Landeshauptstadt: 1860 gegen Bayern. Böse Zungen behaupten, dass es in MĂŒnchen nur einen MĂŒnchener Verein gibt, Sechzig. Da die meisten Bayern-Fans eben nicht aus MĂŒnchen stammen, sondern aus allen Ecken der Republik und mittlerweile auch der ganzen Welt. WĂ€hrend die Bayern jedes Jahr um die Meisterschaft mitspielen, kickt Sechzig nur noch in der 3. Liga.

Bekannt wurden die Sechz’ger ursprĂŒnglich durch ihre famose Jugendarbeit, die auch einige Bundesligaspieler und spĂ€tere Nationalspieler hervorbrachte. Wir fragen uns also: Was wĂ€re eigentlich gewesen, wenn 1860 die Talente hĂ€tte behalten können?


Wir schreiben das Jahr 2004, es ist der 15. Mai. Es steht 1:1 zwischen 1860 und Hertha BSC im MĂŒnchener Olympiastadion. Kurz vor Schluss, fĂŒr Sechzig geht es um alles, pfeift Schiedsrichter Stefan Trautmann Elfmeter fĂŒr die Hausherren. Francis Kioyo, vor der Saison zu den Löwen gewechselt, nimmt sich der Sache an. Die Saison lief auch fĂŒr den Neuzugang von Greuther FĂŒrth nicht allzu gut, 1860 MĂŒnchen ist aktuell Siebzehnter und steht mit einem Bein in der zweiten Liga.

Kioyo weiß, dass es um alles geht. Der Kameruner lĂ€uft an


Und trifft! Kollektives Aufatmen im weiten Rund des Olympiastadions, 1860 fĂ€hrt wichtige drei Punkte ein. Eine Woche spĂ€ter gewinnen die Löwen noch ĂŒberraschend mit 1:0 durch einen Elfmeter von Torben Hoffmann. 1860 MĂŒnchen ist gerade nochmal so davongekommen. Dennoch findet ein Umdenken im Management statt. Die Sechz’ger sind gesegnet mit einer der besten Jugendabteilungen. Benny Lauth, Daniel Baier und Andreas Görlitz stießen zur Mannschaft dazu, sie sollen die neuen SĂ€ulen des Teams werden.

Zur neuen Saison kommen weitere vielversprechende Talente dazu, die sich in der Bundesliga durchsetzen wollen. Mit Marcel SchĂ€fer und Lukasz Szukala bekommt man besonders in der Defensive noch grĂ¶ĂŸere Sicherheit. Die „jungen Löwen“ unter Trainer Falko Götz lassen vor allem in beiden Duellen die Stuttgarter Rasselbande ein ums andere Mal ins Leere laufen.

Was bei Sechzig als unverbraucht und kreativ gilt, erweist sich in Stuttgart als falsches Konzept, die Stuttgarter um Mario Gomez und Andreas Hinkel zahlen zu oft Leergeld, Magath muss noch vor Saisonende seinen Hut nehmen.

Indes macht sich 1860 als Anlaufstelle fĂŒr junge Spieler einen Namen. Trainer Falko Götz scheint ein HĂ€ndchen fĂŒr die jungen Spieler zu haben und beim großen Nachbarn schaut man argwöhnisch an die GrĂŒnwalder Straße. Denn mit dem zunehmenden Erfolg der Junglöwen haben es die Bayern auch in ihrer eigenen Stadt schwer.

Durch die neuen PopularitĂ€tswerte der „cooleren“ Löwen, die auch beim „Bravo Sport-Otto“ 2005 sĂ€mtliche fußballerischen Kategorien fĂŒr sich entscheiden können, fĂ€llt die Wahl auch beim Weißbieranstich auf dem Oktoberfest auf die MĂŒnchener Löwen. KapitĂ€n Benny Lauth gelingt auch noch mit dem perfekten Schlag gleich der richtige Treffer. Ein Schlag ins Gesicht fĂŒr jeden „Roten“ in MĂŒnchen.

Da hilft es auch nichts, dass Uli Hoeneß sĂ€mtliche WeißwĂŒrste fĂŒrs große FrĂŒhschoppen sponsert, es liegt eine fĂŒr die Bayern ungewohnte Stimmung in der Luft, der Platz an MĂŒnchens Sonne scheint mit einem blau-weißen Handtuch reserviert worden zu sein. Es kommt, was immer kommen muss: Die Bayern strecken ihre FĂŒhler aus und wollen gleich mehrere vielversprechende Jungnationalspieler an die SĂ€bener Straße locken.

Es flattern vielversprechende Offerten fĂŒr die aufstrebenden Jungstars aus der anderen Ecke MĂŒnchens ein. Marcel SchĂ€fer soll auf der linken Abwehrseite Bixente Lizarazu auf lange Sicht beerben, Daniel Baier traut man einen kreativen Part neben Michael Ballack zu. Viele Löwenfans sind erzĂŒrnt, geradezu entsetzt, wie die Bayern bei ihnen wildern wollen. Dass die Bayern es in der Vergangenheit immer wieder auf die starken Spieler der Konkurrenz abgesehen haben, nahm man ja noch achselzuckend zur Kenntnis.

Aber wenns plötzlich vor der eigenen HaustĂŒr geschieht, da hört der Spaß auf! Zumal Baier und SchĂ€fer sich auch nicht wirklich angesprochen fĂŒhlen von den Angeboten der Bayern. Im Gegenteil, beide wollen das Momentum nutzen und in Giesing verlĂ€ngern. Unter dem Motto „Echte Liebe“ fahren blau-weiße Lastwagen durch ganz MĂŒnchen, darauf zu sehen: Baier und SchĂ€fer im neuen Sechzig-Trikot und der Slogan „Mit Stolz und Leidenschaft bis 2010.“

Sechzig-PrĂ€sident Karl-Heinz Wildmoser scheut keine Kosten und MĂŒhen und mietet die Plakatwand an der SĂ€bener Straße, damit Uli Hoeneß beim FrĂŒhstĂŒck die Brezel vor lauter Schreck in den sĂŒĂŸen Senf fĂ€llt. Obwohl die Löwen sportlich nicht ganz oben anknĂŒpfen, gebĂŒhrt ihnen dennoch gehörig Respekt. Mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren stĂŒrmt man durch die Liga und kommt so nie in wirkliche Abstiegsgefahr.

Ein junger Mats Hummels macht sich so seine Gedanken und schaut neidisch nach Giesing. Zumal er von Hermann Gerland eine zĂŒnftige Watschn erhalten hat, ĂŒberdenkt der junge Verteidiger seine Zukunft beim Verein.

Die Saison 2006/2007 beginnt mit einem kurzen Zwist bei den sonst eigentlich so harmonischen Löwen. Die Bender-Zwillinge stoßen zur Mannschaft und wĂŒrden eigentlich gerne so, wie sie es aus der Jugend kennen, links und rechts in der Verteidigung spielen. Jungnationalspieler Marcel SchĂ€fer, schon jetzt mit einem gewissen Standing in der Mannschaft, schlĂ€gt Sven Bender die Rolle im defensiven Mittelfeld vor – oder er weicht in die Innenverteidigung aus.

Auf dem FlĂŒgel wirbelt mit Fabian Johnson ein Neuzugang, dessen kreative Tricks ihm einen frĂŒhen Werbevertrag mit Nike einbringen und schnell einen ersten Werbespot mit Ronaldinho, der sich begeistert ein Autogramm des Junglöwen organisiert. Das Video, das Johnson bei seiner neuen Schuhvorstellung drehen lĂ€sst, wird das erste Video, das bei YouTube die Millionenmarke an Views bricht. Ronaldinho bekommt seine Schuhe per Post.

Außerdem findet im Tor ein Generationenwechsel statt. Der ewige Michael Hoffmann rĂŒckt ins zweite Glied, Philipp Tschauner ĂŒbernimmt. Zwar wurde der Keeper aus NĂŒrnberg geholt, Sechzig bleibt seinem Weg mit jungen Talenten aber treu und entwickelt sich zu jedermanns Lieblingszweitteam. Die blau-weißen MĂŒnchener sehen mit Stolz, dass OB Christian Ude erneut Benny Lauth den Weißbieranstich machen lĂ€sst. Lauth, lĂ€ssig und sympathisch, gelingt es erneut mit dem ersten Schlag. Uli Hoeneß schĂ€umt.

Der Benny-Lauth-Starschnitt in der „Bravo Sport“ tut sein Übriges dazu fĂŒr den Wurstfabrikanten. Dass Lauth als neuer deutscher Star auch noch anstelle von Bastian Schweinsteiger im Nutella-Werbespot auftaucht, ist zu viel fĂŒr den Bayernmanager. Nachdem der Spot in der Fernsehsendung „Doppelpass“ seine umjubelte Premiere feiert, greift Hoeneß zum Hörer und lĂ€sst eine Wutrede vom Stapel.

Lauth, auf dem MĂŒnchener Gipfel angekommen, folgt lieber den Lockrufen aus Madrid, Fabio Capello sieht im StĂŒrmer das perfekte Mosaiksteinchen fĂŒr seinen Angriff im Bernabeu. Derweil zerschießt ein vielversprechender junger NachwuchsstĂŒrmer aus Marktoberdorf die Netze der Jugendstadien MĂŒnchens. Sein Name: Kevin Volland. Dank einer neuen DFL-Regelung beerbt der erst 15-jĂ€hrige Volland Sechzigs StarstĂŒrmer und geht fĂŒr die Löwen in den nĂ€chsten Jahren auf Torejagd.

Durch den vom VfB Stuttgart zurĂŒckgekehrten Daniel Bierofka zur Saison 2007/2008 scheint das LöwenglĂŒck endgĂŒtig perfekt. Doch fĂŒr die Löwenfans kommt es noch besser, denn Jungstar Volland bekommt einen Sturmpartner, der ihm in puncto FĂ€higkeiten in nichts nachsteht und frisch aus der U19 zur Profimannschaft stĂ¶ĂŸt. Bereits im ersten Jahr kommen Volland und Manuel SchĂ€ffler auf insgesamt 30 Tore.

So gehen die Löwen in ihre nĂ€chste Saison in die Bundesliga mit einer vielversprechenden Truppe, die aufgrund des zweiten Platz im DFB-Pokalfinale ins europĂ€ische GeschĂ€ft einsteigt. Die Löwen haben es geschafft: Sie sind nicht nur in der Bundesliga geblieben, sondern sind ihrem Weg treu geblieben, das neue Stadion ist in den prĂ€chtigen Farben gehĂŒllt und wird weltweit bekannt, sodass auch dem letzten Bayern klar wird: MĂŒnchen ist blau-weiß.


Dieses Format soll dich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in ein Paralleluniversum der Fußballwelt entfĂŒhren. Du darfst dich also auf weitere Teile einer Serie von unterhaltsamen, lustigen oder sogar absurden Texten freuen.