
LIGABlatt
·30. August 2025
Mourinho-Aus bei Fenerbahçe und seine Folgen: Ein teures Missverständnis endet im Chaos

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·30. August 2025
Fenerbahçe und José Mourinho gehen nach nur etwas mehr als einem Jahr wieder getrennte Wege. Der portugiesische Startrainer wurde am Freitag am Flughafen Istanbul gesichtet. Sein Abschied ist offiziell. Damit endet ein hochkarätiges Kapitel, das mit großen Hoffnungen begann, aber nie die erhofften Erfolge brachte.
Ein Abgang, der abzusehen war
Die türkischen Medien führen mehrere Gründe für das Ende auf. So kritisierte Mourinho mehrfach öffentlich den Vorstand, insbesondere die verzögerte Verpflichtung von Milan Škriniar, und verschärfte seine Worte vor dem Champions-League-Qualifikationsduell gegen Benfica bis hin zu persönlichen Angriffen gegen Präsident Ali Koç. Auch die Kommunikation zwischen Trainer und Vereinsführung war seit Monaten gestört – ein Riss, der nie gekittet wurde.
Hinzu kam Mourinhos Widerstand gegen den direkten Austausch zwischen Vorstand und Mannschaft in den Vereinsanlagen. Sportlich stand der Portugiese ebenfalls in der Kritik: Fenerbahçe agierte unter ihm oft überraschend defensiv, selbst gegen schwächere Gegner. In den großen Spielen enttäuschte er zusätzlich. Gegen Galatasaray holte er in drei Duellen nur ein Remis, gegen Beşiktaş setzte es zwei Niederlagen.
Auch die Kaderführung wurde bemängelt. Mourinho schaffte es nicht, eine stabile Stammelf zu formen, förderte kaum Spieler und lag mit mehreren Leistungsträgern wie Cengiz Ünder, İrfan Can Kahveci oder İsmail Yüksek über Kreuz. Seine öffentliche Schuldzuweisung an Stars wie Fred oder Sebastian Szymański nach dem Champions-League-Aus beschädigte endgültig das Vertrauen in den Trainer.
Teure Abfindung – Fortsetzung eines Musters
Wie so oft in seiner Karriere kassiert Mourinho auch in Istanbul eine üppige Abfindung. Türkische Medien berichten von bis zu 30 Millionen Euro für sein gesamtes Trainerteam, offiziell soll die Summe für "Mou" bei 15 Millionen liegen. Damit steigt sein Gesamtkonto an Abfindungen auf über 115 Millionen Euro – Rekordwerte, die bereits Stationen bei Real Madrid, Chelsea, Manchester United, Tottenham und zuletzt AS Rom geprägt haben.
Falsches Timing vor der Präsidentschaftswahl
Brisant ist der Zeitpunkt des Trainerwechsels: In zwei Wochen stehen bei Fenerbahçe die Präsidentschaftswahlen an. Normalerweise wäre es naheliegend gewesen, die Entscheidung dem neuen Präsidenten zu überlassen, der dann auch den künftigen Coach bestimmt. Dass Ali Koç nun eigenhändig Fakten geschaffen hat, wirkt aus Vereinssicht riskant. Sportlich hat Fenerbahçe nach dem Aus in der Champions League zwar nicht mehr viel zu verlieren, dennoch verstärkt dieser Schritt den Eindruck eines chaotischen Krisenmanagements.
Wer folgt Mourinho?
Die Nachfolgediskussion läuft bereits heiß. Besonders zwei Namen kursieren: İsmail Kartal, der den Klub bereits mehrfach interimistisch betreute und 2023/24 nur hauchdünn die Meisterschaft gegen Galatasaray verpasste, sowie Roger Schmidt, zuletzt Trainer von Benfica. Während Kartal die Liga und das Umfeld bestens kennt, wäre Schmidt eine internationale Lösung, die Fenerbahçe ein moderneres Spielsystem versprechen könnte.
Neben diesen beiden Kandidaten tauchen auch die Namen von Edin Terzić, Nuri Şahin oder Abdullah Avcı in der Gerüchteküche auf – konkrete Anzeichen gibt es bislang aber nicht. Klar ist: Der Druck auf die Verantwortlichen ist enorm, denn die Fans fordern nach Jahren der Enttäuschungen endlich einen Titel in der Süper Lig.
Mourinho selbst dürfte sich in den kommenden Tagen zu Wort melden. Und wenn man eines aus seiner Karriere weiß: Ein leiser Abgang ist vom "Special One" nicht zu erwarten.
Foto: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images
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