Leicester City – Keine Eintagsfliege │ Gegneranalyse Redmen Family

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Analyse │ Am Sonntag empfängt der Liverpool FC am neunten Spieltag der Premier League den Tabellenführer Leicester City FC. Die Analyse der Redmen Family.

Das Topspiel am Sonntag bedeutet für Liverpool auch ein Wiedersehen mit Brendan Rodgers, dem ehemaligen Trainer der Reds. Die Foxes spielen erneut eine starke Saison und scheinen sich als Topteam der Liga etablieren zu können.

In der abgelaufenen Saison sorgten Verletzungen dafür, dass Leicester City im Endspurt die Luft ausging und man am letzten Spieltag die sicher geglaubte Qualifikation für die Champions League noch verlor. Damit man dieses Jahr besser auf Verletzungen vorbereitet ist, wurde der Kader vor allem in der Breite verstärkt.

Castagne als Chilwell-Ersatz

So kam mit Wesley Fofana (19) vom AS Saint-Étienne endlich der von vielen Seiten geforderte dritte starke Innenverteidiger. Diesen ließ man sich ordentlich was kosten, 35 Millionen Euro überwies man für den jungen Franzosen.

Als Nachfolger des zum Chelsea FC abgewanderten Linksverteidiger Ben Chilwell (23) holte man Timothy Castagne (24) von Atalanta Bergamo. Der Belgier ist jedoch kein reiner Linksverteidiger, er kann auf beiden Seiten sowohl in der Verteidigung als auch im Mittelfeld agieren und ist sehr offensivfreudig.

Als dritter Neuzugang kam Flügelspieler Cengiz Ünder (23) vom AS Rom. Der Türke wurde zunächst ausgeliehen, man besitzt allerdings eine Kaufoption. Abgegeben wurde bis auf den bereits erwähnten Chilwell kein wichtiger Spieler.

Die Jugend erfüllt die Hoffnungen

Neben den Neuzugängen erhoffte man sich von den zahlreichen Talenten im Kader den nächsten Schritt. Vielen ist dieser auch gelungen. So ist Youri Tielemans (23) inzwischen zu einem der besten Mittelfeldspieler der Liga und zum Stammspieler in der belgischen Nationalmannschaft gereift.

Harvey Barnes (22) und James Justin (22) haben beide den Schritt vom Rotationsspieler zum Stammspieler geschafft und sind inzwischen im Blickfeld der englischen Nationalmannschaft. Auch Luke Thomas (19) bekommt regelmäßig Einsatzzeiten. Der im letzten Jahr verpflichtete Dennis Praet (26) scheint endlich angekommen zu sein.

Außerdem scheint Nampalys Mendy (28), der 2016 als Nachfolger von N’Golo Kante (29) geholt wurde, endlich seinen Platz gefunden zu haben. Der 1,67 Meter kleine Franzose stand in jedem der acht Ligaspiele im zentralen Mittelfeld in der Startelf.

Verletzungspech zwingt zu Experimenten

All dies erfolgt aber nicht freiwillig. Vielmehr ist der Grund dafür, dass eigentliche Ersatzspieler und Jugendspieler so viel Einsatzzeit bekommen, dass die Foxes sehr große Verletzungssorgen haben. Mit Wilfred Ndidi (23), Caglar Söyüncü (24), Jonny Evans (32), James Maddison (23), Castagne und Jamie Vardy (33) fielen oder fallen etliche Stammspieler bereits wochenlang aus.

Der schmerzlichste Ausfall ist der von Ricardo Pereira (27). Der Rechtsverteidiger riss sich in der coronabedingten Pause das Kreuzband und fällt seither aus. Bis zu seiner Verletzung war der Portugiese der wohl beste Spieler Leicester’s und ein absoluter Garant für die starke Vorsaison.

Auch taktisch ändere sich einiges zur neuen Saison. Spielte man in der letzten Saison nahezu in jedem Spiel in einem 4-3-3, spielt man in dieser Saison in den meisten Fällen in einem deutlich defensiver ausgelegten 3-4-2-1.

Systemumstellung hilft vielen Spielern

Die kommt vielen Spielern zugute. Castagne ist aus Bergamo die Position des Schienenspielers gewohnt und wäre für die klassische Außenverteidigerposition wohl defensiv etwas zu schwach. Bei Thomas ist die Situation ähnlich, auch das Eigengewächs hat seine Stärken ganz klar in der Offensive. Mendy fühlt sich im System mit zwei zentralen Mittelfeldspielern deutlich wohler als in einem System, in dem er die Position alleine ausfüllen muss. Barnes und Maddison sind statt auf dem Flügel im neuen System deutlich zentraler unterwegs und können dadurch ihre Torgefahr besser zur Geltung bringen. Und selbst Kapitän Wes Morgan (36) ist wieder spielbar, da die Abwehrkette nicht mehr ganz so hochsteht.

Diesen Stilwechsel haben viele dem Team nicht zugetraut. Vor allem auch, da Brendan Rodgers (47) Trainer ist. Der Nordire und ehemalige Liverpool-Trainer war in seinen bisherigen Stationen immer für kompromisslosen Offensivfußball bekannt. Doch Rodgers scheint aus der Vorsaison gelernt zu haben.

Aber es gibt natürlich auch Verlierer in dem neuen System. Ayoze Perez (27), der vor der Vorsaison für viel Geld aus Newcastle kam, sieht kaum Spielzeit. Noch schlechter ist es um Demarai Gray (24) bestellt. Das einst hoch gehandelte Talent stand in der Premier League und der Europa League noch nicht ein mal im Kader.

Schlüsselspieler: James Justin – Die Allzweckwaffe

James Justin hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Vor vier Jahren war der Engländer noch Ersatzspieler in der vierten Liga bei seinem Heimatverein Luton Town. Nachdem er sich durch gute Leistungen ins Team spielte und der Verein den Durchmarsch in die zweite Liga schaffte, verpflichtete Leicester den Außenverteidiger für knapp 6,5 Millionen Euro.

In Leicester angekommen, musste er sich allerdings zunächst einmal erneut hinten anstellen. Zu stark war das Duo Ben Chilwell (23) und Ricardo Pereira (27). Erst, als sich Pereira in der Coronaunterbrechung das Kreuzband riss, kam die Chance von Justin. Und er machte seine Sache so gut, dass man keinen Ersatz für Pereira auf dem Transfermarkt holte, obwohl dieser wohl noch bis ins neue Jahr hinein ausfallen wird.

Er ist ein technisch starker, robuster Außenverteidiger, der durch seine Beidfüßigkeit beide Seiten bespielen kann. Aufgrund seiner für einen Außenverteidiger bemerkenswerten Kopfballstärke und der genannten Robustheit kann er außerdem ohne Probleme in der Innenverteidigung spielen. Vor allem, wenn die eigene Mannschaft mit drei Innenverteidigern spielt. Dazu kann er durch seine Stärke im Dribbling, seine Qualitäten im Passspiel und seine Sicht für freie Räume durchaus auch im Mittelfeld auf beiden Außenbahnen eingesetzt werden. Kurzum, er ist eine echte Allzweckwaffe.



Prognose: Gefestigte Abwehr, Vorsicht vor den Kontern

Letzte Saison zeigten die Reds gegen die Foxes zwei der besten Saisonleistungen, vor allem das Rückspiel war ein fast perfektes Spiel. Daher sollte man meinen, dass der Gegner einem liegt. Die veränderte Taktik und die vielen Ausfälle von Liverpool machen die Sache allerdings deutlich schwieriger.

Normal würde alles darauf hindeuten, dass Leicester deutlich defensiver steht als noch in der letzten Saison. Durch Ausfälle auf Seiten des Liverpool FC könnte es jedoch auch gut möglich sein, dass die Foxes ihr Heil eher in der Offensive suchen und ein ähnliches Spiel wie gegen Manchester City (5:2 für Leicester) erzwingen wollen. Vor allem im eigenen Strafraum müssen die Spieler von Jürgen Klopp (53) sehr vorsichtig agieren. Leicester bekam in der laufenden Saison mit sieben die meisten Elfmeter aller Premier-League-Teams zugesprochen.