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La Liga | Xavi auf dem Platz, Alemany außerhalb: Wie Barcelona wieder auf Kurs kam

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Spotlight | Am Wochenende kam der FC Barcelona nicht über ein 1:1 in Granada hinaus. Trotzdem wurde in den letzten Spielen klar, dass die Richtung unter Neu-Trainer Xavi stimmt. Auf wie außerhalb des Platzes – nicht zuletzt auch dank des Sportdirektors.

Xavis Jugendstil beflügelt Barcelona – und bringt sie an die Champions League heran

Xavi (41) wusste wahrscheinlich von Beginn an, dass die Mission, die er bei seinem Heimatklub antritt, keine leichte werden würde. Nach der Entlassung von Ronald Koeman (58) war die Mannschaft nur noch im weitesten Sinne dieses Wortes eine solche, vielmehr eine Ansammlung an Individualisten. Auch finanziell lief es eher mittelprächtig. Unter Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu (58) lebte der Verein in einer geradezu atemberaubenden Dekadenz und leistete sich Luxustransfers, die er sich niemals hätte leisten können, beziehungsweise dürfen. Dazu kam noch die sportliche Situation, Barcelona drohte, wenn sie keine Kurskorrektur hinbekommen, ein Jahr ohne Europa und damit auch ein Jahr ohne Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben. In der Champions League stand man – nach dem 0:3 bei Benfica – durchgehend mit dem Rücken zur Wand. All das, nachdem Barcelona bereits zu Beginn der Saison den größtmöglichen Rückschlag hinnehmen musste: Lionel Messis Abgang.

Doch anstatt einzig auf den kurzfristigen Erfolg zu spekulieren, machte Xavi den radikalen Schnitt und vertraute der Jugend. Bei seinem Debüt im Derby gegen Espanyol (1:0) standen Nico (20), Gavi (17) und Iliàs Akhomach (17) direkt in der Startelf. Inzwischen kommen Abdessamad Ezzalzouli, genannt Ez Abde (20), Ferran Jutglà (23) oder auch Eric García (21) zu regelmäßigen Einsatzminuten. Selbiges trifft auch auf Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé (24) zu, der im Moment von Verletzungen verschont bleibt.

Zwar ist die Gefahr, kommende Saison überhaupt nicht in Europa vertreten zu sein, nach wie vor präsent. In den sechs Spieltagen, die Xavi bislang im Amt ist – und den drei mit Sergi Barjuan (50), dem Trainer der zweiten Mannschaft – gelang es jedoch die Lücke zu den Champions-League-Plätzen von sechs auf einen Zähler zu schließen. Dass die Überflieger von Rayo Vallecano nur zwei ihrer letzten fünf Ligaspiele gewinnen konnten und Meister Atlético nach dem 2:2 in Villarreal sogar nur eines der letzten fünf, kommt dabei nicht gänzlich ungelegen. Auch Real Sociedad kommt nur auf einen Erfolg im gleichen Zeitraum.

Mateu Alemany: Barcelonas Macher im Hintergrund

Sportlich hat Xavi den Verein vorerst wieder stabilisiert. Bleiben noch die finanziellen Probleme. Mehr als eine Milliarde Euro an Schulden hatte Barcelona über die Jahre angehäuft. Da La Liga über eine Gehaltsobergrenze verfügt, mussten die Katalanen zuerst Spieler abgeben, bevor sie neue registrieren konnten. Bei den Gehältern, die einige von ihnen einnahmen, brauchte es dabei jemanden, der einerseits radikal genug ist, andererseits aber auch über den Tellerrand denkt und zu kreativen Lösungen bereit ist. Jemanden, wie Mateu Alemany (58). Präsident Joan Laporta (59) holte ihn als Sportdirektor an seine Seite. Beide kennen sich schon seit vielen Jahren. 2004 saßen sie sich noch als Verhandlungspartner gegenüber. Alemany war damals Präsident von Real Mallorca und hatte einen nicht ganz unspannenden Stürmer namens Samuel Eto’o in seinen Reihen. Für sieben Millionen Euro hat Alemany ihn seinerzeit von Real Madrid verpflichtet. Laporta leiherte er mit 24 Millionen mehr als das Dreifache dessen aus dem Kreuz.

Auch bei seiner letzten Station, dem Valencia Clúb de Fútbol, bewies Alemany, dass trotz eines notorisch unruhigen Umfelds mit einem klaren Plan zu überzeugen vermag. In den beiden Saisons vor seiner Ankunft wurde Valencia zweimal Zwölfter. Anschließend investierte Alemany bewusst viel in den Kader mit dem Ziel Champions League. 55 Millionen Euro im Sommer 2017, 129,2 Millionen Euro ein Jahr später und weitere 75 Millionen zur Saison 2019/20. Mit einer Ablösesumme von 40 Millionen Euro wurde Gonçalo Guedes (25) zum Aushängetransfer. Im Duett mit Erfolgstrainer Marcelino García (56) fuhr Alemany zwei vierte Plätze ein, zusammen mit dem Europa-League-Halbfinale und dem Gewinn der Copa Del Rey 2019, dem Jahr des 100. Vereinsjubiläums.

Photo by JOSEP LAGO/AFP via Getty Images

Zur laufenden Saison investierte Alemany schlanke 69,5 Millionen Euro. 55 Millionen davon für Ferran Torres (21), ein Eigengewächs von Alemanys ehemaligem Arbeitgeber. Um die Gehaltsobergrenze einzuhalten, machte er von Beginn an kurzen Prozess. Miralem Pjanić (31) wurde an Beşiktaş verliehen, Antoine Griezmann (30) zurück zu Atlético. Erst kürzlich verließ auch Philippe Coutinho (29) den Verein leihweise gen Aston (Birmingham). Villa besitzt eine Kaufoption. Drei der Luxuseinkäufe Bartomeus sind damit von der Payroll. Darüber hinaus wandte Alemany bei Samuel Umtiti (28) einen besonderen Trick an: Sein Vertrag wurde bis 2026 verlängert und das noch ausstehende Salär seines aktuellen Arbeitspapiers über diesen Zeitraum ausgezahlt. So hat der verletzungsgeplagte französische Weltmeister eine langfristige Perspektive. Interessierte Vereine können darüber hinaus im Falle einer Leihe sein Gehalt leichter stemmen.

Schon waren die Kapazitäten vorhanden, um Ferran Torres registrieren zu können. Mehr noch: Der Verein konnte es sich sogar leisten, die Verträge der beiden Top-Talente Pedri (19/bis 2026) sowie Ansu Fati (19/bis 2027) zu verlängern. Mit Dani Alves (38) kam in erster Linie eine Menge Erfahrung und Vielseitigkeit. Sein Gehalt von 155.000 Euro pro Jahr, das niedrigste, das La Liga gestattet, belastet die Konten dazu nicht übermäßig. Alves ginge es hauptsächlich darum, wieder für Barcelona zu spielen.

Man kann es angesichts dessen fast nachvollziehen, dass Präsident Laporta bereits euphorisch betonte, Barcelona sei bereits zurück und im selben Atemzug von einem Transfer Erling Haalands (21) sprach. Ob das wirklich dem Status quo entspricht, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist aber, dass Barcelona nach vielen Jahren mit vielen Schulden und viel Ungewissheit wieder einen klaren Plan hat.

Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images

Victor Catalina

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