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Dominik Berger·16. März 2020

Kommentar: Watzke hat leider gar nichts verstanden

Artikelbild:Kommentar: Watzke hat leider gar nichts verstanden

Hans-Joachim Watzke hat sich am vergangenen Sonntag in einer Sportschau-Sendung zu einem möglichen Bundesliga-Abbruch geäußert. Dabei offenbart der Funktionär ein Konkurrenzdenken, dass ihm und seinem Verein aktuell nicht gut zu Gesicht steht.

Angesprochen auf die finanziellen Probleme, die einige Vereine im Laufe der ausbleibenden Spiele ereilen wird, äußerte sich Watzke wie folgt: „Wir sind Konkurrenten und ein Wirtschaftsunternehmen. Am Ende des Tages können nicht die Klubs, die die letzten Jahre gut gearbeitet haben, diejenigen belohnen, die es nicht getan haben.“

Wenige Minuten zuvor sprach sich Watzke übrigens noch für Solidarität aus, die der CDU-Politiker Armin Laschet als zweiter geladener Gast im Studio von allen Mitbürgern forderte. So wirkt es äußerst unglücklich, wenn der Dortmunder auf der einen Seite Wasser predigt, sich dann in puncto eigenem Verein aber lieber an der Weinflasche bedient.

Vorneweg: Hans-Joachim „Aki“ Watzke kommt aus dem Sauerland und damit aus einer Gegend, in der man die Dinge, so unangenehm sie auch sein mögen, unverblümt anspricht. Ob das dann immer besonders empathisch rüber kommt, ist eine andere Frage.

Zum Beispiel, wenn er seinen ausländischen Profis in der aktuellen Notsituation davon abrät, zu ihren Familien zurückzukehren, obwohl gerade spiel- und trainingsfrei ist. Natürlich kann man es so interpretieren, dass gerade jetzt unnötige Reisen zu vermeiden sind. Aber besonders Watzkes Aussage, warum die Familien nicht ohnehin beim Spieler sind, ist mit dem Blick auf Dortmunds internationalen und jungen Kader, der mit Sicherheit auch schulpflichtige Kinder in den Heimatländern beinhaltet, nur mit einem aufgebenden Kopfschütteln zu beantworten.

Gerade im Ruhrgebiet sind Werte wie Familie, Gemeinschaft und Hilfe untereinander identitätsstiftende Merkmale, die diese Gegend und ihre Vereine groß gemacht haben. Auf Twitter zeigte der Verein noch vor Kurzem, wie es richtig gemacht wird und rief zur Unterstützung der Älteren auf, die in diesen Zeiten besser nicht mehr das Haus verlassen sollten.

In Zeiten, in denen Bundesländer ihre Schulen und Kitas schließen und der Berliner Senat sämtliche Amüsierveranstaltungen abgesagt hat, stellt sich Aki Watzke ins „Sportschau“-Studio und spricht ernsthaft davon, dass die Spieler durch ihre Athletik ohnehin nicht zur gefährdeten Gruppe gehören und man deshalb möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren müsste. Dass die Spieler, die in der Folge vielleicht gar keine Symptome zeigen, aber im Nachhinein noch weitere Menschen anstecken könnten, wird außen vor gelassen. Finanzielle Interessen der Klubs werden über das gesamtgesellschaftliche Wohlbefinden gestellt.

Es sind Aussagen, die einer gewissen Realitätsferne nicht entbehren und zeigen, dass Watzke für den Fußball eine Sonderstellung beantragt, die es aktuell nicht geben kann. Die Geisterspiele, die der Dortmunder Geschäftsführer übrigens bei der Fortsetzung der Bundesliga im Sinn hat, lösten bei den Zuschauern ohnehin wenig bis gar keine Begeisterung aus und sorgten nicht unbedingt für die erhoffte Reaktion, die die Funktionäre eigentlich im Sinn hatten. Sollte die Bundesliga ihren Betrieb wieder aufnehmen, dann doch lieber nach einem entlehnten FDP-Prinzip: Es ist besser, nicht zu spielen, als falsch zu spielen.

Artikelbild:Kommentar: Watzke hat leider gar nichts verstanden

Normalerweise wurden sportlich-weltfremde Aussagen in den letzten Monaten eher mit einem mittlerweile pensonierten Münchner Funktionär in Verbindung gebracht. Stattdessen wählte Uli Hoeneß am Sonntag im ‚Doppelpass‘ genau die richtigen Worte an die Allgemeinheit und zeigte, dass es auch anders gehen kann.

„Wir alle sollten die Probleme des Fußballs sehr wichtig nehmen, aber es gibt auch andere Leute auf dieser Welt. Wir müssen jetzt alle einfach mal vier Wochen warten.“ Im Vergleich mit den Aussagen, die Watzke am Abend in der ‚Sportschau‘ von sich gab, muss man sagen, dass einer der beiden leider gar nichts verstanden hat.