Jonas Hofmann: "Das Spiel gegen Bayern ist ein echter Kracher" | OneFootball

Jonas Hofmann: "Das Spiel gegen Bayern ist ein echter Kracher"

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Mit Borussia Dortmund stand Jonas Hofmann bereits im DFB-Pokalfinale. Selbiges peilt er mit Borussia Mönchengladbach an. Dafür wäre zunächst heute (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) in der zweiten Runde ein Sieg gegen den FC Bayern München erforderlich. Im DFB.de Interview spricht der 29-Jährige mit Mitarbeiter Oliver Jensen über die richtige Taktik, die Nationalmannschaft und sein mögliches Karriereende in der Jugend.

DFB.de: Herr Hofmann, wären Sie dem FC Bayern München im DFB-Pokal gerne noch etwas länger aus dem Wege gegangen?

Jonas Hofmann: Natürlich ist der FC Bayern das schwierigste Los. Aber wenn man den DFB-Pokal gewinnen möchte, kommt man meist ohnehin nicht um ein Spiel gegen die Bayern drum rum, weil sie meist lange dabei sind. Aber wenn es uns gelingen sollte, sie bereits in der zweiten Runde aus dem Pokal zu werfen, würde es intenraus vielleicht ein bisschen einfacher werden. Ich spüre jedenfalls pure Vorfreude, weil das Spiel ein echter Kracher ist.

DFB.de: Sie haben gegen den FC Bayern München eine durchaus beachtliche Bilanz: Fünf Siege, zwei Unentschieden, acht Niederlagen. Was ist die richtige Taktik, um gegen Bayern München erfolgreich zu sein?

Hofmann: Wenn man nur defensiv arbeitet und die Bayern spielen lässt, ist es oftmals nur eine Frage der Zeit, bis der Ball ins Tor fällt. Vielleicht schafft man es auf diese Art und Weise manchmal, 90 Minuten ohne Gegentor zu bleiben. Aber am Mittwoch gäbe es dann eine Verlängerung, sodass die Bayern noch einmal 30 Minuten Zeit hätten. Daher müssen wir versuchen, uns nicht zu tief hinten reindrängen zu lassen. Wir brauchen auch selber Ballbesitz und dürfen dabei nicht nervös werden. Wir haben am 1. Spieltag bereits gezeigt, dass wir mit den Bayern mithalten können.

DFB.de: Damals trennten Sie sich mit dem FC Bayern München 1:1. Nur drei Monate zuvor ereignete sich allerdings in München eine 0:6-Niederlage. Wie lassen sich diese zwei völlig unterschiedlichen Spiele rückblickend erklären?

Hofmann: Gegen diese Mannschaft kann man sich leider schon mal fünf oder sechs Gegentore einfangen – vor allem in München. In Leverkusen haben die Bayern zuletzt zudem gezeigt, dass sie auch auswärts dazu in der Lage sind, dem Gegner das Leben unglaublich schwer zu machen. Sie haben einfach diese Qualität.

DFB.de: Welche Rolle kann der Borussia-Park bei dieser Partie spielen?

Hofmann: Eine große Rolle. Das Publikum kann uns immer wieder nach vorne pushen, wodurch wir noch einmal ein paar zusätzliche Prozente rausholen können. Ich glaube, für viele Gegner gibt es angenehmere Auswärtsspiele als bei uns.

DFB.de: An welches Spiel gegen den FC Bayern München denken Sie persönlich besonders gerne zurück?

Hofmann: Ich denke an jeden Sieg gegen Bayern gerne zurück, weil jeder Sieg gegen diese Mannschaft etwas Schönes ist. Klar: Wenn man selber ein Tor erzielt, ist es noch schöner. Aber jeder Sieg gegen die Bayern ist besonders. Sie zählen nun einmal zu den besten Mannschaften der Welt.

DFB.de: Sie trafen mit Borussia Dortmund auch im DFB-Pokalfinale schon einmal auf den FC Bayern München. Im Jahre 2014 unterlagen Sie mit 0:2 in der Verlängerung. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Partie?

Hofmann: Ich erinnere mich noch gut an das Tor, das Mats Hummels erzielt hat und welches letztendlich nicht gegeben wurde, obwohl der Ball klar hinter der Linie war. Damals gab es leider noch keine Torlinientechnik. Sonst hätte das Tor sicherlich gezählt. Ich wurde damals in der Verlängerung eingewechselt. Es ist natürlich immer bitter, ein Finale zu verlieren.

DFB.de: Haben Pokalspiele für Sie grundsätzlich einen besonderen Reiz?

Hofmann: Pokalspiele fühlen sich anders an als Ligaspiele, weil man bei einer Niederlage direkt draußen ist. Auf der anderen Seite benötigt man lediglich sechs Siege, um den Pokal zu gewinnen. Es ist der kürzeste Weg zu einem Titel.

DFB.de: Borussia Mönchengladbach fand mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Ligaspielen zunächst beschwerlich in die Saison. Welche Gründe haben Sie dafür ausgemacht?

Hofmann: Wir hatten ein relativ schwieriges Auftaktprogramm. Nach dem Unentschieden gegen die Bayern hatten wir eigentlich ein gutes Gefühl. Eine Woche später haben wir dann gegen Bayer Leverkusen eine absolut unglückliche und unerklärliche Vorstellung abgeliefert (Gladbach verlor mit 0:4, Anm. d. Red.). Das hat uns auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Wir haben teilweise noch nicht den Fußball gespielt, den wir uns vorgestellt haben. Oftmals haben wir auch zu viele Gegentore bekommen. Aber ich denke, wir haben nun uns selbst gefunden und ein System, das gut zu uns passt.

DFB.de: Themawechsel: Sie standen bei allen fünf Länderspielen unter Hansi Flick auf dem Platz. Zuvor hatten Sie bereits drei Länderspiele unter Joachim Löw absolviert. Welche neuen Einflüsse konnten Sie feststellen?

Hofmann: Es weht ein frischer Wind durch die Mannschaft. Das kennt man auch aus der Bundesliga, wenn ein neuer Trainer kommt. Jeder kann sich neu beweisen und gibt Vollgas. Diese Kleinigkeiten können den Unterschied ausmachen. Man hat in den zurückliegenden Länderspielen gesehen, wie wir brennen. Ich kann mich an Situationen erinnern, in denen wir den Ball mit aller Macht versuchen noch von der Außenlinie zu kratzen. So nimmt man auch die Fans mit. Man hat gespürt, dass sich etwas bewegt.

DFB.de: Sie liefen bei der Nationalmannschaft zuletzt als Rechtsverteidiger auf. Fühlen Sie sich in der Verteidigung genauso wohl wie im Mittelfeld und auf den Flügelpositionen?

Hofmann: Ja, das hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht. Natürlich war das gegen Gegner, gegen die ich größtenteils in der Offensive gefordert war. Das wird gegen größere Gegner anders. Dann wird die Defensivarbeit noch wichtiger sein. Aber ich denke, ich kann auch das bewältigen.

DFB.de: Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft ist bereits sicher. Nichtsdestotrotz stehen im November noch zwei weitere Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein und Armenien an. Wie blicken Sie diesen Aufgaben entgegen?

Hofmann: Auch wenn wir bereits für die WM qualifiziert sind, sollten wir diese Spiele nicht zu locker nehmen. Wir wollen genau dort weitermachen, wo wir aufgehört haben, wollen weiter an unserer Entwicklung arbeiten, keine Gegentore zulassen und mit viel Offensivfreude spielen.

DFB.de: In gut einem Jahr beginnt die Weltmeisterschaft in Katar. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die WM für Deutschland erfolgreich verlaufen wird?

Hofmann: Dass wir uns bereits gut entwickelt haben, dass wir diese gute Entwicklung fortsetzen möchten und dass wir noch viel Potential in der Mannschaft haben. Einige Spieler haben bereits gesagt, dass wir zurück an die Weltspitze möchten. Das ist das klare Ziel. Man merkt in den Spielen und auch im Training, dass wir alle dieses große Ziel vor Augen haben.

DFB.de: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Sie stammen eigentlich aus einer Handball-Familie. Ihr Vater spielte für den TSV Rot in der 2. Bundesliga. Auch ihre Großeltern waren in dem Sport aktiv. Warum sind Sie stattdessen beim Fußball gelandet?

Hofmann: Das ist eine ganz lustige Geschichte, weil ich mit dem Fußball eigentlich schon aufhören wollte. Ich habe damals parallel Fußball, Handball und Golf gespielt. Als ich zwölf Jahre alt war, sagten meine Eltern: 'Jetzt entscheide Dich mal für zwei Sportarten. Wir können dich nicht jeden Tag 100 Kilometer durch die Gegend fahren.' Also wollte ich mit dem Fußball aufhören.

DFB.de: Glücklicherweise haben Sie das nicht getan…

Hofmann: Genau. Es gab noch ein Sichtungsturnier mit der badischen Auswahl. Daran habe ich noch teilgenommen und wollte direkt danach mit dem Fußball aufhören. Noch am gleichen Abend rief mich dann der Jugendkoordinator von der TSG Hoffenheim an und sagte, dass sie mich gerne zu sich holen würden. Zum Glück war mir klar, was für eine großartige Chance das ist. Also habe ich statt mit dem Fußball mit dem Golf aufgehört. Ich war zwar auch im Golf talentiert – hatte das größte Jugendturnier in Deutschland gewonnen und hatte ein Handicap von 19 – trotzdem war das aus heutiger Sicht wohl die richtige Entscheidung (lacht).

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