Ivan Zampaglione über Lockrufe aus Portugal, Chelsea-Kontakt und BVB-Juwel Moukoko

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Es ist sehr gut möglich, dass Ivan Zampaglione demnächst von vielen Umzugskartons umgeben sein wird. Der Chefscout des italienischen Drittligisten US Triestina hat die Möglichkeit nach Portugal zu wechseln – Zweitligist Rio Ave will mit ihm zusammenarbeiten. Im Gespräch mit 4-4-2.ch bringt Zampaglione sein momentanes Aufgabengebiet näher, berichtet vom enttäuschenden Kontakt mit dem FC Chelsea und dass er schon weit vor dessen BVB-Wechsel beeindruckt von Supertalent Youssoufa Moukoko war.

Ivan Zampaglione liebt seinen Job. Er liebt nicht nur seinen Job, sondern auch die Umgebung, in der er ihn ausüben darf. Er spricht vom Stadio Nereo Rocco, in dem der italienische Drittligist US Triestina seine Heimspiele austrägt – und bezeichnet es aus voller Überzeugung als eines der schönsten Stadien Gesamtitaliens. An der oberen Adria ist Zampaglione seit rund einem Jahr als Chefscout beschäftigt.

In dieser Funktion kümmert sich Zampaglione hauptberuflich darum, vielversprechende Talente zu identifizieren, sie zu beobachten und zu analysieren, und im besten Fall von einem Wechsel in die norditalienische Hafenstadt überzeugen zu können. Mit über 60 Scouts arbeitet Zampaglione zusammen und hat dabei den Markt innerhalb sowie ausserhalb Italiens bestens im Blick.

Eigene Ideen bei Rio Ave vorgestellt

Die US Triestina muss sich aber wohl schon bald nach einem neuen chefverantwortlichen Beobachter umschauen. Zampaglione weckt Begehrlichkeiten, und das nicht nur in Italien. Rio Ave beschäftigt sich intensiv mit ihm. Beim portugiesischen Zweitligisten hat Zampaglione sogar schon vorgesprochen. Er habe dem Klub ein “gut strukturiertes Projekt”, das er bis ins Details geplant habe, vorgestellt. “Das Ziel ist zweifellos, potenzielle Spieler rekrutieren zu können und dabei vor allem auf das Potenzial und einen möglichen Weiterverkauf zu achten”, so Zampagliones Vision, die er für Rio Ave hat.

Zunächst heisst es aber abwarten für den 42-Jährigen. Warten auf ein Feedback aus Portugal. Zumindest fällt es leicht, Ablenkung zu finden, schliesslich ist er mit seiner Tätigkeit in Triest voll ausgelastet. Sorgen um seine Zukunft muss sich Zampaglione jedenfalls nicht machen. Er ist heiss begehrt, auch Parma Calcio bemüht sich um Zampagliones Dienste. Gut möglich also, dass er schon bald Gianluigi Buffon regelmässig zu Gesicht bekommt. Die italienische Torwartlegende kehrte nach dem Aus bei Juventus Turin zu ihren Wurzeln zurück. Abgeneigt ist Zampaglione mit Sicherheit nicht, für den Serie-A-Absteiger zu arbeiten. Die Stadt bezeichnet er als grossartig, die Verhandlungen seien aber keineswegs weit gediehen.

Als der FC Chelsea plötzlich vorstellig wurde

In den letzten Jahren ergaben sich für ihn etliche Möglichkeiten aus Italien auszubrechen, das gewohnte Umfeld zu verlassen und den Lebensmittelpunkt beispielsweise nach England zu verlagern. Von dort startete der FC Chelsea einen Annäherungsversuch. Zampaglione stand im Austausch mit Scott McLachlan, der im blauen Bezirk Londons bis heute seinen Verantwortungsbereich im Koordinieren der internationalen Scouts hat. Zampaglione hatte grosse Lust auf die neue Aufgabe, die zu seinem Leidwesen aber nicht zustande kam. Später gab es noch mal Kontakte auf die Insel, diesmal zu Norwich City. Aber auch hier wartete Zampaglione vergeblich auf eine Zusage. “Eine echte Schande”, sagt er, “aber so ist der Fussball.”

So ist Fussball also, meint Zampaglione, der das Schweizer Tessin sein zu Hause nennt. Er muss es wissen, denn in diesem Fachgebiet macht ihm so schnell keiner etwas vor. Beim Durchsehen seiner Vita braucht man keine forensischen Vorkenntnisse, um zu erkennen: der Italiener hat im Fussball schon richtig viel erlebt.

Erste Schritte beim FC Lugano

Zampaglione arbeitete beim FC Lugano in der Jugendabteilung. Seine erste Station im Scoutingbereich. Als Greenhorn in diese hochkomplexe Welt eingetaucht, nahm ihn vor allem Doriano Albisetti, der ehemalige Vorsteher der Jugendabteilung der Luganesi, an die Hand. “Ich habe ihm viel zu verdanken”, erinnert sich Zampaglione gerne an diese Zeit zurück. “Albisetti vertraute mir von Anfang an. Ich habe mich an die Richtlinien des Klubs gehalten, mit dem Ziel, respektiert zu werden. Kurzum: In Lugano fand ich ein hochprofessionelles Umfeld vor.”

Es folgten Stationen beim AC Legnano, dem FC Modena, in Parma und dann eine ganz spezielle Aufgabe. Bis Juli 2020, als Zampaglione seinen Dienst bei der US Triestina antrat, arbeitete er für die Stiftung von Weltklub Real Madrid. Zampaglione figurierte im Auftrag der Blancos als Sport Relationship Manager und zeichnete sich für Italien, die Schweiz und Belgien verantwortlich.

Kann jemand, der bereits für einen der grössten Fussballklubs der Welt gearbeitet hat, noch aus der Fasson gebracht werden? Natürlich, und zwar mit einem wahren Schmuckstück der Branche. Nur allzu gerne hätte Zampaglione das BVB-Supertalent Youssoufa Moukoko für einen seiner Klubs rekrutiert. Schon weit vor seinem Wechsel vom FC St. Pauli in den Nachwuchs von Borussia Dortmund hatte er den inzwischen jüngsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten begeistert studiert. Aber eben auch der BVB. “Gute Arbeit”, adressiert er – wenn auch zähneknirschend – ein Lob in den Westen Deutschlands.

Schnappschuss mit Ex-Nati-Trainer Vladimir Petkovic

Den jüngsten Trubel um Nati-Trainer Vladimir Petkovic hat Zampaglione übrigens sehr genau verfolgt. Man wisse nie, was sich im Fussball alles noch so ergeben könne, sagt er. Petkovic habe er beim Urlauben auf Formentera getroffen und sich angeregt mit ihm unterhalten. “Warum sollte ich eines Tages nicht im Scouting der Schweizer Nationalmannschaft unter Herrn Petkovic arbeiten?”, fragt Zampaglione hypothetisch. Klar, warum eigentlich nicht. Dann aber nicht mehr unter der Schirmherrschaft von Urlaubsflirt Petkovic, der den Verband inzwischen verlassen hat und zukünftig Girondins Bordeaux befürsorgen wird.

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