Interne Lösung oder Transfer-Vorgriff? Die Folgen des Davies-Ausfalls für den FC Bayern | OneFootball

Interne Lösung oder Transfer-Vorgriff? Die Folgen des Davies-Ausfalls für den FC Bayern

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Im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Spiel des FC Bayern gegen den 1. FC Köln teilte Trainer Julian Nagelsmann mit, dass beim kanadischen Linksverteidiger Alphonso Davies Anzeichen einer Herzmuskelentzündung zu sehen sind. Der Spieler muss sich nun auskurieren und fehlt dem Rekordmeister bis auf Weiteres.

FC Bayern muss länger auf Alphonso Davies verzichten

Julian Nagelsmann (34) sprach von einer „hochgradig beschissenen“ Situation, als er erklärte, dass bei Alphonso Davies (21) Anzeichen einer Herzmuskelentzündung zu sehen sind. Der Kanadier, der in der Vorwoche noch positiv getestet wurde und nach Ablauf der Quarantäne wieder auf dem Platz angreifen wollte, erlitt nun einen Rückschlag. Laut Nagelsmann steht der Spiele „in den nächsten Wochen“ nicht zur Verfügung, einen genauen Ausfallzeitraum konnte der Trainer nicht prognostizieren. Und genau hier liegt auch das Problem für den FC Bayern.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Positiv ist, dass die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die Bilder „nicht so dramatisch“ sind, dennoch ist Vorsicht und eine strenge Überwachung geboten, ehe der Spieler wieder mit dem Training beginnen kann. Die Ausfallzeit kann sich auf sechs bis acht Wochen belaufen, aber auch ein Saisonende ist je nach Verlauf, Abklingen der Entzündungssymptome und Aufbautraining vorstellbar. Bei Problemen rund um das Herz ist jede Vorsichtsmaßnahme generell erst einmal zu empfehlen.

Nicht nur für Davies selbst ist das alles andere als ideal, auch dem FC Bayern fehlt Planungssicherheit. Wann kann der Spieler wieder auf dem Platz stehen? Wie schnell kann die Intensität gesteigert werden? Erreicht er in dieser Saison überhaupt noch einmal sein Topniveau? Diese Fragen sind offen und werden sich auch in den nächsten Tagen nicht beantworten lassen. Die Verantwortlichen müssen das im Hinterkopf haben, wenn sie die Rückrunde planen.

Interne Lösungen: Ein Risiko besteht

Für den Rekordmeister ist es zunächst einmal positiv, dass es aktuell einige Rückkehrer in den Kader gibt. Andere Spieler haben nach ihren Covid-Infektionen zwar noch nicht die vollständige Fitness, aber keine größeren Probleme. Das Lazarett lichtet sich sukzessive, spätestens nach der zweiwöchigen „Pause“ Ende Januar sollte zum Topspiel gegen Leipzig ein fitter Kader zur Verfügung stehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Davies-Ausfall auch problemlos kompensiert werden kann. Interne Lösungsmöglichkeiten existieren aber definitiv.

Omar Richards (23), im Sommer aus der englischen Championship gekommen, hatte nun ein halbes Jahr Zeit, sich zu akklimatisieren. Gute Ansätze waren beim athletischen Linksfuß durchaus schon vorhanden und dass er eine gewisse Anlaufzeit benötigen würde, um mit dem höheren Niveau und Tempo zurecht zu kommen, stand bereits vorher fest. Dass er in der Rückrunde häufiger spielt, ist durchaus wahrscheinlich. Die zweite Lösung wäre Lucas Hernandez (25). Der Franzose kann die Position hinten links spielen, wird von Nagelsmann aber auch als wichtiger Spieler im Zentrum angesehen.

Hinzu kommt, dass die Defensive, plant man Hernandez dauerhaft links ein, im Zentrum wieder etwas dünner aufgestellt ist. Dayot Upamecano (23) und Niklas Süle (26) wären hier die Stammkräfte, der junge Tanguy Nianzou (19) der Ersatz. Das Problem, wenn ein Spieler zwei Positionen abdecken muss, liegt auf der Hand: Fällt dieser Spieler aus, geht der Grundgedanke dieser Maßnahme nicht mehr auf. Weitere Ausfälle würden dazu führen, dass Nagelsmann improvisieren müsste, was vor allem in den späteren Runden der UEFA Champions League alles andere als ideal ist.

Davies-Ausfall extern lösen? Ein Vorgriff ist möglich

Die andere Möglichkeit, die der FC Bayern hat, ist die eines Neuzugangs im Winter. Nun ist der Wintertransfermarkt generell nicht einfach und viele Spieler sind überteuert, aber Trainer Nagelsmann deutete bereits an, dass der Klub die Augen offen hat. Eine Option wäre es, einen Linksverteidiger zu verpflichten, möglicherweise auf Leihbasis. Doch der Markt auf dieser Position gibt nicht viel her, was gerade auch der FC Chelsea erfährt, der nach Verletzungssorgen händeringend nach einem Spieler sucht. Ein Leihgeschäft hätte den Vorteil, dass gerade bei einer schnelleren Davies-Genesung kein Überangebot besteht, weil der besagte Neuzugang ohnehin nur bis Sommer eingeplant wäre.

Die zweite Option wäre es, einen Vorgriff auf der Innenverteidigerposition zu tätigen. Der Süle-Vertrag läuft im Sommer aus, aktuell stehen die Zeichen bei ihm eher auf Abschied. Das bedeutet, dass der Klub im Sommer ohnehin reagieren müsste. Ein Spieler, der jetzt schon nach München wechselt, hätte Zeit, sich entsprechend zu integrieren. Zudem würde das eine Hernandez-Versetzung für einige Wochen ermöglichen und das Problem der Mehrfachbesetzung von Positionen durch einen Spieler lösen.

Davon ausgehend, dass der FC Bayern keine große Tranfersumme in die Hand nehmen will, wären vor allem Spieler, deren Vertrag im Sommer ausläuft, hierfür eine Option. Matthias Ginter (27) von Borussia Mönchengladbach wäre ein solcher, denn die Fohlen haben bereits signalisiert, dass er im Winter wechseln dürfte, zumal schon ein Ersatz verpflichtet wurde. Überdies gibt es Gerüchte um Andreas Christensen (25), dessen Chelsea-Vertrag im Sommer ausläuft.

Auch Boubacar Kamara (22, Marseille) ist eine Option. Er kann im defensiven Mittelfeld und in der Abwehr spielen, könnte ein halbes Jahr die Verteidigerposition übernehmen und im Sommer eine Position nach vorne rücken, da der Vertrag von Corentin Tolisso (27) nicht verlängert wird. Die Tage bis zum 31. Januar versprechen beim Rekordmeister also viel Spannung.

(Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

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