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·30. August 2025
HSV zurück in der Realität: So wird das nix mit dem Klassenerhalt

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·30. August 2025
Als Andreas Hountondji in der 60. Spielminute das Tor zum 2:0 erzielte, hatten sich die Anhänger des FC St. Pauli längst in den Partymodus gestürzt. Der Sieg im Volkspark war ihnen nicht mehr zu nehmen. Jeder im Stadion spürte das: Von diesem Hamburger SV geht im Derby keine Gefahr aus.
Die Statistik belegt die Einschätzung. Im Sekundentakt rechnen Datenprofis ja die Torwahrscheinlichkeit von Mannschaften aus, die sogenannten „xGoals“ (Expected Goals). Beim HSV stand dort nach Abpfiff 0,4, was übersetzt heißt: Man könnte zwei Spiele machen und würde kein Tor schießen.
Und so sieht’s auch nach zwei Spieltagen seit dem ersehnten und gefeierten Bundesliga-Aufstieg aus: Kein einziges Tor erzielte das Team von Trainer Merlin Polzin in Mönchengladbach (0:0) und jetzt gegen St. Pauli (0:2). Die zwei Abseitstore, die fielen, sind da kein Trost.
Man muss es so sagen: Wenn der HSV so weiterspielt, wird das nix mit dem Klassenerhalt. Mit der Umstellung auf eine Fünfer-Abwehrkette hat man zwar die Verteidigung stabilisiert. Aber nach vorne geht praktisch gar nichts: Der Angriff ist ein laues Lüftchen.
Jetzt rächt sich, dass der Hamburger SV seinen besten Torjäger Davie Selke (22 Treffer in der 2. Liga) nicht im Kader gehalten hat. Seine Wucht und Mentalität und damit Torgefahr bringt sein Nachfolger Yussuf Poulsen nicht auf den Platz. Selkes Abgang war ein Fehler.
Ob HSV-Boss Stefan Kuntz die Fehleinschätzung in einer stillen Minute einräumt, ist nicht überliefert. Aber er weiß sehr wohl, dass die Harmlosigkeit im Sturm ein Problem darstellt, und kündigt einen Last-Minute-Transfer an: Bis Montag will er einen neuen Angreifer präsentieren.
Man kann sich nur wundern, dass die Verstärkung nicht längst beim Team ist. Schon beim DFB-Pokalspiel in Pirmasens (2:1 n.V.) vor zwei Wochen verzeichnete der Bundesligist in der ersten Halbzeit weniger Torchancen als der munter aufspielende Fünftligist. Das sah erschreckend aus.
Bei der Ursachenforschung reicht der Blick in die Transferbilanz: 1,33 Mio. Euro Investment steht unterm Strich, wenn man von den Ausgaben für Zugänge die Einnahmen aus Spielerverkäufen abzieht. Das ist wirtschaftlich vernünftig, aber führt sportlich ins Desaster.
Das Tempo auf dem Rasen hat einerseits zugenommen, das muss man zugestehen. Andererseits ersetzt Passschärfe kein Powerplay: Als die HSV-Fans nach dem Rückstand ein Aufbäumen einforderten, blieb das letzte Spieldrittel, wo Torgefahr inszeniert wird, eine No-Go-Area.
Kleinmütig räumte Kuntz nach der Derby-Pleite ein: „Wir müssen noch viel lernen.“ Er war selbst ein Weltklasse-Stürmer und erkennt, was fehlt. Womöglich entscheiden die zwei Tage bis zum Transferschluss am Montag, der Angreifer, den er präsentiert, über die ganze Saison.
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