đŸłïžâ€đŸŒˆ Homosexuell und Fußballfan: "Man gehört komplett dazu"

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Philipp Bommer ist ein Fußballfan wie du und ich. Sein Lieblingsverein ist Hertha BSC, er besitzt eine Dauerkarte und engagiert sich im Fanclub 'Hertha-Junxx'. Philipp ist zudem homosexuell und sein Fanclub ein ganz besonderer: Es ist deutschlandweit der Ă€lteste schwul-lesbische Fanclub im Fußball. OneFootball-Redakteur Jan Schultz hat mit Philipp gesprochen.

"Die Hertha-Junxx waren vor etwa vier Jahren meine erste Kontaktperson vorm Outing. Sie haben mir geholfen, dass ich zu mir selbst stehen und offen damit umgehen kann. Ich finde es wichtig, dass ich das zurĂŒckgeben kann, was mir gegeben wurde", erklĂ€rt Phil, wie er gerne gerufen wird, direkt zum Einstieg des GesprĂ€chs.

Bereits seit 2001 existiert der Fanclub, ist seither mit Bannern stets prĂ€sent in der Berliner Ostkurve. Und dort auch bestens integriert: "Das Schönste, was man festhalten kann, ist die Tatsache, dass man komplett dazu gehört. Und dass man fehlt, wenn man mal nicht da ist." Das gilt durchaus auch fĂŒr AuswĂ€rtsspiele. So erinnert sich Phil an ein Treffen mit einem queeren Fanclub in Köln. Dort sei von AnhĂ€ngern "beider Vereine auch nichts Negatives gekommen".

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Und trotzdem hat der Herthaner schon andere Erfahrungen im Stadion gemacht. In den letzten beiden Spielzeiten, in denen er zu Spielen gehen konnte, hat er "je einmal hinter mir ein 'Schwuchtel' gehört". Einmal schwieg Phil, einmal drehte er sich um und legte einen strengen Blick auf: "'Das muss im Jahr 2019 nicht mehr sein', habe ich da entgegnet. Danach habe ich das ganze Spiel von hinten nichts mehr gehört."

Dass die Rufe beide Male Akteuren auf dem Feld galten, macht es dabei keinesfalls besser. Jene hören es zwar wohl nicht, Umstehende in der Kurve aber sehr wohl. "Da sind dann eventuell auch Jugendliche dabei, die sich nicht trauen, sich zu outen. Die an sich zweifeln. Und sowas verstĂ€rkt es dann wieder. Das ist dann das Problem – nicht, dass die Spieler homofeindlich beleidigt werden", spricht Phil aus Erfahrung.

Hertha hÀlt Wort

Vor 20 Jahren sei es mit derartigen Aussagen deutlich schlimmer gewesen, mittlerweile habe im Fanblock ein gewisser Belehrungsprozess eingesetzt: "Das ist auch wichtig in der Ostkurve. Wenn so etwas fÀllt, stehen Fans ringsherum auf und sagen selbst: 'Hey, so nicht!'"

Und auch sein Verein selbst geht in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel voran. Nachdem der damalige Torwarttrainer Zsolt Petry im April mit queerfeindlichen Aussagen fĂŒr Aufregung gesorgt hatte, reagierte Hertha mit der KĂŒndigung. Es ist eine Reaktion, die Phil als "konsequent und wĂŒnschenswert" einordnet. Denn der Hauptstadtklub wirbt seit Jahren mit Werten wie Toleranz, Offenheit und DiversitĂ€t, hat in dem Zuge auch die Charta der Vielfalt unterzeichnet. "Wer sich so viele Themen auf die Fahne schreibt, muss handeln, wenn etwas passiert", so Phil.

Genau das ist im Fußball aber eben nicht immer der Fall. So habe etwa der QFF (Queer Football Fanclubs, Vereinigung schwul-lesbischer Fußball-Fanclubs) nach den Petry-Aussagen ebenso wie viele Fans einen Brief an Herthas PrĂ€sidium geschickt, das sich in der Folge schnell zusammengesetzt hat. Als der QFF hingegen "schon zuvor beim homofeindlichen Banner der Union-Fans im Derby 2019" einen Brief geschickt hatte, blieb eine Reaktion aus. https://twitter.com/ultrapeinlich/status/1191813709930344454 Wie tolerant der Fußball daher nun wirklich ist, vermag auch Phil nur "schwer zu sagen. Denn man merkt es ja nur, wenn etwas passiert und Konsequenzen folgen – oder eben nicht". Dass die Symbolik spĂŒrbar zunimmt und sich in Vereinen sowie VerbĂ€nden viel tut, ordnet Phil indes klar positiv ein, "weil es auf das Thema aufmerksam macht".

Ein Gradmesser fĂŒr die tatsĂ€chliche Toleranz sei es jedoch noch nicht: "Wie offen der Fußball ist, wird man erst sehen, wenn sich ein Spieler outet und RĂŒckhalt vom DFB bekommt. Oder wenn ein Spieler homofeindlich beleidigt wird und dann tatsĂ€chlich eine Strafe folgt."

Bei HomosexualitÀt hört es nicht auf

Gerade ersteres ist spÀtestes seit dem Coming Out von Thomas Hitzlsperger ein oft diskutiertes Thema. "Das Ziel ist ja nicht, dass sich irgendein Spieler outet. Das Ziel von uns und vom QFF ist, dass sich ein Spieler outen kann", ordnet Phil dies ein. Mögliche Probleme sieht er dabei vor allem in der medialen Berichterstattung und der Reaktion eventueller Sponsoren.

Folglich zeigt sich in der Hinsicht die untrennbare Verbindung zwischen dem Fußball und dem allgemeinen, öffentlichen Leben: "Fußball ist ja auch Gesellschaft. Man hat im Stadion ja auch einen Querschnitt auf den RĂ€ngen."

Insgesamt dĂŒrfe man dennoch von einem positiven Trend sprechen: "Ich sage immer, dass wir schon viel erreicht haben, genauso viel aber noch vor uns liegt. Es hört dann ja auch nicht bei schwulen Fußballern auf. Es ist noch viel im gesamten Fußball zu tun: Mit Transgendern, Intersexuellen, mit dem Spielrecht. Man darf Personen einfach nicht ausschließen."


Um den Pride Month - eine globale Feier der LGBTQ+ Gemeinschaft - zu zelebrieren und zu unterstĂŒtzen, veröffentlicht OneFootball eine Artikelreihe, die die LGBTQ+ Mitglieder unserer Fußball-Welt wĂŒrdigt.
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