Haaland und Lewandowski: So liefen die ersten Wochen im neuen Klub | OneFootball

Icon: 90PLUS

90PLUS

·28. September 2022

Haaland und Lewandowski: So liefen die ersten Wochen im neuen Klub

Artikelbild:Haaland und Lewandowski: So liefen die ersten Wochen im neuen Klub

Zwei absolute Topspieler und Schlüsselfiguren ihrer Klubs verließen im Sommer die Bundesliga: Erling Haaland und Robert Lewandowski. Ersterer zu Manchester City, letzterer zum FC Barcelona. Beide haben schon Duftmarken beim Arbeitgeber hinterlassen und ihre Qualitäten unter Beweis stellen können.

Haaland: Tore satt nach Anfangsproblemen

Das erste Pflichtspiel der Saison war für Erling Haaland (22) gleich ein ganz besonderes, denn im Community Shield, dem Supercup in England, ging es gegen den FC Liverpool. Der Norweger vergab in seinem ersten Pflichtspiel für Manchester City zahlreiche hochkarätige Chancen und seine Mannschaft verlor mit 1:3. Die Urheber vereinzelter kritischer Stimmen, die dem Torjäger zumindest eine schwierige und lange Eingewöhnungszeit prophezeiten, fühlten sich bestätigt.

Knapp zwei Monate und 14 Tore aus neun Pflichtspielen später sind diese Stimmen komplett verstummt. Mittlerweile ist der Offensivspieler in Manchester mehr als nur angekommen. Nahezu jedes Wochenende lässt der immer noch erst 22-jährige Mittelstürmer neue Rekorde purzeln, so traf er bereits in allen seiner ersten vier Auswärtsspielen – ein Novum in der Historie der Premier League. Die Kombination Manchester City und Erling Haaland scheint perfekt zu harmonieren: Während Haaland durch den Wechsel in die populärste und finanziell attraktivste Liga der Welt auch außerhalb des Platzes in neue Sphären aufsteigt und seine Marke stärken kann, scheint es fast so, als wäre der 1,94 m große Ex-Bundesligaspieler das entscheidende Puzzlestück, das Pep Guardiolas Team noch gefehlt hat, um endgültig unaufhaltsam zu sein.

Die heimische Premier League konnte man in den letzten Jahren meistens auf beeindruckende Art und Weise für sich entscheiden, vier Meisterschaften in den letzten fünf Jahren zeigen ein klares Bild. Im Vergleich dazu waren die Auftritte im internationalen Geschäft für das Team aus dem Nordwesten Englands von bitteren Niederlagen geprägt: Unter anderem unterlag die Mannschaft Olympique Lyon und zuletzt Real Madrid.  Jedes Jahr wurden die Skyblues von vielen Experten als die beste Mannschaft der Welt bezeichnet und zum Topfavoriten auf den Champions-League-Titel auserkoren, nur um immer wieder im entscheidenden Moment zu scheitern.

Haaland: Neue Ebene für das City-Spiel

Erling Haaland gibt dem Spiel der Skyblues nun eine neue Ebene: Ein Goalgetter, der Spiele auch einmal im Alleingang entscheiden kann. Jemand, den man in den entscheidenden Momenten eines Spieles einfach mal im Strafraum anvisieren kann, hat dem Starensemble Guardiolas in den letzten Jahren noch gefehlt. Haaland schlägt Kapital aus den Anspielen der zahlreichen genialen Kreativspieler in den Reihen von City. Kaum ein anderer Stürmer des amtierenden englischen Meisters hat es in den letzten Jahren geschafft auf vergleichbare Art und Weise neben Kevin de Bruyne und co. zu brillieren. Sergio Agüero, bester Torschütze der Klubgeschichte, brachte allein schon aufgrund der körperlichen Unterschiede nicht diese Wucht mit, andere lassen sich in noch viel weniger Elementen mit dem Norweger messen. Ein konkretes Beispiel für die außerordentlichen Fähigkeiten des Norwegers war das Champions-League-Spiel gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund.

Artikelbild:Haaland und Lewandowski: So liefen die ersten Wochen im neuen Klub

Photo by David Ramos/Getty Images

Über 80 Minuten hatte sich City an der stabilen Dortmunder Defensive die Zähne ausgebissen und konnte sich kaum klare Chancen erspielen. Nachdem John Stones für den Ausgleich sorgte, wollten die Engländer mehr als einen Punkt, drückten auf den Siegtreffer und dann passierte es: Quer in der Luft stehend sorgte das Supertalent mit seinem Knöchel für das wichtige 2:1 und sicherte seiner Mannschaft damit drei Punkte im Kampf um den Gruppensieg. Haaland ist die optimale Ergänzung für eine Mannschaft, die ohne ihn schon schwer zu schlagen war und durch seinen Wechsel zu City wird ihm das erste Mal in seiner Karriere eine Mannschaft zur Seite gestellt, mit der er realistische Chancen auf den Champions-League-Titel hat. Ob es für Manchester City dieses Jahr endlich mit dem großen Wurf funktioniert, bleibt abzuwarten, doch nach einem verheißungsvollen Saisonstart stehen die Chancen, dass der Verein den größten Erfolg seiner Geschichte realisieren kann, vermutlich besser denn je – und das nicht zuletzt dank eines jungen Skandinaviers.

Auch Lewandowski weiß zu begeistern

Ähnlich beeindruckend war der Start von Haalands ehemaligem Bundesliga-Kontrahenten Robert Lewandowski für seinen neuen Arbeitgeber FC Barcelona. Nachdem einem monatelangen Hin und Her in den Transferverhandlungen zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern München, begleitet von zahlreichen öffentlichen Sticheleien zwischen Lewandowski und dem FCB, war es dann am 5. August dieses Jahres so weit: Der Pole wurde vor über 40.000 euphorisierten Barca-Anhängern im Camp Nou vorgestellt. Und der Angreifer fügt sich brillant ein. Ungefähr ein Jahr nach dem dramatischen Abgang von Vereinsikone Lionel Messi hat Barcelona wieder einen Superstar in seinen Reihen.

Endlich kann der Klub also wieder sportliche Schlagzeilen schreiben, denn in den letzten Jahren sorgten unter anderem krude Deals, finanzielle Probleme, der Absturz in die Europa League und das dortige Aus gegen Eintracht Frankfurt für Missmut. Lewandowski war im Sommer Teil einer größeren Transferoffensive und der Stürmer hat die Hoffnung nach Barcelona zurückgebracht. Der Anspruch, wieder in jedem Wettbewerb um den Titel spielen zu können, ist zurückgekehrt – denn Lewandowski trifft auch in La Liga wie er will. Mit acht Toren in sechs Einsätzen steht der Mittelstürmer da, wo er sich auch in der Bundesliga jahrelang zu Hause wähnte – an der Spitze der Torjägerliste.

Für den FC Barcelona ist es ein vielversprechender Start. Bis auf ein Remis in La Liga gegen Rayo Vallecano im ersten Spiel der Saison und einer unglücklichen Niederlage in der Champions League bei Bayern München, in der man aber dennoch gezeigt hat, dass man auf internationalem Topniveau wieder konkurrenzfähig ist, konnte jedes Spiel souverän gewonnen werden. Grund dafür ist eine moderne Interpretation des dominanten, ballbesitzlastigen Offensivfußballs unter Xavi, die an alte Zeiten erinnerte und auch Lewandowski enorm entgegen kommt. Ob dieser ruhmreiche FC Barcelona tatsächlich wieder zurück ist, wird sich noch zeigen, aber nicht zuletzt dank der Verpflichtung des Polen und seinem Raketenstart ist vorsichtiger Optimismus definitiv angebracht. Die Zeichen für die beste Saison seit ein paar Jahren stehen sehr gut – ebenso wie für eine weitere Torjägerkrone für Lewandowski. Und wer weiß: Vielleicht klappt es kurz vor dem Herbst seiner Karriere dann doch noch mit dem heißersehnten Ballon d’Or…

( (Photo by David Ramos/Getty Images)

Florian Teuber

Impressum des Publishers ansehen