Gaal: Eine Rückkehr, die Sinn ergibt | OneFootball

Gaal: Eine Rückkehr, die Sinn ergibt

Logo: Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Selbst als er das rosa Hasenkostüm bereits in den Händen hält, kann Tom Gaal es immer noch nicht glauben. „Trainer, das kann ich doch nicht anziehen!? Wir bereiten uns auf die Saison vor, außerdem ist es über 30 Grad warm.“ Doch Heiko Vogel meinte es ernst. Borussias U23-Spieler hatte beim Rondo, einem beliebten Aufwärmspiel, die meisten Beinschüsse aller Spieler bekommen. Deshalb musste der Innenverteidiger sich zum Hasen machen und die restliche Trainingseinheit im Kostüm durchstehen.

Bei der Erinnerung an diesen Tag im vergangenen Sommer muss Gaal noch immer schmunzeln: „Von Mitspielern und meiner Familie durfte ich mir den einen oder anderen Spruch anhören. Ich kann aber gut über mich selbst lachen, mir macht sowas Spaß.“ Der 20-Jährige ist sich sicher, dass solche Albereien der Stimmung im Team gut tun. Manch einen Spieler hätte diese Aktion vielleicht Überwindung gekostet – vor allem als Neuzugang, so wie er auf dem Papier einer ist. Allerdings kennt Gaal den Verein und die meisten seiner Mitspieler nur zu gut, schließlich war er nach einem Jahr bei der U23 des VfL Wolfsburg zu Borussia zurückgekehrt.

„Von Anfang an 100 Prozent gegeben“

Beim SC Hardt, wenige Kilometer vom BORUSSIA-PARK entfernt, lernte der gebürtige Gladbacher das Fußballspielen, bevor er 2010 in Borussias U10 wechselte. Für ihn ging damals ein Traum in Erfüllung. Seit er denken kann, ist er Fan dieses Vereins, radelte als Kind regelmäßig zu den Heimspielen. „Ich dachte mir: ‚Jetzt oder nie‘, ich habe von Anfang an 100 Prozent gegeben“, erklärt Gaal. Zehn Jahre durchlief er Borussias Jugendmannschaften, im Herbst 2019 durfte er das erste Mal bei den Profis vorspielen. In einem Testspiel gegen den KFC Uerdingen gelang ihm sogar ein Kopfballtreffer. Vieles deutete darauf hin, dass der beidfüßige Defensivspieler den nächsten Schritt bei Borussia schaffen könnte.

Das Talent des Jugendspielers machte aber auch andere Vereine auf ihn aufmerksam. So stand er vor der schwierigen Frage: Wo ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, den Sprung in den Profifußball zu schaffen? „Ich habe damals ein reizvolles Angebot aus der Zweiten Liga bekommen. Mir ist die Entscheidung sehr schwergefallen, aber ich wollte diesen Schritt gehen“, erinnert er sich. „Es hat aber einige schlaflose Nächte und Gespräche mit Freunden und der Familie gebraucht, bevor ich mir sicher war.“

Eine vielversprechende Rückkehr

Alles schien klar für den Youngster, doch dann machte Corona seine Pläne zunichte – das Angebot wurde zurückgezogen. Gaal musste umdenken und heuerte schließlich bei der U23 des VfL Wolfsburg an. Aber auch bei den Wölfen blieb er vom Pech verfolgt. Die Regionalliga Nord wurde pandemie-bedingt abgebrochen, von den neun möglichen Partien kam der Neuzugang in keiner zum Einsatz. Zudem kündigten die Wolfsburger an, die U23-Mannschaft aufzulösen. Gaal stand vor der Frage, wie es für ihn weitergehen könnte. Zwar hatte er einen Plan B in der Tasche und ein Sportmanagement-Studium begonnen, aber mit der Fußballkarriere sollte es noch lange nicht vorbei sein. „Ich hatte ein Jahr lang nicht gespielt. In so einer schwierigen Situation ist es für junge Spieler wichtig, ein Umfeld zu finden, in dem man sofort funktionieren kann.“

Zeitgleich entschied sich Borussias U23 für einen Umbruch zur Saison 2021/22. Die Verantwortlichen wollten den Fokus noch mehr auf junge Spieler legen. Ein Glück für Gaal, dass die Fohlen für dieses Unterfangen noch einen passenden Innenverteidiger suchten. „Die Verbundenheit zu Borussia war bei mir immer noch groß. Mir hat das Herzliche sehr gefehlt“, erinnert er sich.

Borussias Nachwuchsdirektor Roland Virkus, Trainer Heiko Vogel und Gaal setzten sich zusammen und erkannten schnell, dass eine Rückkehr für beide Seiten Sinn ergibt. Gaal passte perfekt ins Beuteschema. „Wir wollten hier ein Becken voller Talente aufbauen, deswegen haben wir uns gefreut, dass Tom zu uns zurückgekehrt ist“, sagt Virkus, der die Stärken des Spielers genau kennt: „Seine Kernkompetenz ist das Verteidigen, dazu kommen aber noch seine gute Spieleröffnung und seine intelligente Spielweise.“

Nur ein Hinrundenspiel verpasst

Dass sich die Verpflichtung gelohnt hat, beweist die Statistik: In der Hinrunde verpasste der 1,93 Meter große Verteidiger krankheitsbedingt lediglich ein Spiel, ansonsten war er immer ein fester Part in der Dreierkette. Der Borusse sieht sich mehr und mehr in die Rolle eines Führungsspielers hineinwachsen.

Gaals Entwicklung ist ein weiteres Mal bis zur Lizenzmannschaft durchgedrungen. Vor dem Heimspiel gegen Greuther Fürth ergänzte er die Trainingsgruppe der Profis. Am 16. Spieltag stand er gegen Eintracht Frankfurt sogar das erste Mal im Kader. „Seit ich zurück bin, hätte es für mich nicht besser laufen können“, freut er sich. „Es war eine unglaubliche Erfahrung, dabei zu sein.“

Der Rückkehrer hat es ohne Anlaufprobleme geschafft, dort weiterzumachen, wo er 2020 bei Borussia aufgehört hatte. Jetzt möchte er mit der nötigen Portion Gelassenheit die künftigen Schritte angehen: „Und wenn ich am Ende der Leiter ein Bundesligaspiel bestreiten und mein Trikot im Kabinengang aufhängen darf, weiß ich, dass ich einen guten Job gemacht habe.“

Dieser Text ist in der im Dezember erschienenen 75. Ausgabe des „FohlenEcho - Das Magazin“ zu finden. Du willst auch Borussias exklusives Mitgliedermagazin regelmäßig im Briefkasten haben? Dann mach dich Borussia.

Impressum des Publishers ansehen