🎼 FIFA 21 Review zum Release: Endlich die langersehnte Verbesserung?

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Niklas Levinsohn

Artikelbild: 🎼 FIFA 21 Review zum Release: Endlich die langersehnte Verbesserung?

Neues Jahr, neues FIFA: Heute feiert FIFA 21, der neueste Ableger der EA Sports-Serie, offizielles Release. Wir haben das Spiel fĂŒr Dich unter die Lupe genommen.

Hinter diesem „Wir“ verbirgt sich eigentlich nur eine Person, deren AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zu FIFA-Spielen so groß ist, dass sie sich natĂŒrlich fĂŒr entsprechenden Aufpreis die Vorab-Version besorgt hat. Etwas mehr als 50 gemachte Spiele dĂŒrften Grundlage genug sein, um eine fundierte EinschĂ€tzung abzugeben. Also, what’s in the game?



Allgemeines Gameplay

Das Wichtigste vorweg: FĂŒr den Moment ist es bedeutend besser, spaßiger und fußballnĂ€her als alles, was FIFA 19 und FIFA 20 zu bieten hatten. Was allerdings wenig beeindruckend ist, denn 19 und 20 gehören wohl zu den schlechtesten Ablegern der gesamten Serie. Nur weil FIFA 21 im Vergleich besser abschneidet, muss es also nicht zwingend ein gutes Spiel sein. Sind ja auch nicht alle Mannschaften gut, die Schalke 04 schlagen. Man macht’s halt einfach.

Aber tatsĂ€chlich fĂŒhlt sich FIFA 21 aktuell nach einem vielversprechenden Spiel an. Woran das liegt? Das Verteidigen ist schwieriger bzw. leicht verĂ€ndert worden und bereitet vielen Zockern noch erhebliche Probleme. Online entsteht so ein offener Schlagabtausch, der wenig gemein hat mit dem ermĂŒdenden Ballgeschiebe aus dem Vorjahr.

Außerdem hilft es, dass dem angreifenden Spieler verbesserte Werkzeuge an die Hand gegeben wurden. Deine CPU-gesteuerten Mitspieler haben ein wenig von ihrer Hirnmasse zurĂŒckbekommen und starten tatsĂ€chlich hin und wieder selbststĂ€ndig gute Laufwege. Mit dem neuen „Creative Runs“-Feature kannst Du zusĂ€tzlich selbst gezielte LĂ€ufe triggern und so mehr Bewegung in dein Offensivspiel bringen.

Flanken haben in ihren wirklich gut umgesetzten Variationen wieder einen Wert, weil auch KopfbĂ€lle nach einem Jahr Abstinenz wieder eine Option sind. Im klassischen Torabschluss stehen Dir ebenfalls mehr Möglichkeiten zur VerfĂŒgung. Warst Du in FIFA 20 noch gezwungen, quasi ausnahmslos ins kurze Eck zu zielen, lĂ€sst sich der Torwart jetzt auch wieder per Schlenzer ins lange ĂŒberwinden.


Die Schattenseiten

Bei allen Pluspunkten, die FIFA 21 auf den ersten Blick zu bieten hat, gibt’s natĂŒrlich eine ganze Menge zu meckern. Viele der alten Probleme, die Controller aus HĂ€nden rutschen lassen, sind geblieben: Spieler, die sich besonders in der Verteidigung partout nicht wechseln lassen. Gegnerische StĂŒrmer, denen der Ball anscheinend mit Panzertape an den Fuß geklebt wurde. Und leider auch wieder die Möglichkeit, nahezu ungehindert auf Zeit zu spielen, wenn man es denn darauf anlegt.

Auch eines der neuen Features nervt eher als dass es hilft. Das „Agile Dribbling“, das Du durch das Halten von R1 (PS4) bzw. RB (Xbox) auslösen kannst, wirkt in seiner schnellen AusfĂŒhrung absolut unnatĂŒrlich und hat wenig mit menschlich möglichen BewegungsablĂ€ufen zu tun. Jetzt noch ein paar Worte zum Spielen gegen den CPU und den Modi, die hinter Ultimate Team gerne in Vergessenheit geraten.

EA hat versucht, Duelle mit dem Computer zu einer weniger langweiligen Angelegenheit zu machen. Das ist leider komplett in die Hose gegangen. Der neue „Competitor Mode“ soll den CPU die Spielstile berĂŒhmter FIFA-Spieler nachbilden lassen, um fĂŒr ein realistischeres Spielerlebnis zu sorgen. Klingt erstmal gut. In der Praxis sorgt das aber dafĂŒr, dass selbst Arminia Bielefeld gefĂŒhlt elf Ronaldinhos auf dem Rasen hat, die Trick an Trick reihen bis Du dich in Embryostellung vor deinen Fernseher legst.


Karrieremodus und Pro Clubs

Das dĂŒrfte Dich auch nerven, wenn Du beispielsweise gerne den Karrieremodus spielst. Der sieht ansonsten aber besser aus als in Vorjahren, in denen er kategorisch links liegen gelassen wurde. Die Trainingsmöglichkeiten sind vielfĂ€ltiger, Du kannst in simulierte Spiele jederzeit einsteigen und die Marktwerte der Spieler sind realitĂ€tsnĂ€her als frĂŒher. Hier hat sich also wirklich etwas getan.

Über Pro Clubs lĂ€sst sich das leider nicht sagen. Der Multiplayer-Modus, der sich seit Jahren einer sehr loyalen Fanbase erfreut, stand offensichtlich mal wieder am Ende der EA-internen Nahrungskette. Ein paar kosmetische Überarbeitungen gibt es zwar, aber im Wesentlichen ist alles beim Alten geblieben. Dass der fast schon einzige Modus, der fĂŒr ein Fußballerlebnis im Sinne eines Mannschaftssports steht, so wenig Beachtung kriegt, ist und bleibt schade.


Letzte Worte

Das Haus, das FIFA 21 ist, steht auf demselben Fundament wie sein unmittelbarer VorgĂ€nger. Wer sich eine GeneralĂŒberholung gewĂŒnscht hat, dĂŒrfte also enttĂ€uscht werden. Die steht wohl allerfrĂŒhestens mit dem Wechsel auf die neue Konsolen-Generation an. EA hat allerdings erfolgreich an ein paar kleinen Stellschrauben gedreht, die sich zum jetzigen Zeitpunkt nach einer spĂŒrbaren Verbesserung anfĂŒhlen.

Auch FIFA 21 ist ein fehlerhaftes, zuweilen frustrierendes Spiel, aber eines, in dem endlich wieder der Spaß ĂŒberwiegen könnte. Alles hier Geschriebene ist nichtsdestotrotz mit Vorsicht zu genießen, denn nach dem ersten Patch könnte alles schon wieder anders aussehen. Es wĂ€re nicht das erste FIFA, das EA nur wenige Tage nach Release verschlimmbessert.