Fehlende Effizienz und EM-Fahrerinnen: FC Bayern Frauen verlieren ersten Test gegen Brighton | OneFootball

Fehlende Effizienz und EM-Fahrerinnen: FC Bayern Frauen verlieren ersten Test gegen Brighton

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Die Europameisterschaft ist vorbei und der Fokus richtet sich wieder auf den Vereinsfußball. Es dauert nicht mehr lange, bis die Frauen-Bundesliga am 16. September mit der Partie FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt in die neue Saison startet. Das Top-Duell wird dabei im Deutsche Bank Park ausgetragen.

Mit dem Auftakt fest im Blick ist die Vorbereitung der Teams in vollem Gange. So absolvierten der FC Bayern am Sonntag ein erstes Testspiel gegen die Frauen von Brighton & Hove Albion, das sie jedoch knapp mit 0:1 verloren. 90min verfolgte das Spiel vor Ort in München.

Neuer Trainer, neues Spiel

Die Frauen des FC Bayern blicken zurück auf eine durchwachsene Saison. Trotz herausragender Ergebnisse und Leistungen konnte die Mannschaft nicht an vorherige Erfolge, wie den Gewinn der deutschen Meisterschaft 2021/22, anknüpfen. In der Champions League setzte es, auch Corona-bedingt, ein frühes Aus im Viertelfinale, während man im DFB-Pokal wiederholt an der Konkurrenz aus Wolfsburg scheiterte.

Im Hinblick auf die individuelle Qualität im Kader der Münchnerinnen, sowie den hohen Ansprüchen des Vereins, war das nicht genug. Bereits kurze Zeit nach dem titellosen Saison-Ende wurde die einvernehmliche Trennung von Cheftrainer Jens Scheuer bekannt gegeben. Zwar wirkte dieser Entschluss hart, unterstrich jedoch die Ansprüche und das Ziel, sich als Top-Team im europäischen Frauenfußball zu etablieren.

Um die ambitionierten Pläne in der Praxis umzusetzen, wurde der Norweger Alexander Strauss als neuer Cheftrainer verpflichtet. Er steht für offensiven und kreativen Fußball und damit jene Elemente, die unter Scheuer zuletzt abgenommen hatten. Mit Brighton wurde ein durchaus starker Gegner am FC Bayern Campus empfangen. Das Team wird von Hope Powell trainiert und beendete die letzte Saison der englischen Women's Super League auf dem siebten Platz. Die Partie gegen die Münchnerinnen wurde, wie zu erwarten, ein physisches Spiel auf Augenhöhe.

Aufstellungen

Da sich viele Spielerinnen nach der anstrengenden EM aktuell noch im Urlaub befinden, trat der FC Bayern mit einem dezimierten Kader an. Das Testspiel bot dabei auch die Möglichkeit, den aufstrebenden Talenten aus der zweiten Mannschaft Einsatzzeit zu geben.

Strauss wählte für seine erste Aufstellung eine 3-5-2-Formation, im Gegensatz zu Vorgänger Scheuer, der stets eine Viererkette (4-2-3-1 oder 4-4-2) bevorzugte. In der "neuen" Defensive spielte Julia Landenberger aus der Jugendmannschaft auf der Linksverteidigerinnen-Position, während Glodis Perla Viggosdottir als Abwehrchefin im Zentrum agierte. Rechtsaußen gab Neuverpflichtung Emilie Bragstad ihr Debüt vor den rot-weißen Fans, von denen zahlreiche dem Testspiel beiwohnten.

Auf den Außenbahnen kamen Maxi Rall (rechts) und Carolin Simon (links) zum Einsatz. Besonders für letztere war es eine offensivere Rolle als während der vorherigen Saison. Saki Kumagai und Sarah Zadrazil stabilisierten die Defensive vom Mittelfeld aus und sorgten für reichlich Ballbesitz. EM-Rückkehrerin Linda Dallmann sorgte auf der Zehn für Gefahr in der Offensive, die vom Sturm-Duo bestehend aus Jovana Damnjanovic und Neuverpflichtung Emelyne Laurent abgerundet wurde.

Das Team von Hope Powell lief in einer 4-4-2 Formation auf und stand besonders defensiv äußerst stabil. Brightons körperlich robuste Herangehensweise an das Testspiel sorgte für viele Zweikämpfe und Balleroberungen auf beiden Seiten. Offensiv gelang der englischen Mannschaft viel über die rechte Außenbahn, wo besonders Veatriki Sarri sehr aktiv war.

Spielverlauf

Die Partie gestaltete sich von Anfang an dynamisch, wobei die Gäste aus Brighton direkt in der dritten Minute in Führung gingen. Katie Robinson verwandelte eine zielgenaue Hereingabe von Sarri, nachdem Bragstad auf der rechten Außenbahn abgehängt worden war. Für die junge Norwegerin war es ein eher schwerer Start in das Spiel, in dessen Verlauf sie sich jedoch stetig verbesserte.

Nach Brightons gnadenlos effizientem Angriff beruhigte sich die Partie etwas und der FC Bayern dominierte über 90 Minuten hinweg. Das Spiel verlagerte sich merklich ins Mittelfeld, Durchstöße vors Tor nahmen auf beiden Seiten ab. Besonders die Gäste aus Brighton suchten die direkten Duelle mit den Münchnerinnen, die ihrerseits nicht genug Chancen kreierten, um den Ausgleich verbuchen zu können.

Auf Seite der Gegnerinnen zeichnete sich besonders Torhüterin Megan Walsh mit diversen Glanzparaden in beiden Hälften des Testspiels aus. Auch die Torlatte stand einem Anschlusstreffer des FC Bayern im Weg. In der 27. Minute gelang es Brighton nicht, eine Hereingabe von Linda Dallmann vollständig zu klären. Der Ball landete bei Sarah Zadrazil, die direkt abzog, jedoch nur das Aluminium traf. Es war eine zentrale Szene der ersten Halbzeit, die jedoch auch symbolisch für den weiteren Spielverlauf stand.

In den zweiten 45 Minuten wurde kräftig gewechselt, besonders auf Seiten der Gastgeberinnen. Im Tor übernahm Maria Luisa Grohs die Verantwortung, während Ivana Rudelic nach ihrem Kreuzbandriss erstmals wieder vor Heimpublikum auflief. Viele Spielerinnen der zweiten Mannschaft kamen ebenfalls zum Zug, u.a. machten die Neuverpflichtungen Bragstad und Laurent für sie Platz. Linda Dallmann beeindruckte ihrerseits, indem sie die vollen 90 Minuten durchspielte, wobei ihr die Zeit im EM-Kader nicht anzumerken war.

Saki Kumagai rückte nach Bragstads Auswechslung auf die Position in der rechten Außenverteidigung. In der zweiten Hälfte kam der FC Bayern zu mehr Torchancen, die jedoch alle ungenutzt bleiben. Auch blieb der Ball häufiger in der Abwehr Brightons hängen.Bis sie in der 70. Spielminute unter großem Applaus den Rasen verließ überzeugte besonders Emelyne Laurent im Angriff der Münchnerinnen. Ihr gelangen vor allem die Ballannahmen direkt und sicher, womit sie zu einem stabilen Spielfluss beitrug. Trotz ihrer Position in der Sturmspitze orientierte sich die Flügelspielerin in der Gesamtfläche des letzten Drittels und macht viele Meter in Richtung der Außenbahnen.

Ihre flexible Rolle steht dabei auch für die Handschrift des neuen Cheftrainers Strauss. Allgemein wirkten die Münchnerinnen in ihrem Spiel viel fluktuierender und agiler, als dies zuletzt unter Scheuer und dessen statischem Spielstils der Fall war. Besonders die flinke Dallmann könnte von dieser augenscheinlichen Neuausrichtung profitieren.

Fazit

Strauss' Statement zum Spiel fiel deutlich aus: "Mit 90 Prozent der Leistung bin ich heute sehr zufrieden. Wir haben das Spiel dominiert und sehr viele Chancen kreiert. So früh in der Vorbereitung war das wirklich gut. Wir hatten allerdings auch viele große Möglichkeiten, die wir hätten nutzen müssen. Die Chancenverwertung war noch nicht gut genug. In wichtigen und entscheidenden Spielen können wir solche Punkte nicht liegen lassen. Mit der Effizienz bin ich nicht zufrieden, aber ansonsten war es heute sehr gut."

An das neue System und die Dreierkette, auf die Strauss auch bei seinem ehemaligen Verein SK Brann setzte, müssen sich die Münchnerinnen scheinbar noch gewöhnen. Mit der vollständigen Rückkehr aller Spielerinnen in den nächsten Tagen bleibt jedoch abzuwarten, ob die ungewohnte Formation dauerhaft angewendet oder einer anderen weichen wird. Besonders mit Team-Kapitänin Lina Magull und Sydney Lohmann dürfte auch mehr Kreativität in die Mannschaft zurückkommen.

Emelie Bragstad war ihre Unerfahrenheit über weite Strecken des Spiels anzumerken. Jedoch zeigten sich auch vielversprechende Ansätze in ihrem Abwehrspiel. Für sie wird es in der weiteren Vorbereitung vor allem um die Eingewöhnung gehen, ehe mit (noch) mehr Spielzeit zu rechnen ist. Die groß gewachsene Norwegerin kann in Zukunft besonders nach Standardsituationen mit Kopfbällen für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen.

Trotz der Niederlage macht sich Strauss' Spielphilosophie bereits bemerkbar. Das Team machte einen aktiveren Eindruck, besonders in der Offensive, wo konsequent auf den Ausgleich gedrängt wurde. Auch gestalteten sich der Spielaufbau und die Läufe nach vorne flüssiger und im Mittelfeld konnten viele Bälle erobert werden.

Jedoch muss in der restlichen Saison-Vorbereitung an der Reaktionsschnelligkeit der Defensiv-Spielerinnen gearbeitet werden. Nicht nur Bragstad, sondern auch Viggosdottir und Kumagai kamen mehrfach zu spät oder verloren entscheidende Duelle vor dem Strafraum. Mit den Abgängen von Marina Hegering (Wechsel zum VfL Wolfsburg) und Carina Wenninger (auf Leihbasis zur AS Roma) fehlen erfahrene Akteurinnen in der Innenverteidigung, von denen vor allem die junge Bragstad lernen könnte.

Die Verpflichtungen von Europameisterin Georgia Stanway und der brasilianischen Verteidigerin Tainara machen jedoch auch große Hoffnung. Sie stoßen bald zum Rest des Teams, für das es nun für einige Tage ins Trainingslager nach Italien geht. Die Prämisse der Vorbereitung könnte auch zum Saisonziel für 2022/23 werden: Als Team in einem neuen System zusammenfinden und weiterhin auf zahlreiche positive Grundlagen aufbauen.

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