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FC Bayern und Robert Lewandowski: Wie geht es weiter?

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Die Saison des FC Bayern ist vorbei, die Schlagzeilen dominiert der Rekordmeister weiterhin. Mittendrin seit Wochen: Spekulationen um die Zukunft von Torschützenkönig Robert Lewandowski. Eine Einschätzung der Situation.

Ausgangslage: Lewandowski will weg

Der polnische Superstar spielt seit acht Jahren für den FC Bayern. Acht Jahre, in denen die Symbiose aus dem perfektionistischen Stürmer und dem FC Bayern für beide Seiten enorm erfolgreich war. Neben einem Dutzend Vereinstiteln, darunter der Sieg in der Champions League, auf den gerade Lewandowski jahrelang beharrlich hingearbeitet hatte, war es auch für ihn persönlich eine erfolgreiche Zeit. Er wurde in den acht Jahren Torschützenkönig im Abo, brach Torrekorde und entwickelte sich zu einem der zeitweise besten Fußballer der Welt. Ganz nebenbei wurde “RL9” zu einem globalen Superstar mit heute mehr als 50 Millionen Followern auf Social Media.

Diese Symbiose geht zu Ende. So hat es Robert Lewandowski verlauten assen. Er wird den im Sommer 2023 auslaufenden Vertrag beim FC Bayern nicht verlängern und spätestens nach der nächsten Saison seine Zelte in München abbrechen. Noch lieber wäre es ihm, bereits in diesem Sommer zu einem neuen Verein zu wechseln.

Diese Optionen haben der FC Bayern und Lewandowski

Wechsel gegen Ablöse im Sommer 2022

Szenario:

Lewandowski wechselt im Sommer zu einem europäischen Topclub. Dem Vernehmen nach wäre er sich mit dem FC Barcelona bereits einig, nur der FC Bayern müsse noch zustimmen.

Als Ablöse scheinen 40-60 Millionen Euro denkbar.

Das spricht dafür:

Nicht zuletzt die Spiele in der Europa League gegen Eintracht Frankfurt haben deutlich gemacht, dass sein designierter Wunschclub Barcelona eine Reihe von Problemen hat. Problemen, bei denen Lewandowski helfen könnte.

Einerseits sportlich: Den jungen Hoffnungsträgern wie Pedri oder Ferran Torres zum Trotz steht die Mannschaft für ihre Verhältnisse schlecht da. Erstmals seit 2004 wurde drei Jahre in Folge kein Meistertitel auf “La Rambla” gefeiert. Wenn am letzten noch ausstehenden Spieltag in La Liga kein Wunder passiert, wird Barcelona die Saison mit so wenig Toren abschließen wie seit 19 Jahren nicht mehr. Lewandowski würde diese Offensive sofort auf eine neues Level bringen und könnte zwei, drei Jahre lang ein wichtiger Mentor für die Talente sein.

Andererseits als Glamourfaktor: Barca braucht Attraktionen. Barca braucht Spieler, die auch außerhalb von Fachkreisen als Weltstars erkannt werden und als Marke funktionieren. Barca braucht einen Signature-Spieler. Lewandowski ist in dieser Hinsicht kein Ronaldo oder Mbappé, aber weit weg davon ist er nicht, und viele Alternativen zu ihm gibt es für die Katalanen nicht.

Aber auch für den deutschen FCB gibt es gute Argumente, die für einen Wechsel sprechen. 50 Millionen Euro Ablöse und das eingesparte Gehalt von ca. 25 Millionen Euro würden erhebliche Mittel freimachen, die der FC Bayern in den Kader und die Nachfolge investieren könnte. Drei Spieler der Achse Neuer-Kimmich-Müller-Lewandowski sind 32 Jahre oder älter. Der FC Bayern kommt an einem Umbruch nicht vorbei.

Für einen Fünf-Jahres-Plan mit Nagelsmann wäre jetzt die beste Zeit, diesen Umbruch einzuleiten statt noch ein Jahr zu warten und dann weniger Geld zur Verfügung zu haben.

Aus Robert Lewandowskis Sicht ist der Wechselwunsch ebenfalls nachvollziehbar. Wenn demnächst Kylian Mbappé seinen 100-Millionen-Vertrag unterschreibt, dann wirken Lewandowskis 25 Millionen im direkten Vergleich unterbezahlt. So absurd das bei diesen Gehaltsdimensionen klingt.

Auch rein sportlich ist es nachvollziehbar. Der Pole lebt seit zwölf Jahren in Deutschland und spielt in der Bundesliga. Kann man ihm verdenken, Erfahrungen in einem weiteren Land bei einem weiteren Weltclub sammeln zu wollen?

Ablösefreier Wechsel im Sommer 2023

Szenario:

Der einfache Weg geradeaus. Alle tun genau das, was sie angekündigt haben. Lewandowski verlängert seinen Vertrag nicht. Der FC Bayern lässt ihn nicht vorzeitig ziehen. Lewandowski schließt sich im Sommer 2023 einem neuen Verein an.

Das spricht dafür:

Der FC Barcelona kann oder will nicht so viel zahlen, dass der FC Bayern schwach wird. Letztlich hat man mit Pierre-Emerick Aubameyang jüngst bereits einen senioren Mittelstürmer verpflichtet. Als Signature Signing findet sich vielleicht auch ein anderer Spieler. Oder die Katalanen bleiben allem Druck zum Trotz geduldig und warten, bis Fati und Pedri sich zu Weltstars entwickeln.

Der FC Bayern bleibt hart, nicht zuletzt weil der potentielle Transfer längst mehr ist als eine rein sportliche Entscheidung. Hainer, Kahn und Salihamidžić können nach innen und außen Stärke demonstrieren, wenn sie Lewandowski halten. Sie können Zeichen setzen. Das Zeichen, kein Verkäuferverein zu sein. Ein Zeichen an die Fans. Ein Zeichen an die anderen Spieler: Dieser Verein greift an.

Auch Lewandowski selbst dürfte sich mit dieser Lösung anfreunden können. Er ist nicht der Typ Profi, der mit unlauteren Mitteln auf einen Abgang drängt. Intrinsisch motiviert ist er ohnehin. Ein absehbarer ablösefreier Wechsel im Sommer 2023 und die dann erzielbaren Handgelder – nachdem Mbappé den Markt neu justiert haben wird – könnten ihm die Wartezeit versüßen.

Verlängerung über 2023 hinaus

Szenario:

Der FC Bayern bleibt hart und lässt Lewandowski nicht ziehen. Das Fenster in Barcelona schließt sich. Kein neues öffnet sich. Für einen Wechsel in die MLS fühlt Lewandowski sich noch zu jung. Der FC Bayern geht im Winter 2022/23 auf ihn zu und überzeugt ihn, noch zwei Jahre dranzuhängen.

Das spricht dafür:

Wenig. Lewandowski hat sich bisher als ebenso ehrgeizig wie rational gezeigt. Zwar hat er schon öfter mit einem Abgang kokettiert, so konkret wie diesmal hat er sich jedoch noch nie geäußert. Zudem tickt seine biologische Uhr. Eine Meinungsänderung wäre Stand heute eine große Überraschung. Zumal auch der FC Bayern durchaus eine Unbekannte in dieser Gleichung bleibt.

Bewertung: Es ist kompliziert

Wechselwirkung mit dem Vertrag von Hasan Salihamidžić

Nicht nur der Vertrag des Stürmers läuft im Sommer 2023 aus, auch Sportvorstand Hasan Salihamidžić steht Stand heute nur noch 13 Monate in Diensten des FC Bayern.

Auch bei dem Bosnier stehen die gleichen drei Optionen im Raum: Trennung im Sommer 2022, Trennung im Sommer 2023 oder Verlängerung der Zusammenarbeit.

Salihamidžić hat es als Sportdirektor und Sportvorstand geschafft, das Leistungsniveau im Kader in den letzten fünf Jahren hochzuhalten. Was hinterher selbstverständlich und einfach klingt, war es nicht. Spieler wie Lahm, Hummels, Boateng, Alaba, Vidal, Alonso, Thiago, Robben und Ribéry zu ersetzen, ist nicht einfach, zumal während einer Pandemie, die mehr als die Hälfte seiner Amtszeit überschattete.

Auf der anderen Seite hat Salihamidžić es noch nicht geschafft, dem Kader seinen Stempel aufzudrücken. Trotz der anzahlmäßig vielen Transfers wird der Kader weiterhin dominiert von der Achse Neuer-Kimmich-Müller-Lewandowski. Vier Weltklassespieler. Vier Spieler, die vor Salihamidžić da waren. Es ist nicht klar zu definieren, für welche Spiel- und Spielerphilsophie der Bosnier steht. Entsprechend ist nicht absehbar, wie er die Zeit nach Müllerowski sportlich plant.

Vor diesem Hintergrund fällt es schwer einzuschätzen, wie der Aufsichtsrat, der ihn abberufen, seinen Vertrag auslaufen lassen oder verlängern könnte, letztlich entscheiden wird. Diese Entscheidung aber sollte mit der Zukunft von Lewandowski verknüpft sein.

Das Beste für den FC Bayern

Die Entscheidung über Robert Lewandowskis Zukunft ist keine einfache für den FC Bayern. Die sportliche, finanzielle und vereinspolitische Dimension machen die Causa zum 3D-Schach.

Wenn der FC Bayern Sportvorstand Hasan Salihamidžić und Trainer Julian Nagelsmann vertraut und langfristig mit ihnen plant, dann sollte der Verein jetzt den Umbruch im Kader einleiten. Er sollte Lewandowski abgeben und das Duo Salihamidžić/Nagelsmann mit der Gestaltung der Nachfolge beauftragen. Es wäre an ihnen zu entscheiden, ob sie Lewandowski 1:1 ersetzen, zum Beispiel mit Patrik Schick oder Darwin Núñez, oder ob sie Lewandowski indirekt ersetzen und die Torgefahr auf mehr Schultern verteilen wollen, zum Beispiel auf jene von Serge Gnabry, Christopher Nkunku oder Florian Wirtz.

Wenn der FC Bayern den 2023 auslaufenden Vertrag von Hasan Salihamidžić nicht verlängern will oder sich hierüber noch unklar ist – und nach der enttäuschenden Debüt-Saison ergänzend leichte Zweifel an Trainer Julian Nagelsmann hat -, dann sollte der Verein Lewandowski noch ein Jahr behalten. Das Jahr brächte wertvolle Zeit, um die Zukunft nach RL9 und Salihamidžić zu planen. Zeit, die es dann auch zu nutzen gilt. Es wäre dann am Nachfolger von Salihamidžić, die Offensive für die Zeit nach Lewandowski neu aufzustellen.

So oder so. Die Entscheidung sollte so früh wie möglich fallen. Wegen der Weltmeisterschaft im Dezember startet die Bundesligasaison bereits am 5. August 2022. Es wäre gut, wenn der FC Bayern mit personeller Klarheit auf und neben dem Platz in die Saison startet.

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