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đŸ”„ Endlich wieder Bundesliga: Deswegen wird die RĂŒckrunde legendĂ€r

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Jan Schultz

Seid ihr auch so aufgeregt? Könnt ihr abends auch kaum einschlafen, weil die Vorfreude in eurer Brust heißer brennt als spanischer Sandstrand im Sommer an euren FĂŒĂŸen? Bohren sich eure von einer GĂ€nsehaut aufgestellten Armhaare auch schon durch die dicksten Strickpullover? Dann geht es euch wie uns. Denn wir sind auch schon richtig heiß auf die Bundesliga-RĂŒckrunde!

NatĂŒrlich sind wir das, schließlich geht es um DIE Bundesliga. Das höchste deutsche Kulturgut, noch vor Bier, Bratwurst und Goethe. Bekannt in aller Welt, voller Sehnsucht wird sie in den aktuell so tristen Wohnzimmern herbeigesehnt – um endlich wieder das langweilig schnöde TV-Programm bestehend aus Dschungelcamp, die Wollnys und The Big Bang Theory abzulösen.

Am Freitag ist es endlich soweit. Nach dann exakt 26 Tagen, 37 Minuten und etwa 32 Sekunden rollt in der höchsten deutschen Spielklasse wieder der Ball. Dabei geht es direkt einmal mit einem Spiel weiter, das beispielhaft dafĂŒr steht, warum uns die beste RĂŒckrunde seit Jahren erwartet. Und das, obwohl der FC Schalke 04 beteiligt ist.

Die Liga hat endlich das zurĂŒck, was sie jahrzehntelang ausgezeichnet hat: Ein packendes Titelrennen, in denen die Bayern auf dem Papier zwar am besten bestĂŒckt sind, auf dem Platz aber regelmĂ€ĂŸig ĂŒber ihre eigenen FĂŒĂŸe stolpern. Dazu gesellen sich eben mehrere Vereine, die Kapital aus den MĂŒnchener Aussetzern schlagen wollen und auch können.

Eine dieser Mannschaften ist Borussia Mönchengladbach. Unter Neu-Trainer Marco Rose spielen die Fohlen mutigen und unterhaltsamen Offensivfußball. Mit ihrem Power-Ansatz hat die Borussia in der Hinrunde viele Teams bis an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gestresst – und dann mit ebenso feinen wie direkten SpielzĂŒgen niedergestreckt. Nichtsdestotrotz hat das Team noch Luft nach oben, sowohl im Pressing als auch beim Spiel gegen tief stehende Mannschaften. Das Beste liegt also noch vor den Fohlen.

Ähnlich schaut es bei RasenBallsport Leipzig aus, das mit Julian Nagelsmann ebenfalls einen neuen Coach hat. Dessen Ideen griffen sofort, machten die ohnehin schon guten Sachsen noch besser und letztlich sogar zum Herbstmeister. Nach dem dritten Platz in der Vorsaison sowie der Finalniederlage im Pokal wirkt der ehrgeizige Klub nun reif fĂŒr einen Titel. Ähnliches gilt natĂŒrlich auch fĂŒr den offen darĂŒber sprechenden BVB, der in der RĂŒckrunde aber konstanter werden muss.

Und wer weiß: Dahinter könnte vielleicht sogar Schalke fĂŒr eine Überraschung sorgen. Die Königsblauen reden zwar nicht von der Meisterschaft, könnten im Windschatten der Favoriten aber durchaus weiter Fahrt aufnehmen. David Wagner hat die Gelsenkirchener mit seinem mutigen und offensiv ausgerichteten Fußball jedenfalls in die richtige Spur gefĂŒhrt.

So oder so könnte im Mai erstmals seit acht Jahren tatsĂ€chlich mal wieder ein anderer Verein die Meisterschale gen Himmel strecken. Noch wesentlich lĂ€nger ist es indes her, dass Werder Bremen den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste. TatsĂ€chlich passierte das bisher erst ein einziges Mal. 1980 war das, nur eine Saison spĂ€ter kehrten die Hanseaten zurĂŒck in die Bundesliga und verweilten dort.

Bis jetzt zumindest. Denn die GrĂŒn-Weißen entwickeln sich mehr und mehr zu einem zweiten HSV. Das schreiben wir ganz ohne Hohn, den hat sich Werder schließlich schon an 17 Spieltagen auf dem Rasen erspielt.

Nach vielen Jahren zwischen Mittelmaß und Abstiegskampf wurde vor dieser Spielzeit von einem internationalen Wettbewerb gesprochen. TatsĂ€chlich droht Werder in der kommenden Spielzeit eine wenig spektakulĂ€r klingende Europa-Tour durch Heidenheim, Regensburg und Sandhausen. Martin Kind gefĂ€llt das gar nicht.

Um Ă€hnlich unterhaltsam wie der ewige und mittlerweile in der Zweitklassigkeit verschwundene Rivale zu sein, mĂŒssen sich Frank Baumann und Co. aber noch mĂ€chtig strecken. Auf der Agenda stĂŒnden dabei (zahlreiche) Trainerentlassungen, ein im Park verlorener Rucksack gefĂŒllt mit Gehaltslisten und obendrein Fan-Artikel, auf denen Choreographien anderer Vereine abgefeiert werden. Zumindest die Klatschen gegen die Bayern sind schon mal da. Check.

Es wĂ€re die Kirsche auf der Sahnetorte namens Abstiegskampf. Denn der ist auch ohne die vollstĂ€ndige HSV-isierung des Werderlandes schon jetzt wieder mĂ€chtig packend. Denn neben Bremen stehen auch Mainz, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC schlechter da, als man sich das in den jeweiligen Vereinen gewĂŒnscht hat. Paderborn, DĂŒsseldorf und Köln waren sowieso vom ersten Tag der Vorbereitung an auf den Abstiegskampf eingestellt und werden diesen bis zum endgĂŒltigen Abpfiff dieser Spielzeit annehmen.



Selbiges gilt trotz einer insgesamt ĂŒberraschend starken Hinrunde auch fĂŒr Augsburg und Union. Unter dem Strich muss also die HĂ€lfte der Liga mit aller Macht darum kĂ€mpfen, auch in der nĂ€chsten Spielzeit noch erstklassig zu sein. FĂŒr wen das nicht vielversprechend, nach großem Kampf und wahren Emotionen klingt, der hat den Fußball tatsĂ€chlich nie geliebt!

Sowieso lebt nicht nur der Fußball im Allgemeinen, sondern ab dem 18. Januar auch die Bundesliga im Speziellen von Emotionen. Am stĂ€rksten zeigen sich diese in der Regel auf den RĂ€ngen, wenn mehrere tausend AnhĂ€nger gleichzeitig entweder ausgelassen jubeln oder eben doch schimpfen.

Schon seit Jahren tummeln sich auf den RĂ€ngen der Bundesliga-Klubs durchschnittlich mehr Fans als in jeder anderen Liga. Pyrotechnik ist dort zwar weiterhin ein ebenso umstrittenes wie sensibles Thema, lautstarke GesĂ€nge und tolle Choreos begeistern uns aber Woche fĂŒr Woche. Teilweise bieten uns die AnhĂ€nger regelrechte Inszenierungen, so etwa die Herthaner anlĂ€sslich des MauerfalljubilĂ€ums.

Diese oscarwĂŒrdigen Darstellungen werden vor allem zu besonderen AnlĂ€ssen oder speziellen Partien aufgefĂŒhrt. Gut also, dass wir in dieser Spielzeit gefĂŒhlt mehr Derbys als je zuvor haben. In Berlin treffen Hertha und Union aufeinander, im Rheinland sind die Gladbacher, Kölner, DĂŒsseldorfer und Leverkusener allesamt weit davon entfernt, Freunde zu sein.

Ähnliches gilt in Mainz und Frankfurt, wenngleich zumindest eine Seite nur bedingt von einem Derby sprechen wĂŒrde. Und dann ist da natĂŒrlich auch noch die Mutter aller Derbys, der Klassiker zwischen Dortmund und Schalke.

Wie ein Feuerwerk sprĂŒhen die Emotionen aber nicht nur aus den AnhĂ€ngern auf den RĂ€ngen, manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes, sondern mindestens auch aus einem Offiziellen, den die Liga wahrlich vermisst hat. Die Rede ist natĂŒrlich vom personifizierten Vulkan: Oliver Kahn.

Knapp elfeinhalb lange Jahre nach seinem Karriereende kehrt der Titan auf die Bundesliga-BildflĂ€che zurĂŒck. Endlich. Ein Mann, den man auf dem Rasen zum Wohle aller anderen Spieler, sowohl der gegnerischen als auch derer aus dem eigenen Team, der Schiedsrichter und sowieso allem, was sich bewegen kann, oftmals besser angekettet hĂ€tte. Ein Mann, der die Abteilung Attacke von Uli Hoeneß aus nĂ€chster NĂ€he erlebt hat und nun gewissermaßen in dessen Fußstapfen treten wird.

Ein solcher Mann, ĂŒberall gleichermaßen geliebt wie gehasst, garantiert allein schon mehr ExplosivitĂ€t und Unterhaltung, als es Sylvester Stallone, Jason Statham und Arnold Schwarzenegger zusammen könnten. Also zur Seite, Expendables! Wir holen schon einmal das Popcorn. Denn mit Kahn an der Spitze wird diese Bundesliga-RĂŒckrunde legendĂ€r!