Ein fast perfekter Nachmittag – Barça besiegt Osasuna klar

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Artikelbild: Ein fast perfekter Nachmittag – Barça besiegt Osasuna klar

Nach zuvor nur einem Sieg aus sechs Ligaspielen, dürfte Barças Erleichterung nach dem höchst souveränen 4:0-Sieg über Osasuna riesig sein. Messi präsentierte sich in bester Spiellaune, Sorgenkind Griezmann schoss sich den Frust von der Seele und Marc-Andre Ter Stegen blieb erstmal in dieser Liga-Saison ohne Gegentor. Einen Wermutstropfen gab es dennoch, aber der Reihe nach…

Koeman belohnt Mingueza und Braithwaite

Nach dem 4:0-Sieg in der Champions League gegen Dynamo Kiew, belohnte Trainer Ronald Koeman Stürmer Martin Braithwaite und B-Team-Innenverteidiger Óscar Mingueza mit einem weiteren Startelfeinsatz. Außerdem überraschte er mit Pedri als Partner von Frenkie de Jong auf der Doppel-Sechs im gewohnten 4-2-3-1-System. Griezmann begann als “Zehner” hinter Braithwaite und wurde von Messi und Coutinho flankiert, die aber ebenfalls oft im Zentrum auftauchten und für das von Koeman gewünschte, flexible Offensivspiel sorgten. Die Flügel wurden nahezu ausschließlich von den Außenverteidigern, Dest und Alba, besetzt, was die Gäste offenbar erwartet hatten. Osasuna-Coach Arrasate setzte nominell auf das gewohnt 4-4-2-System, das sich real-taktisch allerdings eher als eine 5-3-2-Grundformation entpuppte, da die Außenspieler sich oft tief fallen ließen, um dem zu begegnen.

Zu Beginn ging Arrasates Plan auch durchaus auf, Barça spielte sich in den ersten zehn Minuten häufig im eng besetzten Zentrum fest und kam so nicht zu Chancen. In der 11. Minute war es dann aber trotzdem so weit: Messi setzte Griezmann mit einem herrlichen Steckpass in Szene, der an Keeper Herrera vorbeiging und dann mit großer Übersicht in den Rückraum ablegte, wo Coutinho freistand aber letztlich doch an Unai García scheiterte, der auf der Linie rettete. Anschließend zeigte sich Barça flüssiger im Kombinationsspiel und kam zu zwei weiteren guten Abschlüssen durch Griezmann, ehe Budimir zur ersten Abschlusschance für Osasuna kam, den Ball aber nicht aufs Tor bringen konnte.

Braithwaite belohnt Koeman und Griezmann sich selbst

Anschließend nahm sich das Spiel, das durch zwei Verletzungsunterbrechungen (Jony und Unai Garcia) an Fahrt verlor, eine kurze Pause, bevor es in der 29. Minute zum ersten großen Highlight kam: Messi leitete abermals aus dem Zentrum ein und spielte Jordi Alba traumhaft schön frei, der den Ball ins Zentrum brauchte, wo Countiho und Braithwaite jeweils aus kurzer Distanz an Herrera scheiterten, bevor Braithwaite ihn letztlich mit dem Knie über die Linie brachte. Messi wäre ansonsten im Übrigen auch zur Stelle gewesen.

Nach dem Tor ließ es Barça zunächst etwas ruhiger angehen und wurde in der 40. Minute beinahe bestraft – Oiers Tor zählte aber aufgrund einer offensichtlichen Abseitsstellung nicht. Davon wachgerüttelt, setzte Barça aber prompt nach. Nachdem die Osasuna-Verteidigung nur unzureichend in den Rückraum klären konnte, nahm sich Griezmann ein Herz und hämmerte den Ball sagenhaft schön per Volley zum 2:0 ins Netz. Torwart Herrera rührte sich nicht.

Von diesem Moment angestachelt, wurde die Partie vor der Pause nochmal richtig wild. Coutinho bestrafte einen missglückten Ausflug von Keeper Herrera beinahe mit einem Heber aus 35 Metern, ehe sich Osasunas Moncayola, offenbar davon inspiriert, von der Mittellinie versuchte, da er erkannt hatte, dass Ter Stegen recht weit vor dem Kasten stand. Beide Versuche blieben aber ohne Erfolg und das Spiel mit dem 2:0 in die Halbzeit.

Auf Busquets’ Comeback folgt Lenglets Verletzung

Aus dieser Halbzeit kam Barça mit einer Veränderung, Busquets, der sich in der Länderspielpause verletzt hatte, feierte sein Comeback und ersetzte den jungen Pedri, womöglich um für mehr Ruhe und Stabilität im Zentrum zu sorgen. Der gewünschte Effekt trat jedoch nicht sofort ein. Osasuna drückte mit zwei halbwegs gefährlichen Fernschüssen in den ersten fünf Minuten den eigenen Willen zur Besserung aus, doch mehr kam dann auch nicht. Mit einer Doppelchance in der 51. Minute meldete sich Barça in der zweiten Halbzeit an und belohnte sich nur wenig später, in der 57. Minute, mit dem 3:0 durch Coutinho, der eine starke Balleroberung und eine fast noch bessere Vorarbeit von Griezmann veredelte.

Mit dem 3:0 im Rücken, fühlte sich Koeman sicher genug, um sich um die Belastungssteuerung. Für Dest, Braithwaite und Coutinho kamen Trincão, Dembélé und Firpo ins Spiel. Alles schien nach Plan zu laufen, doch dann verletzte sich der letzte verbliebene nominelle Innenverteidiger der eigentlichen ersten Mannschaft – Clement Lenglet. Der 25-jährige Franzose knickte böse und musste schwer humpelnd ausgewechselt werden. Für ihn kam Aleña ins Spiel, Frenkie de Jong rückte abermals in die Innenverteidigung.

In der 68. Minute unterlief Mingueza sein einziger Fehler der Partie, der prompt zu einer großen Chance für Osasuna führte. Diese ließ der eingewechselte Roberto Torres allerdings liegen, er traf nur den Pfosten. Dieser “Warnschuss” schien Barça aber wieder mal anzustacheln. In der 70. Minute traf Dembélé zum vermeintlichen 4:0, der Treffer wurde jedoch aufgrund einer Abseitsstellung von Trincão aberkannt.

Messis magischer Moment für Maradona

Das 4:0 ließ trotzdem nicht lange auf sich warten: In der 73. Minute traf Lionel Messi in der typischer Messi-Manier mit einem herrlichen Schuss aus gut 17 Metern und präsentierte anschließend ein altes Trikot seines Jugendvereins, der Newell’s Old Boys, mit der Nummer 10, eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Diego Armando Maradona, der in der Saison 1993/94 für den Club aus Rosario auflief.

Damit hatte das Spiel auch seinen würdigen Höhepunkt bekommen. Anschließend passierte auch nicht mehr viel – Ter Stegen parierte gut gegen Kike und Messi ließ noch einen Freistoß liegen. Am Ende steht ein souveräner und hochverdienter Sieg für die Katalanen, die viel Positives aus diesem Spiel mitnehmen können – einen gelöst wirkenden, stark aufspielenden Messi, einen entfesseltet wirkenden Griezmann, ein gutes Busquets-Comeback und ein Coutinho Tor – aber auch einen hohen Preis dafür zahlen müssen, den Ausfall von Clement Lenglet. Sehr bitter für die kommenden Wochen, angesichts des drei-monatigen Ausfalls von Piqué und den Verletzungen von Umtiti, Araujo und Sergi Roberto. Damit wird allerdings auch Òscar Mingueza zum ungewollten Gewinner, schließlich gehen Trainer Koeman die Optionen aus, was aber auch nicht von seiner insgesamt sehr soliden Vorstellung ablenken soll.

Der Rückstand auf die Spitzengruppe und vor allem Atlético Madrid ist allerdings unverändert groß, sodass Barça in den kommenden Wochen unbedingt nachlegen muss. Für Osasuna bedeutet die Niederlage die Rückkehr in alte Muster, zu denen auch hohe Niederlagen im Camp Nou dazugehören. Ihr Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt aber immer noch drei Punkte.

(Photo by David Ramos/Getty Images)