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·3. April 2025
Ehrenamt stärkt Zusammenhalt

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·3. April 2025
Rund zwei Millionen Ehrenamtliche engagieren sich im Sport, leider bei rückläufiger Tendenz. Eine Berliner Tageszeitung titelte unlängst: „Rekord-Mitgliederzahlen, aber zu wenig Helfer!“. Gleichzeitig steigt das Ehrenamt anderswo an, z. B. bei der Obdachlosenhilfe oder der Betreuung von Ukrainern, die vor Putins Bomben fliehen.
Wo liegen die Probleme des Sports?
2024 habe ich mit der Kommunikationsexpertin Susanne Amar eine Reihe zur Stärkung des Ehrenamts im Sport durchgeführt. Vier Dinge brannte den Teilnehmenden aus den Vereinen auf der Seele:
Gerade bei Punkt 1 müssen die Alarmglocken schrillen.
Wie wollen wir Menschen für das Engagement finden, wenn diese sich permanent kritisieren oder gar beschimpfen lassen müssen? Sicher, nicht alle machen alles richtig.
Manche sind für ihr Amt vielleicht nicht die Idealbesetzung, aber in vielen Vereinen finden sich längst keine Jugendleiter oder Schatzmeister mehr. Wer einmal als Kindertrainer oder Jugendwart gearbeitet hat, weiß über die Undankbarkeiten ein Lied zu singen. Es wird kolportiert, Kinder würden zu wenig spielen, auf den falschen Positionen eingesetzt oder nicht genügend gefördert. Gleichzeitig gibt es oftmals eine große Ahnungslosigkeit über das Trainerdasein. In einem Artikel habe ich mal geschrieben, viele Eltern seien erstaunt, wenn sie realisieren, dass die Trainer gar nicht angestellt sind, sondern ihren Job ehrenamtlich ausüben.
Hinzu kommt, dass viele Vereine davon ausgehen, Eltern wüssten schon Bescheid, wie das im Fußball läuft. Aber viele von denen sind noch nie in einem Sportverein gewesen, kennen die Regeln nicht. Also muss man sie ihnen erklären. In unserem Handbuch „Ehrenamt mittendrin“, das wir in Kooperation mit dem Berliner Fußballverband, dem Landessportbund und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt erstellt haben, wurden Tipps zusammengefasst. Diese kommen von der Basis für die Basis, denn sie wurden mit mehr als 100 Teilnehmern aus Vereinen in den Workshops erarbeitet. Und die hatten jede Menge hervorragender Ideen, wenn es um Elternarbeit, Kommunikation, die Gewinnung von Ehrenamtlichen, die Bindung von Engagierten und mehr geht.
Wir müssen uns um das Ehrenamt kümmern, niemand wird das für uns erledigen. Wir müssen Mitstreiter organisieren, z. B. aus der Wirtschaft, in den Verbänden, in Politik und Verwaltung. Großartige Unterstützung leistet die Deutsche Stiftung für Ehrenamt und Engagement (DSEE), deren Angebote noch viel zu wenig genutzt werden. Beim DSEE-Summit in Berlin wurde gerade wieder hochinteressante Projekte und Entwicklungen vorgestellt, rund 1000 Leute waren vor Ort. Was die Menschen dieser Organisation leisten, kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie organisieren nicht weniger als Zusammenhalt für unsere Demokratie.
Vor allem aber müssen wir Ehrenamtlichen selbst einen wertschätzenden Umgang untereinander finden. Nicht immer müssen wir einer Meinung sein. Doch Rücksichtnahme tut uns allen gut, gerade jetzt, wo im Fußball die Zeit des Abwerbens von Spielern gekommen ist. Die üblichen Verdächtigen machen selbst vor F-Jugendlichen nicht halt. Auch innerhalb der Vereine braucht es mehr Rücksicht, mehr Verständnis, mehr gegenseitige Unterstützung und mehr Engagement.
Ehrenamt Willst Du froh und glücklich leben,lass kein Ehrenamt dir geben!Willst du nicht zu früh ins Grab,lehne jedes Amt gleich ab! Wieviel Mühen, Sorgen, Plagen – wieviel Ärger musst Du tragen! Gibst viel Geld aus, opferst Zeit – und der Lohn? Undankbarkeit! Wilhelm Busch
Unsere Republik wird nur dann eine lebenswerte bleiben, wenn nicht Hass und Hetze die Oberhand bekommen, sondern das solidarische Miteinander im Vordergrund steht. Der Fußball kann das, wenn wir es wollen. Er schafft es sogar, Generationen und Milieus zu verbinden – mit Hilfe des Ehrenamts. Wo sonst geschieht das noch in diesen aufgeregten Zeiten?
Auch auf der Amateurfußball-Konferenz der Hartplatzhelden am 23.05. in Berlin soll es ums Ehrenamt gehen. Neben vielen Menschen von der Basis werden auch Philipp Lahm (Jugendtrainer bei der FT Gern) und Celia Šašić kommen. Von ihr stammt dieses Zitat: „Ich bin mit fünf in den Fußballverein eingetreten. Dort habe ich Gemeinschaft, Freundschaft und Geborgenheit erlebt. Das war für mich sehr wertvoll, diese Erfahrung stärkt mich bis heute.“
Dem kann ich wenig hinzuzufügen, meine Erfahrungen sind genau diese. Mehr von ihr hören wir dann im Mai: www.hartplatzhelden.de Schon jetzt sind viele Menschen aus Vereinen, Verbänden, Wissenschaft und Organisationen angemeldet. Gerade auch für die positive Entwicklung des Ehrenamts im Sport ist es wichtig, auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu kommen.