Der FC Bayern und die langen Wochen bis zur Weihnachtspause

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Artikelbild: Der FC Bayern und die langen Wochen bis zur Weihnachtspause

Am Mittwochabend gewann der FC Bayern München in der Champions League mit 3:1 gegen RB Salzburg und steht bereits nach vier Spieltagen als Gruppensieger fest. Doch obwohl der 15. Sieg in Folge in der Königsklasse eingefahren wurde und man in der Bundesliga die Tabelle anführt, ist nicht alles Gold, was glänzt. 

  • FC Bayern: In allen Wettbewerben im Soll
  • Der typische Flick-Fußball funktioniert derzeit nicht
  • Drohen Patzer in der Bundesliga bis Weihnachten?

Die Probleme im Spiel des FC Bayern

Am Wochenende beim 1:1 gegen Bremen zeigte der FC Bayern keine gute Leistung. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren zu groß, einige Offensivspieler blieben isoliert. Zudem funktionierte das Pressing nicht besonders gut, die teils schwache Konterabsicherung ist schon seit mehreren Wochen ein Thema. Die Ausbeute bis zum jetzigen Zeitpunkt ist mehr als nur ordentlich, in allen Wettbewerben ist der Rekordmeister im Soll. Doch das Spiel in der Champions League gegen RB Salzburg zeigte erneut, dass die Probleme bestehen bleiben und nicht so schnell abzustellen sind.

Für Hansi Flick (55) und seine Mannschaft geht es derzeit vorrangig darum, die nötigen Resultate einzufahren. Leistungen sind erst einmal zweitrangig. Die Probleme sind nicht von jetzt auf gleich abzustellen, was mehrere, teilweise absolut nachvollziehbare Gründe hat. Die Belastung in der Vorsaison war hoch, die Vorbereitung nach dem Sieg in der Champions League fiel quasi aus, zwei Supercup-Endspiele mussten in den ohnehin schon engen Terminkalender gequetscht werden und gefühlte 29 Länderspiele zwischen Ende August und November taten ihr Übriges. 

Die Spieler des FC Bayern sind müde – und das merkt man. Mal sind die physisch nicht auf dem allerhöchsten Level, mal im Kopf eine Millisekunde zu langsam. Kommen beide Faktoren zusammen, fehlen die Prozentpunkte, die nötig sind, um den anspruchsvollen Flick-Fußball auf den Rasen zu bringen. Fehlt die letzte Konsequenz im Spiel gegen den Ball und wird nicht genügend Druck ausgeübt, ist Bayern verwundbar. Die individuelle Klasse, die Spieler wie Manuel Neuer (35), der zurzeit verletzte Joshua Kimmich (25) oder Robert Lewandowski (32) auf den Platz bringen, rettet die Mannschaft in solchen Spielen häufig, aber nicht immer. 

FC Bayern steht nicht alleine da

Der Eindruck der furchteinflößenden Maschine, die kaum aufzuhalten ist, ist vergangen. Das ist allerdings kein allzu überraschendes Phänomen. Der FC Bayern ist nicht die Ausnahme, viele Topklubs straucheln. Der FC Liverpool hat mit Verletzungssorgen zu kämpfen, auf ein souveränes 3:0 gegen Leicester folgte eine 0:2-Pleite gegen Atalanta in der Champions League. Inter steht dort bereits vor dem Aus, Juventus läuft in der Liga der Musik noch hinterher, mühte sich zuletzt international zu einem 2:1 gegen Ferencvaros. Auch Manchester City musste schon häufiger als es Pep Guardiola (49) lieb war auf nationaler Ebene Federn lassen und der FC Barcelona steht in La Liga nur im Tabellenmittelfeld.

Spieler, Trainer und Funktionäre merken immer wieder an, dass es in dieser Saison besonders schwer ist, konstante Leistungen zu bringen. International stehen harte Spiele gegen die besten Spieler und Teams der Welt auf dem Programm, national haben die Favoriten dann motivierte und zumindest deutlich besser ausgeruhte Teams als Gegner, die in vielen Fällen auch noch ein enormes Laufpensum an den Tag legen. Thomas Tuchel (47), Trainer von PSG, teilte nach dem Spiel gegen Leipzig (1:0) mit, dass seine Spieler total am Ende seien und ein Arbeitssieg, bei dem man nicht gerade glänzte, einfach das höchste der Gefühle sei. Soll heißen: Der FC Bayern ist in bester Gesellschaft.

Das Programm bis Jahresende ist hart

Das größte Problem ist derzeit, dass Hansi Flick nicht in der Lage ist, einen geregelten Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten. Nach den Spielen ist Regeneration angesagt und aus dieser heraus geht es quasi schon zum nächsten Spiel. An taktischen Stellschrauben zu drehen ist fast nicht möglich. Einige Spieler haben zudem auch mit Blessuren zu kämpfen, müssen angesichts der Belastungssteuerung zwischenzeitlich aus dem Betrieb genommen werden und verpassen die wenigen regulären Einheiten, die noch angesetzt werden. Die Folge: Spieler wie Leroy Sane (24) haben es schwer, nach einer Verletzung den Rhythmus über das Training zu erhalten. Unter anderem deswegen dauerte es so lange, bis Marc Roca (24) ein Thema für die Startelf wurde.

Das Programm in den nächsten Wochen lässt es nicht zu, dass sich der FC Bayern in irgendeiner Art und Weise erholen kann. Am Wochenende muss der Rekordmeister zum offensivstarken Aufsteiger nach Stuttgart. Die weiteren Ligaspiele finden gegen RB Leipzig, Union Berlin, den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen statt. Das sind alles Mannschaften, die die Mittel besitzen, den FC Bayern vor Probleme zu stellen. Der Sieg gegen Salzburg, der gleichbedeutend mit dem Gruppensieg in der Champions League war, ermöglicht immerhin eine Schonung in den Spielen der Königsklasse bei Atletico Madrid und gegen Lokomotive Moskau. 

Wenige kleine Mutmacher für den FC Bayern

Diese zumindest kleine Entlastung ist ein Mutmacher. In diesen Spielen können die Spieler geschont werden, die die größte Belastung aushalten mussten. Zudem sorgt das verlegte Pokalspiel dafür, dass die Weihnachtspause immerhin vom 19. Dezember bis zum 3. Januar andauert. Und im Januar kehren mit dem bereits angesprochenen Kimmich und Alphonso Davies (20) zwei wichtige Akteure zurück. Tanguy Nianzou (18) kann schon in den kommenden Wochen aufgebaut werden, auch Corentin Tolisso (25) hat seine Blessur überwunden. Die Lage entspannt sich zumindest ein wenig.

Ein weiterer Mutmacher in Abwesenheit von Antreiber Kimmich war die Leistung von Marc Roca gegen RB Salzburg. Bis zu seinem unnötigen und unklugen Platzverweis spielte der Spanier nämlich eine Partie, die Lust auf mehr machte. Noch war der Mittelfeldspieler nicht vollumfänglich integriert und positionierte sich phasenweise falsch, wenn er aber am Ball war, ließ er seine Qualitäten aufblitzen. Handlungsschnelligkeit, Übersicht und teilweise sehr präzise Pässe in das vordere Drittel waren sichtbar. Und das sind Elemente, die dem Bayern-Spiel ohne Kimmich zuletzt fehlten. Trotz Roca und sich lichtenden Personalsorgen: Die kommenden Wochen wird es trotzdem nur darum gehen, die nötigen Resultate einzufahren.

 (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)