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Louis Richter

Darum geht der Ajax-Triumph bei Real in die Geschichte ein


Ajax Amsterdam lieferte beim Achtelfinal-Rückspiel bei Real Madrid eine dieser Partien ab, über die Fußballfans auch noch in zehn Jahren reden werden, als ob es gestern wäre.

Denn dieses Spiel hatte alles, um für immer seinen festen Platz in der Fußball-Historie zu haben. Das ging schon beim Hinspiel los. Schon da kämpfte die junge Ajax-Elf aufopferungsvoll und spielerisch ansprechend gegen den amtierenden Champions-League-Titelverteidiger, der die Trophäe dreimal in Serie gewinnen konnte. Am Ende stand trotz der bärenstarken Leistung dennoch ein 1:2 zu Buche, Ajax war nicht abgezockt genug.

In Madrid rechnete man dem Team deshalb auch nur Außenseiterchancen zu. Aber nichts da. Vom Anpfiff weg versteckten sich Ziyech, Tadic und Co. nicht, sondern spielten forsch auf das Tor der Madrilenen zu und erzielten früh zwei herrliche Tore. Dem unfassbar schön herausgespielten 3:0 ging die mehrminütige VAR-Entscheidung zuvor, auch daran wird man sich erinnern. Und als Real dann doch traf, erstickte Lasse Schöne alle Hoffnungen mit einem weiteren Traumtor im Keim.

Es ist außerdem auch die Geschichte von Erik ten Haag, dem Trainer, der zwei Jahre lang die Reserve des FC Bayern München trainierte – und nun für eine der größten Champions-League-Überraschungen der letzten Jahre sorgte.

Für Abende wie diese ist dieser Wettbewerb gemacht

Dieser Sieg kann für Ajax einen Grundstein legen, für die Gegenwart und für die Zukunft. Denn in der Gegenwart muss dieser Erfolg nicht unbedingt das Ende einer echten Erfolgsgeschichte einer jungen, frechen Mannschaft sein. Nein, viel mehr kann dieses 1:4 die Initialzündung für weitere unvergessliche Amsterdamer Königsklassen-Nächte sein. Wer traut es diesem Team nach diesen Eindrücken nicht zu, einen weiteren Favoriten zumindest an seine Grenzen zu treiben?

Und sollten die Amsterdamer Stars des Abends eines Tages, wie es bei dem Klub üblich ist, für viel Geld zu anderen Big Playern in Europa wechseln, wie Frenkie de Jong, der im Sommer nach Barcelona geht, wird man sich an dieses 1:4 erinnern. Als erstes Ausrufezeichen, das diese jungen Männer auf der wirklich großen Bühne des Fußballs gesetzt haben. Die Fans und Experten werden über die Tore sprechen, über die tollen Kombinationen, schlichtweg über eine weitere tolle Ajax-Mannschaft, die dann schon in allen Teilen Europas ihr Geld verdient. Die Namen der Spieler werden mit diesem Spiel verknüpft bleiben.

Für Abende wie diese ist dieser Wettbewerb gemacht. Das Team, das die Königsklasse über Jahre dominierte, musste Platz machen, es wirkte wie von der Zeit überholt. Die Bühne ist reif für neue Stars. Einige Spieler dieser Ajax-Mannschaft scheinen nur auf die passende Gelegenheit gewartet zu haben.