“Dann hat der Schiedsrichter Freistoß für uns gepfiffen”

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Er wurde nach der Saison 2006/2007 von den Fans zum Arminen der Saison gewählt, verzückte die Bielefelder in seinen vier Jahren mit dem einen oder anderen Traumtor und ist mit seiner stets positiven Art fast jedem DSC-Fan auch heute noch ein Begriff. Die Rede ist von Jonas Kamper, der im September 2006 mit dem damals wohl härtesten Flatterschuss der Bundesliga für einen historischen Sieg des DSC über Bayern München sorgte. Wir konnten im Vorfeld der Partie gegen den Bayern mit dem sympathischen Dänen sprechen und u.a. herausfinden, mit welchen ehemaligen DSC-Kollegen er noch in Kontakt steht und warum er zu seiner aktiven Arminia-Zeit wegen eines Streiches zu einer Geldstrafe von 3.000€ verdonnert wurde.

Jonas, welche Erinnerungen hast du noch an den 16. September 2006?
Das war natürlich einer der schönsten Tage in meiner Karriere. Wir konnten damals den ersten Sieg der Bundesliga-Saison einfahren und der Gegner hieß Bayern München. Gleichzeitig konnte ich an diesem besonderen Tag meinen ersten Bundesliga-Treffer erzielen. Meine Familie war im Stadion, weswegen ich diese 90 Minuten gegen Bayern München nicht mehr vergessen werde.

In der 84. Minute habt ihr einen Freistoß zugesprochen bekommen. Wie ging es dann weiter?
Ich war sehr müde, Bayern war das ganze Spiel über viel am Ball und wir hatten alle hart füreinander gearbeitet. Dann hat der Schiedsrichter Freistoß für uns gepfiffen. Ich weiß noch, dass die ganze Südtribüne mit Sprechchören nach Jörg Böhme als Schützen verlangt hat.

Ihr hattet aber eine andere Idee.
Genau. Auch Oliver Kahn ist wohl davon ausgegangen, dass Jörg als Linksfuß schießt. Ich hatte unter der Woche extrem viele Abschlüsse trainiert und eine richtig gute Quote – das hat auch Jörg mitbekommen, weswegen er kurz vor dem Freistoß sagte, dass ich schießen solle.

Und dann ging’s los.
Ioannis Masmanidis hat den Ball kurz auf Jörg gelegt, der ihn gestoppt hat und dann habe ich mit geschlossenen Augen einfach abgezogen. Als der Ball meinen Fuß verlassen hat, hatte ich schon ein sehr gutes Gefühl. Eine Sekunde später zappelte der Ball dann im Netz und der Rest war pure Freude. Selbst jetzt kriege ich beim Gedanken an die Situation – und ich denke oft daran – Gänsehaut. Das war einer der schönsten Momente bei Arminia und vielleicht auch sogar meines Lebens.

Seit elf Jahren spielt der DSC wieder in der Bundesliga. Hast du dich über den Aufstieg gefreut?
Natürlich. Der Aufstieg war verdient, auch wenn er unter schwierigen Umständen zustande gekommen ist. Die Mannschaft hatte vor Corona einen richtig guten Lauf und wurde dann erstmal gestoppt. Bestimmt haben die Jungs dann auch für einen kurzen Moment angefangen zu zweifeln, doch wie das Team aus der Zwangspause gekommen ist, war richtig gut. Letztlich war es ein vollkommen verdienter Aufstieg. Ich habe sowohl im Internet als auch über das dänische Fernsehen die Spiele Arminias meist live verfolgt.

Welche Erinnerungen hast du an Bielefeld – es war schließlich deine einzige Station im Ausland.
Meine beiden Töchter sind in Bielefeld geboren. Die Stadt, der Verein und die Leute da hatten einen großen Einfluss auf mein Leben und meinen Werdegang. Besonders die ersten beiden Jahre beim DSC waren wohl die besten in meiner gesamten Karriere. Ich habe auch immer noch Kontakt zu einigen Weggefährten von damals.

Mit welchen ehemaligen Kollegen?
Am meisten Kontakt habe ich mit Michael “Schweiki” Schweika, dem aktuellen Physiotherapeuten des DSC, der sich damals auch schon um uns bestens kümmerte. Vor circa zwei Jahren war ich zu Gast beim Heimspiel Arminias gegen Greuther Fürth (Anm. d. Redaktion, 2:2) und habe in diesem Rahmen einige Menschen wiedergetroffen – u.a. “Schweiki”. Ich habe bei ihm und seiner Familie übernachtet. Generell schaffen wir es, mindestens zweimal im Monat miteinander zu telefonieren oder zu skypen. Aber auch zu Sibusiso Zuma, Oliver Kirch oder auch Markus Bollmann habe ich noch Kontakt. Und dann habe ich erst vergangene Woche mit einem ehemaligen Arminen zu tun gehabt, mit dem ich zuvor sieben Jahre lang keinen Kontakt hatte.

Erzähl‘.
Es war Marc Ziegler (Anm. d. Redaktion, Ex-Torwart bei Arminia). Ich habe früher mit ihm im Hotel vor Auswärtsspielen immer in einem Zimmer übernachtet. Ich habe vor einigen Wochen meine B-Lizenz bestanden und möchte in naher Zukunft meine A-Lizenz im Trainerbereich machen – da Marc beim DFB im Jugendbereich als Torwartkoordinator arbeitet, haben wir uns mehrmals unterhalten und es war schön, auch über die alten Zeiten plaudern zu können.

“I didn’t see anyone to pass it quer und dann habe ich die Target gehittet.” Dieser Spruch stammt von Jóan Símun Edmundsson nach seinem Tor gegen den 1. FC Köln. An welchen Spruch erinnert er dich?
“We have to fight weiter” (lacht). Ich weiß noch, dass ich als Schüler nicht Deutsch lernen wollte, mich darüber dann aber spätestens geärgert habe, als ich bei Arminia angekommen bin. In den vier Jahren in Bielefeld habe ich viel Deutsch gelernt und die Sprache kennengelernt, wobei mir das in diesem einen Satz etwas flöten gegangen ist. So bin ich aber wenigstens jedem Arminen nicht nur durch meine Spielweise in Erinnerung geblieben (lacht).

Wo wir schon bei Erinnerungen wären – was hat es mit dem ominösen Mannschaftsfoto auf sich, bei dem du eine wichtige Rolle gespielt hast? Stichwort Autogrammkarte…
Eine teure Angelegenheit. Wir hatten als Mannschaft den offiziellen Fototermin für die Saison 2008/2009 und normalerweise dauerte so ein Termin nicht länger als 30 Minuten. Aus irgendeinem Grund hat der Termin damals aber gefühlt drei Stunden gedauert, weswegen uns etwas langweilig wurde und ich mir einen kleinen Scherz erlaubt habe. Bei einem Foto habe ich eine Autogrammkarte vor die Brust meines Nebenmannes Zlatko Janjic gehalten und genau dieses Bild wurde dann am nächsten Tag in den Bielefelder Zeitungen gedruckt.

Woraufhin du ein Gespräch mit dem Trainer hattest.
Genau. Der damalige Trainer Michael Frontzeck kam tags darauf auf mich zu und bat mich um eine kleine Zahlung – das habe ich dann natürlich über mich ergehen lassen. Die NW rief am selben Tag sogar noch bei Zlatko an und fragte ihn, warum er das mit der Karte gemacht hätte, aber ich konnte ihn aus der Situation befreien und habe mich selbst gestellt (lacht).

Du lebst mit deiner Familie in deiner Heimat Dänemark. Was machst du dort im Moment?
2018 habe ich meine aktive Karriere beendet. Nach meiner Zeit beim DSC habe ich u.a. noch fünf Jahre bei Randers FC gespielt und genau bei diesem Verein arbeite ich derzeit im administrativen Bereich und trainiere dreimal in der Woche die älteren Jugendmannschaften. Zudem arbeite ich in unserer Scouting-Abteilung und versuche, neue Spieler für den Randers FC zu gewinnen. Ich glaube, dass der dänische Fußball noch einiges von der deutschen Mentalität lernen kann und ich versuche, gewisse Dinge miteinzubringen. Meiner Frau und meinen zwei Töchtern geht es auch gut – das ist das Allerwichtigste.

Lass uns zum Abschluss noch einmal auf das Spiel Arminias am Samstag gegen Bayern gucken. Ist für den DSC gegen den Rekordmeister etwas drin?
Arminia hat in dieser Saison genau die gleiche Möglichkeit, wie wir am 16. September 2006. Im Fußball ist alles möglich, gerade in der SchücoArena. Natürlich ist Bayern der Favorit, aber in einem Spiel kann so viel passieren – mit dieser Einstellung muss die Mannschaft in die Partie gehen.

Dein Tipp für Samstag?
Ich bin Optimist und denke, dass Arminia 2:1 gewinnen wird.