Champions League Vorschau Gruppe E: FC Sevilla, FC Chelsea, Krasnodar, Stade Rennais

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Artikelbild: Champions League Vorschau Gruppe E: FC Sevilla, FC Chelsea, Krasnodar, Stade Rennais

In wenigen Tagen beginnt die Gruppenphase in der neuen Saison der Champions League. In der Gruppe E treffen der FC Sevilla, der FC Chelsea, Krasnodar und Stade Rennais aufeinander. Wir geben einen Überblick über die Gruppe!

  • FC Sevilla hat große Ambitionen
  • Runderneuertes Chelsea will sich auf europäischer Bühne beweisen
  • Stade Rennais: Hochtalentierte Mannschaft will für Furore sorgen

FC Sevilla: Titel in der Europa League im Gepäck

Der FC Sevilla hat in der vergangenen Saison die Europa League gewonnen. Die Andalusier sind quasi Experten darin, in diesem Wettbewerb für Furore zu sorgen. Was fehlt: Eine ähnlich herausragende Saison in der Königsklasse. Darauf hofft die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui (54) in der neuen Spielzeit. Die Gruppe E in der Champions League ist sehr attraktiv, die Herausforderung ist groß.

Der Triumph in der Europa League wurde in La Liga durch einen hervorragenden Platz unter den ersten vier Mannschaften abgerundet. Das System Lopetegui funktioniert, die Automatismen sind vorhanden, damit stellen die Andalusier den traditionell unangenehme Gegner mit sehr guten Einzelspielern dar.

Hinzu kommt, dass der FC Sevilla auf dem Transfermarkt seit eh und je sehr clever agiert. So auch in dieser Saison. Suso (26) wurde fest von Milan verpflichtet, Oscar Rodriguez (22) kam von Real Madrid. Zudem wechselten unter anderem Oussama Idrissi (24, AZ Alkmaar) und Ivan Rakitic (32, FC Barcelona) zur Lopetegui-Elf. Der Kader ist auf allen Positionen sehr gut besetzt, das Durchschnittsalter mit 27,7 Jahren zeigt eine gute Mischung aus erfahrenen und talentierten Spielern. 

In der Spitze und der Breite stark

Die Verstärkungen im Sommer waren von immenser Bedeutung. Nun ist der Kader gerüstet, denn die neue Saison bringt einen sehr engen Terminkalender mit sich. In der Spitze und in der Breite ist der FC Sevilla so aufgestellt, dass mehrere Systeme gespielt werden können. Zudem ist die Rotation ohne einen signifikanten Qualitätsverlust durchführbar. Grundsätzlich werden die Spanier ihrem Stil aber treu bleiben.

Das bedeutet, dass in einem 4-3-3-System gespielt wird. Die Defensive ist robust und physisch stark, die Außenverteidiger laufstark, das Mittelfeld technisch versiert. Im Angriff gibt es Zielspieler wie Luuk de Jong (30) oder quirlige, ausweichende und fluide Spieler wie Munir El Haddadi (25). Diese Mischung macht den FC Sevilla unberechenbar, auch während des laufenden Spiels können neue Impulse gesetzt werden.

Schlüsselspieler ist aber weiterhin Lucas Ocampos (26). In der Vorsaison entschied der offensive Außenspieler mehrere Spiele für den Klub, teilweise in den Schlussminuten. Er taucht im offensiven Drittel überall auf und ist für die gegnerische Defensive kaum zu fassen. Der Saisonstart in La Liga ist mit sieben Punkten aus drei Spielen zudem geglückt, die eingespielte Mannschaft hat die neu hinzugewonnene Qualität schnell adaptiert und macht dort weiter, wo sie in der Vorsaison aufgehört hat.

FC Chelsea: Großangriff in Europa?

In der Saison 2019/20 wurde Chelsea aufgrund der Transfersperre schon fast “zu seinem Glück gezwungen”. Trainer Frank Lampard (42) konnte mit einer jungen, hungrigen und dynamischen Mannschaft ohne den ganz großen Druck aufspielen. Auch wenn nicht alles funktionierte, erfüllte Lampard mit seiner Mannschaft die Erwartungen, die Qualifikation für die Champions League gelang. Dass der FC Bayern in eben jenem Wettbewerb eine Nummer zu groß war, ist bereits abgehakt.

Denn in der neuen Saison werden die Karten neu gemischt. Während sich andere Klubs auf dem Transfermarkt zurückhielten oder zurückhalten mussten, konnte Chelsea investieren. Unter anderem wurden Kai Havertz (21, Leverkusen), Timo Werner (24, Leipzig), Thiago Silva (36, PSG) und Ben Chilwell (23, Leicester) verpflichtet. Der Kader wurde verstärkt, ist aber noch immer nicht vollumfänglich homogen besetzt. Dennoch wollen die Blues in Europa angreifen und weiter kommen als in der Vorsaison. 

Doch die Verstärkung des Kaders stellt nur die Basis dar. Frank Lampard muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, mit dieser Qualität entsprechend umzugehen. Mehrere Systeme sind möglich, zahlreiche Spieler sind variabel einsetzbar. Das ist einerseits ein Luxus für einen Trainer, andererseits ist es schwerer, die ideale Formation zu finden.

Chelsea: Noch gibt es offene Fragen

Der Start in die neue Saison offenbarte Licht und Schatten. In der Offensive zeigten sich die Blues in einigen Phasen schon sehr spielfreudig. Die individuelle Klasse ist hoch, neben den genannten Neuzugängen stehen auch Christian Pulisic (22), Tammy Abraham (23) oder der erfahrene Olivier Giroud (34) im Kader. Ohnehin ist die Mischung im Kader auf nahezu allen Positionen sehr gut. 

Erfahrene Spieler wie Jorginho (28) oder Cesar Azplicueta (31) können die Mannschaft führen, Reece James (20) oder Callum Hudson-Odoi (19) verschärfen den Konkurrenzkampf und wollen sich beweisen. Doch in der Defensive bestehen noch einige offene Fragen. In den bisherigen Spielen zeigte sich Chelsea immer wieder anfällig. 

In vier Ligaspielen spielten die Blues nur einmal zu null, insgesamt kassierte man schon sechs Gegentore. Kepa (26) im Tor patzte erneut zu Saisonbeginn, die Innenverteidigung wurde unter Druck nervös und ließ sich zu Fehlern hinreißen. In diesem Bereich wartet noch viel Arbeit auf Lampard und das Trainerteam. Und Teams wie der FC Sevilla warten nur darauf, dass ihnen etwas angeboten wird. Das Weiterkommen ist für Chelsea zwar Pflicht, aber keinesfalls vorab schon in trockenen Tüchern.

FK Krasnodar: Außenseiter mit Minimalchance

Der FK Krasnodar belegte in der Vorsaison den dritten Platz in der russischen Liga und nahm in den vergangenen Jahren mehrfach an den internationalen Wettbewerben teil. Die Qualifikation für die Champions League ist ein großer Erfolg für den Klub aus der Stadt am Fluss Kuban. Gründer des Klubs ist Sergei Galizki (53), Eigentümer der Einzelhandelskette Magnit. Dementsprechend ist eine solide wirtschaftliche Basis vorhanden, der Klub konnte in den letzten Jahren auch immer wieder spannende Spieler nach Krasnodar lotsen.

In diesem Sommer hielt man sich auf dem Transfermarkt aber zurück. Nur vier Spieler wurden neu verpflichtet. Mit Evgeniy Gorodov (34, Grozny) kam ein erfahrener Torhüter, der keine Ablöse kostete. Ebenfalls ablösefrei verpflichtete man Igor Smolnikov (31, Zenit). Für 300.000 Euro kam Evgeniy Markos (26, Dinamo Moskau), während Evgeniy Chernov (27, Rostov) für drei Millionen Euro verpflichtet wurde. Der Kader ist aber auch ohne die ganz großen Neuverpflichtungen sehr ordentlich besetzt.

Qualität vor allem in der Offensive

In der Defensive finden sich vor dem sehr talentierten Torhüter Matvey Safonov (21) vor allem einige robuste Spieler. Die Außenverteidiger können sehr gut nach vorne anschieben, die Innenverteidiger sind in ihrer Art eher auf das Wesentliche fokussiert, nämlich die Angriffe des Gegners zu stoppen. Im Mittelfeld finden sich aber auch technisch versierte und dynamische Spieler. So zum Beispiel Tonny Vilhena (25), der einst in der Eredivisie als großes Talent galt. 

Das Prunkstück der Mannschaft ist aber die Offensive. Als Spielmacher fungiert Remy Cabella (30), der in der Ligue 1 über Jahre hinweg sehr gute Leistungen zeigte. Auf den Außenbahnen stehen mit Victor Claesson (28), Wanderson (26) und Shapi Suleymanov (20), der zu den größten russischen Talenten zählt, einige interessante und hochkarätige Spieler im Aufgebot. Im Sturmzentrum hingegen ist die Erfahrung vorherrschend. Ari und der ehemalige HSV-Stürmer Marcus Berg (beide 34) sind eher Knipser und nehmen nicht aktiv am Kombinationsspiel teil. 

Der Start in die neue Saison verlief allerdings nur durchschnittlich. Krasnodar hat in den ersten zehn Spielen nur 15 Punkte geholt und läuft in der Premjer Liga ein wenig der Musik hinterher. Platz acht ist nicht das Ziel, der Motor stottert noch ein wenig. Dass es bei der Mannschaft von Trainer Murad Musaev (36) schon vor der Mehrfachbelastung leichte Probleme gibt, ist kein gutes Vorzeichen. 

Stade Rennais: Chance auf Platz zwei nutzen

Stade Rennais spielte in der Ligue 1 eine sehr gute Saison 2019/20 und belohnte sich am Ende mit dem dritten Platz. Die Mannschaft nimmt nun an der Champions League teil und kann endlich auch in Europa auf sich aufmerksam machen. Der Verein leistet seit mehreren Jahren sehr gute Arbeit und brachte zuletzt Talente wie Eduardo Camavinga (17) hervor. Der Franzose ist nicht nur bereits Nationalspieler, sondern steht auch bei Klubs wie Real Madrid auf der Liste.

Die Teilnahme an der Königsklasse war für Stade Rennais ein Segen. Denn so konnte der heiß begehrte Camavinga gehalten werden, was auch für andere Topspieler zutrifft. Zudem verstärkte sich das Team aus Rennes mit teilweise sehr namhaften Spielern. Dalbert (27, Inter) und Daniele Rugani (26, Juventus) wurden von Topteams aus der Serie A ausgeliehen, mit Jeremy Doku (18, Anderlecht), dem wir kürzlich ein Porträt widmeten, kam eines der größten Talente für mehr als 25 Millionen Euro aus Belgien nach Frankreich.

Auch Martin Terrier (23, Lyon) und Serhou Guirassy (24, Angers) stellen sehr wichtige Verstärkungen dar. Der Kader ist homogen zusammengestellt und passt sehr gut zu den Vorstellungen von Trainer Julien Stephan (40). Der Franzose ist seit Dezember 2018 im Amt und hat den Verein enorm nach vorne gebracht. Abgänge von Spielern wie Edouard Mendy (28, Chelsea) oder Raphinha (23, Leeds) können kollektiv aufgefangen werden. Platz zwei in dieser Gruppe ist für das Team aus Rennes zumindest kein utopisches Ziel.

Die Mischung im Kader stimmt

Die Mannschaft ist eingespielt, auf einigen Positionen wurden neue Impulse gesetzt und die Breite im Kader ist auch vorhanden. Stade Rennais ist darauf eingestellt, in mehreren Wettbewerben auf hohem Niveau spielen zu können. Führungsspieler wie Damien da Silva (32, Innenverteidigung) oder Steven Nzonzi (31, Mittelfeldzentrum) treffen auf hochkarätige Talente. Neben Camavinga wäre hier vor allem Rechtsverteidiger Brandon Soppy (18) zu nennen, der den nächsten Schritt machen will. 

Die Stephan-Elf spielt in der Regel in einem 4-3-3-System. Die offensiven Außenspieler sind sehr fluide und wechseln ihre Positionen, Camavinga und Nebenmann Benjamin Bourigeaud (25) sind dynamische Antreiber im Mittelfeld, die sowohl defensiv als auch offensiv von ihrer läuferischen Klasse profitieren. Die Außenverteidiger dürfen Ausflüge nach vorne unternehmen, sofern sie diszipliniert wieder gegen den Ball arbeiten. Das Erfolgsrezept klingt einfach, ist aber schwer umzusetzen. Jeder Spieler muss wissen, was er zu tun hat. 

Auch der Start in die neue Saison verlief vielversprechend. Sechs Spiele, 14 Punkte, Platz eins in der Tabelle und verloren wurde noch kein Duell. Die Entwicklungen innerhalb des Teams sind spannend zu verfolgen, Trainer Stephan will dem Spiel immer weitere Elemente hinzufügen. Wird die Balance noch optimiert, ist das Weiterkommen in dieser Gruppe möglich. Die anderen Teams sollten die Franzosen jedenfalls auf der Rechnung haben.

Prognose

Die Rollenverteilung in dieser Gruppe ist recht eindeutig, zumindest, wenn man auf den Außenseiter schaut. Krasnodar hat wohl sehr geringe Chancen auf das Weiterkommen, die anderen drei Mannschaften werden sich einen erbitterten Kampf liefern. Sevilla ist das Team mit der größten Homogenität im Kader und wird sich sehr wahrscheinlich qualifizieren. Chelsea muss am Limit spielen, um die Franzosen aus Rennes in Schach zu halten.

(Photo by MIKE HEWITT/POOL/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert