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·3. Oktober 2022

Bundesliga | Viele unterschiedliche Krisen – und ihre Auswege: Die Brennpunkte des 8. Spieltags!

Artikelbild:Bundesliga | Viele unterschiedliche Krisen – und ihre Auswege: Die Brennpunkte des 8. Spieltags!

Spotlight | Der 8. Bundesliga-Spieltag steht in den Geschichtsbüchern. Zeit, auf die Brennpunkte des Wochenendes zu schauen.

1. Bayern im Zwischenhoch, Dortmunds alte Probleme: Die Lage vor dem ersten „Klassiker“ der Saison!

Es war ein Spieltag, wie ihn sich Spieler, Verantwortliche und Fans des FC Bayern kaum schöner hätten malen können: Zwei Plätze in der Tabelle gutgemacht, Rückstand auf die Spitze auf zwei Punkte geschlossen. Mit einem Sieg in Dortmund könnte man sich – zumindest über Nacht – die Tabellenführung zurückholen, da Union Berlin (VfB Stuttgart (A)) und der SC Freiburg (Hertha BSC (A)) durch die Teilnahme an der Europa League erst nächsten Sonntag spielen.

Dann wäre da noch der eigene Auftritt. Es war bekannt, dass es – nach vier sieglosen Bundesligaspielen – eines klaren Statements gegen Bayer Leverkusen bedurfte, spielerisch wie ergebnistechnisch. Mit dem 4:0 gelang beides, wenngleich die Münchener gegen einen harmlosen und phasenweise indisponierten Gegner trotzdem nicht am absoluten Anschlag performten. Noch immer gab es einige Unsauberkeiten im eigenen Spiel, noch immer tendierte die Mannschaft dazu, den Ball phasenweise zu sehr ins Tor tragen zu wollen. Dennoch war vor allem im Auftreten eine klare Steigerung zu erkennen: Von Beginn an agierte die Mannschaft von Julian Nagelsmann druckvoll, konsequent und zielstrebig. Beispielhaft dafür der Treffer von Leroy Sané in Minute 3: Jamal Musiala setzte sich auf der rechten Seite im Dribbling gekonnt durch und brachte den Flachpass ins Zentrum. Dort nahm Sané die Kugel mit links kurz an und versenkte mit rechts. Erster Torschuss, erster Treffer. So und nicht anders muss man eine solche Situation zu Ende spielen. Ohne technischen Fehler, dafür mit dem genauen Plan, wie man die Kugel versenken will. Konzentration und Konsequenz im Abschluss. Zur Pause lag der xG bei 0,68:0,72. Alles, was sich die Münchener über die Länderspielpause vorgenommen hatten, setzten sie in dieser ersten Hälfte um. Somit können sie das Duell in Dortmund vorerst positiver Dinge angehen. Die Situation bleibt dennoch eine fragile. Der Rekordmeister braucht eine Siegesserie. Ansonsten droht die Stimmung schnell wieder ins Negative zu kippen.

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Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

So wie in Dortmund: „Nach jedem Sieg stellt ihr mir die Frage, was die Ambitionen, was die Ziele für diese Saison sind. Und wir treten immer auf die Euphoriebremse, genau wegen Spielen wie heute. Weil das wiederholt auftritt, dass wir solche Spiele, die wir komplett kontrollieren, einfach weggeben. Wir werden es ganz klar analysieren. Wir werden es wieder ansprechen, wir werden wieder versuchen, unsere Lehren daraus zu ziehen, wir werden wieder darüber reden, dass wir eine Reaktion zeigen müssen, um das endlich abzustellen“, wütete Edin Terzic nach dem 2:3 in Köln.

Die Wut und der Frust von Dortmunds Trainer waren nicht nur greifbar, sondern auch verständlich. Wie gegen Werder Bremen (2:3) und im Etihad (1:2) verlor der BVB trotz eigener Führung. Hätten sie diese beiden Spiele, gegen Werder und in Köln, gewonnen, stünden die Dortmunder jetzt bei 21 Zählern und könnten mit einem Sieg über den FC Bayern, wie 2018/19,  auf neun Punkte davonziehen. In diesem Fall wäre auch die Lage in München, trotz des 4:0 über Bayer Leverkusen, eine komplett andere.

Natürlich hilft die aktuelle Verletzungsmisere nur bedingt. Trotzdem lieferte der BVB in Köln vor der Pause einen sehr ordentlichen Auftritt ab, führte verdient – und machte wieder dieselben, leichtfertigen Fehler. Offensiv fehlte die Konsequenz, das Spiel mit dem 0:2 zuzumachen, sodass die Defensive durch den präsenteren Kölner Auftritt in der zweiten Hälfte unter Druck geriet und sich diesem binnen drei Minuten beugen musste.

Wenn Steffen Baumgart sagt, er hätte sich in jener Phase eher das 4:1 gewünscht, als das 3:2 durch ein „halbes Eigentor“, müssen in Dortmund vor den beiden Partien gegen Sevilla sowie dem FC Bayern (H) und Union Berlin (A) in der Bundesliga alle Alarmglocken angehen. Denn die Probleme, die Dortmund hat, liegen weniger in der Taktik, als vielmehr in der Art und Weise, wie sie solche Niederlagen über die vergangenen Jahre hinnehmen. Die Dortmunder müssen lernen, eine Schwächephase des FC Bayern vollumfänglich auszunutzen und sie als Meisterschaftskonkurrent noch weiter in die Krise zu stürzen, anstatt ihnen durch eigene Unzulänglichkeiten herauszuhelfen. Sie müssen lernen, eine Topmannschaft wie Manchester City zu bezwingen, wenn diese es, an einem schwächeren Tag anbietet. So stehen sie sie in der aktuellen Phase tabellarisch hinter den Münchenern und durch die jüngsten Ergebnisse selbst unter Druck.

2. Leverkusens Horrorsaison setzt sich auch in München fort

Eine Mannschaft, der man vor der Saison zugetraut hatte, mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund mitzuhalten, ist Bayer Leverkusen. Leistungsträger wie Patrik Schick oder Florian Wirtz wurden verlängert. Dazu verstärkte man den Kader um Spieler wie Adam Hložek und Callum Hudson-Odoi.

Die Zutaten für eine erfolgreiche Saison waren also vorhanden. Allein, die Gegenwart sieht anders aus: Platz 17 nach acht Spieltagen, fünf Spiele, nur ein Sieg, das 3:0 in Mainz. In München fiel die Mannschaft nach dem frühen Gegentreffer regelrecht auseinander, leistete – anders, als Borussia Mönchengladbach, Union Berlin, der VfB Stuttgart sowie der FC Augsburg, die dem FC Bayern allesamt Punkte abnahmen – kaum Gegenwehr und verlor auch in der Höhe verdient 0:4.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Wenig überraschend zählte Sportchef Fernando Carro im Sport1 Doppelpass den Trainer an: „Wir haben ja mit Gerardo Seoane einen Trainer, der sehr sehr gut ist. Der Fähigkeiten hat, die er im letzten Jahr gezeigt hat, die wir auch immer noch in ihm sehen. „Aber wir sind nicht blauäugig. Sie können davon ausgehen, dass wir nicht unvorbereitet sind. Und mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“

Die aktuelle Krise traf Bayer Leverkusen relativ unvermittelt, mit dem Pokalaus in Elversberg, den drei Niederlagen zum Bundesligaauftakt, in Dortmund (0:1), gegen den FC Augsburg (1:2) sowie die TSG Hoffenheim (0:3). Danach aber zeigte die Mannschaft relativ wenig Gegenwehr, um aus dieser Situation herauszukommen und ergab sich vielmehr ihrem Schicksal. Das 2:0 über Atlético Madrid war einer der wenigen Auftritte, die Leverkusen so absolvierte, wie man es der Mannschaft zutraut. In den beiden Partien gegen Porto sowie Schalke braucht es Ergebnisse, es kommt auf Führungsspieler wie Lukáš Hrádecký, Kerem Demirbay oder Robert Andrich an, die Mannschaft mitzureißen und einen Weg aus der Krise zu finden.

3. Lücke für Deutschland?

Trotz eines einzigen Erfolgs aus den ersten sieben Partien spricht bei der Nationalmannschaft noch niemand von einer Krise, wenngleich der Optimismus vor einer Weltmeisterschaft auch schon größer gewesen sein dürfte. 0:1 gegen Ungarn, 3:3 in Wembley. Die ganze Hoffnung, die nach der gelungenen WM-Qualifikation sowie dem 5:2 über Italien entstand, wurde mit den letzten beiden Pflichtspielen vor der WM erstickt.

Zu unkreativ präsentierte sich das Team von Hansi Flick, ohne Ideen, ohne Tempo, ohne Tiefe. Dafür immer wieder mit Fehlpässen und Ballverlusten sowie anfällig für gegnerische Konter. Das einzige, was im Hinblick auf die WM positiv stimmt, ist, dass es die europäische Konkurrenz nur bedingt besser macht.

Landesweit werden die Rufe nach einer echten Nummer neun, einem Stoßstürmer, immer lauter. Vergangenes Wochenende drängte sich einer – mal wieder – auf: Zwei Tore und zwei Assists steuerte Niclas Füllkrug zu Bremens 5:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach bei. „Lücke für Deutschland!“, hallte es nach der Partie durchs Weserstadion.

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Photo by Christof Koepsel/Getty Images

Tatsächlich gibt es für Hansi Flick, angesichts der letzten Partien, nur noch wenig Gründe, Füllkrug weiterhin außen vor zu lassen. Würde er eine Bereicherung für die aktuelle Offensive darstellen? Mit ziemlicher Sicherheit. Gibt es so viele andere Spieler auf seiner Position, insbesondere bei einem 26er-, statt eines 23er-Kaders, die der Mannschaft eher weiterhelfen würden, als er? Mit Lukas Nmecha, der die U21 zum Europameistertitel schoss, probierte Hansi Flick einen ähnlichen Spielertypen aus. Der Wolfsburger blieb bislang allerdings noch ohne Treffer.

In diesem Fall hätte Flick, besonders, in einer schwächeren Qualifikationsgruppe, mehrere Stürmer testen können. Luis Enrique beispielsweise, dessen Mannschaft ebenfalls ein klassischer Neuner abgeht, nominierte mal Álvaro Morata, mal Raúl de Tomás, Rodrigo Moreno und zuletzt auch Borja Iglesias.

Das Problem besteht bei der deutschen Nationalmannschaft eigentlich schon seit dem Rücktritt Mario Gomez‘ nach der Weltmeisterschaft 2018. Wenn sich Flick noch dazu entschließt, Füllkrug einzuladen, fehlt ihm in der einen Woche bis zum WM-Start nahezu komplett die Zeit, sich in der Welt der Nationalmannschaft zu akklimatisieren und sich an die Automatismen der Mannschaft anzupassen. Vielmehr muss man darauf setzen, dass er seine Form aus Bremen mitbringt, sodass er sich in dem einen, letzten Testspiel gegen den Oman und Jokereinsätzen an das Team heranarbeitet. Das ist gleichzeitig ein großes Vabanquespiel. Nur, der Status quo, aus den letzten beiden Partien, ist es ebenfalls. Man darf gespannt sein, für welchen Weg sich Flick entscheidet.

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