Bundesliga | VfL Wolfsburg: Mit Schmadtkes Visionen geräuschlos an die Spitze

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Fünf Spiele ist der VfL Wolfsburg noch von der Champions League entfernt. Es wäre die erste Teilnahme seit der Saison 2015/16 – und der steile Aufstieg nach zwei dünnen Jahren in der Bundesliga. Der ist eng mit einem Namen verbunden: Jörg Schmadtke.

Wolfsburgs magische Nacht gegen Real Madrid reicht knapp nicht

In der ganzen Diskussion um eine mögliche Super League wird besonders ein Argument immer genannt: Die Underdog-Stories, die den Fußball liebenswert machen, fielen komplett weg. Kaiserslautern, das als Aufsteiger deutscher Meister wird. Griechenland, das die EM gewinnt, Leicester die Premier League. Das alles gäbe es nicht mehr.

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Auch der VfL Wolfsburg hatte am 6. April 2016 einen solchen Moment. Es war eines der ersten Champions-League-Spiele von Zinedine Zidane als Trainer von Real Madrid – mit einem für alle Seiten unerwarteten Ausgang. Nachdem ein frühes Tor von Cristiano Ronaldo (36) die Anerkennung verweigert wurde, traf erst Ricardo Rodríguez (28) vom Punkt und keine zehn Minuten später Maximilian Arnold (26) nach akkuratem Spielzug zum 2:0.

Bei diesen zwei Toren für den VfL blieb es letztendlich auch. Nicht nur in diesem Spiel, sondern in der gesamten Begegnung. Das Rückspiel entschied CR7 per Hattrick zugunsten seiner Mannschaft und verhinderte den Wolfsburger Halbfinaleinzug. Ein ärgerliches Ausscheiden, hätte doch auch beim Stand von 0:3 ein Auswärtstor gereicht, um der Begegnung einen grün-weißen Anstrich zu verpassen.

Schmadtkes goldenes Händchen: Junge Talente und passende Trainer

In den kommenden Jahren rostete die Wolfsburger Karosse in der Liga vor sich hin, 2017 und 2018 ging es sogar in die Relegation. Ab dem 1. Juli 2018 übernahm Jörg Schmadtke (57) die Geschicke am Allersee. Und wie schon bei seiner vorherigen Station in Köln ging es steil bergauf.

Vor allem, weil Schmadtke einmal mehr unfassbar kluge Transfers tätigte. Zur Saison 2017/18 kamen Josip Brekalo (22) aus Stuttgart sowie Renato Steffen (29) aus Basel. Ein Jahr später verpflichtete man das offensive Herzstück in Wout Weghorst (28) für 10,5 Millionen Euro aus Alkmaar. Dazu kamen hochtalentierte Spieler wie Marin Pongracic (23), Xaver Schlager (23) oder Ridle Baku (23).

Auch bei den Trainern lag er zweimal goldrichtig. Bruno Labbadia (51) gab er die Möglichkeit, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Als es zwischen ihm und Schmadtke nicht mehr funktionierte, wurde Oliver Glasner (44) aus Linz verpflichtet, mit denen er zuvor in Österreich um die Meisterschaft kämpfte.

Wie Wolfsburg das Aus in den Playoffs zum eigenen Vorteil genutzt hat

Mit Erfolg. 2018/19 qualifizierte man sich erstmals seit 2016 wieder für Europa, die Europa League um genau zu sein. In der Gruppe qualifizierte man sich hinter der KAA Gent für das Sechzehntelfinale und besiegte dort Malmö 2:1 und 3:0. Eine Runde später ging es Shakhtar Donezk – und man verlor mit besagten Ergebnissen. In der aktuellen Saison hingegen schied man gar in den Playoffs aus. Nach 1:0-Führung kassierte man noch eine 1:2-Niederlage bei AEK Athen.

Aus diesem Nachteil wiederum hat der VfL einen Vorteil gemacht. Denn gerade in dieser Saison, die wie kaum eine andere einen vollgepackten Spielplan hatte, kamen die Wolfsburger zu dringend benötigten Ruhepausen und konnten so die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz gnadenlos ausnutzen und sich leise, wie ein Elektromotor an die Spitze schleichen.

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Fünf Spieltage vor Saisonende steht Wolfsburg fünf Punkte vor Borussia Dortmund auf Platz 3. Die Chancen auf die erstmalige Champions-League-Qualifikation seit 2016 sind trotz zweier Niederlagen am Stück in Frankfurt (3:4) und gegen den FC Bayern (2:3) weiterhin hoch. Dazu allerdings muss es ihnen gelingen, das Tempo konstant hochzuhalten. Denn die letzten Gegner haben es durchaus in sich. Neben den Spitzenduellen gegen Dortmund und in Leipzig müssen sie noch gegen die beiden Überflieger Stuttgart und Union sowie die äußerst formstarken Mainzer antreten.

Größerer Umbau im Sommer? Wolfsburg ist vorbereitet

Sollten sie sich tatsächlich für die kommende Champions-League-Saison qualifizieren, könnte die nächste große Veränderung bevorstehen, nämlich auf der Trainerbank. Mit der Ankündigung von Hansi Flick (56), seinen Vertrag auflösen lassen zu wollen, könnte das Trainerkarussell in Gang gesetzt werden. Julian Nagelsmann (33) ist der Topkandidat auf seine Nachfolge. RB Leipzig könnte in diesem Fall Jesse Marsch (47) verpflichten, der 2018/19 unter Ralf Rangnick (62) Co-Trainer war. Glasner wiederum könnte Marsch in Salzburg ersetzen. Nicht nur, weil ihm die Liga geläufig ist. In der Ära Roger Schmidt (54) zwischen 2012 und 2014 war er sein Assistent.

Auch auf Spielerseite könnte es einige Abgänge geben. Wout Weghorsts Quote von 19 Treffern in 29 Partien lockt verstärkt Interessenten aus dem Ausland an, sein Wunsch, eines Tages in der Premier League spielen zu wollen, ist ein offenes Geheimnis. Auch auf diesen Fall ist Wolfsburg vorbereitet und führt Bartosz Białek (19) langsam als Weghorsts Nachfolger heran. 17 Einsätze konnte er bislang sammeln, dabei gelangen Białek zwei Tore. Die Zukunft, sie könnte auch schlechter aussehen für den VfL Wolfsburg. Vielleicht gelingt ihnen erneut der Sprung ins Viertelfinale – und sogar noch weiter. Nicht zuletzt, weil sich ihr damaliger Gegner inzwischen entschieden hat, einen anderen Weg einzuschlagen.

Bildquelle: imago

Victor Catalina