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Bundesliga | 3 Brennpunkte nach dem Auftaktspieltag

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Spotlight | Der 1. Spieltag der Bundesliga-Saison 2022/23 steht in den Geschichtsbüchern! Zeit, auf die größten Brennpunkte des Wochenendes zu schauen.

1. Nagelsmann trotz Traumstart bei Bayern im Fokus

Fünf Tore gegen Pokalsieger RB Leipzig, sechs Tore bei Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt. Der FC Bayern beginnt die Saison 2022/23, als wolle er die vorige schnellstmöglich aus dem Gedächtnis der Allgemeinheit ausradieren. Tempo, Energie, Spielfreude. Alles, was den Münchenern in der vergangenen Rückrunde abhanden gekommen zu sein schien, ist nun wieder im Überfluss da.

Vor allem Neuzugang Sadio Mané reißt die gesamte Mannschaft – und auch die Fans, bei denen er nach dem Spiel am Zaun stand, mit seiner positiven Aura mit. Jamal Musiala scheint über den Sommer noch einen Schritt in seiner Entwicklung gemacht zu haben und ist im Moment aus der Startelf nicht wegzudenken. Auch Serge Gnabry wirkt wesentlich direkter und zufriedener, seitdem er auf seiner Lieblingsposition im Zentrum spielen darf.

Noch dazu hat man auf der Bank ernsthafte Alternativen, die den Konkurrenzkampf entfachen. Es liegt nun an Julian Nagelsmann, die Mannschaft durch gekonnte Rotation und Kommunikation bei Laune zu halten. So wie zum Beispiel in der Defensive: Einerseits haben sich Dayot Upamecano oder Benjamin Pavard in ihren letzten Einsätzen kaum etwas zu Schulden kommen lassen. Letzterer traf jeweils in den vergangenen beiden Partien. Andererseits kann man Spieler wie Matthijs De Ligt oder Noussair Mazraoui auch nur eine bestimmte Zeit zu Reservisten machen. Bei Sky90 lobte Sportvorstand Hasan Salihamidžić wie reif Julian Nagelsmann für sein Alter sei. Nun muss er diese Reife im Umgang mit der Mannschaft demonstrieren.

Ein Hauptthema dabei dürfte ebenfalls sein, wie die Mannschaft die zweite Hälfte angeht. Bei 3:0-, beziehungsweise 5:0-Führung sind Ungenauigkeiten und solche, die zu Gegentoren führen, lediglich Schönheitsfehler. Jedoch gilt es, diese zu beheben, bevor daraus größere Baustellen werden. Denn es ist abzusehen, dass nicht alle Spiele für die Münchener so laufen werden, wie die vergangenen beiden.

Wenn es wie erwartet zugeht, dann dürften sich die „neuen“ Bayern schon am Sonntag ihrer ersten tiefstehenden Mannschaft gegenübersehen, wenn Ex-Trainer Niko Kovač mit dem VfL Wolfsburg zu Gast in der Allianz Arena ist. Bereits im Pokalfinale 2018 mit Eintracht Frankfurt (3:1) und als Bayern-Trainer in Anfield 2019 (0:0) wählte Kovač einen defensiven Ansatz, um großen Gegnern beizukommen. Besonders der physische Aspekt dürfte dann in den Fokus rücken. Hohe Bälle auf Robert Lewandowski, der zwei oder drei Gegenspieler bindet und so Lücken für seine Mitspieler reißt, ist nicht mehr drin. Es wird interessant sein, was sich Julian Nagelsmann einfallen lässt. Trotz Traumstart steht er nun im Fokus.

2. Anthony Modeste: Ein Transfer ohne Gewinner

Ja, die Situation um Sébastien Haller ist dramatisch. Man kann ihm nur alles erdenklich Gute und schnellstmögliche wie vollständige Genesung wünschen. Natürlich ist Borussia Dortmund kein Strick daraus zu drehen, dass sie sich nach Ersatz umschauen. Und natürlich ist Anthony Modeste mit seiner in Köln demonstrierten Treffsicherheit ein Kandidat.

Doch spätestens nach diesem Wechsel bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Bereits 2017 – auch damals landete der Effzeh auf einem Europapokalplatz – verließ Modeste den Klub, in Richtung China. Seine Zeit dort: überschaubar. Elf Tore in zwei Jahren. Zur Saison 2018/19 holte in Köln zurück. Nachdem auch eine Leihe zur AS Saint-Étienne nicht die erhoffte Wirkung hatte, baute ihn Steffen Baumgart mühevoll wieder auf. Modeste konnte an seine alten Leistungen anknüpfen, Köln erneut nach Europa führen. Nur, um den Verein bei der nächstbesten Gelegenheit wieder wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen.

Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images

Es ist ein Wechsel, bei dem man durchaus die Sinnfrage stellen kann. Ist gesichert, dass Modeste auch nach der Rückkehr von Haller und mit Giovanni Reyna, Marco Reus, Donyell Malen, Jamie Bynoe-Gittens, Karim Adeyemi oder Youssoufa Moukoko als Konkurrenten in der Offensive überhaupt auf seine Minuten kommen wird? Ist es das überhaupt wert, alles, was er sich in Köln aufgebaut hat, ein zweites Mal einzureißen?

Gleichwohl darf hier aber auch das Verhalten des BVB hinterfragt werden, sich einmal mehr in der Bundesliga zu bedienen, wenn Stürmer wie Edinson Cavani oder Edin Džeko, der nach der Ankunft von Romelu Lukaku auf dem Abstellgleis steht, verfügbar gewesen wären. Bestenfalls hat man nun für die Zeit ohne Haller einen adäquaten Ersatz gefunden. Aber was passiert danach? Auf lange Sicht könnte es ein Transfer ohne Gewinner werden.

3. Herthas langer Weg zurück zur Nummer eins in der Hauptstadt

Viele Fragen werden – auch in dieser frühen Phase der Saison – bei Hertha BSC gestellt. Pokalaus im Elfmeterschießen gegen Braunschweig trotz 2:0- und 4:3-Führung. Nun war man einmal mehr gegen den Stadtrivalen Union Berlin chancenlos und musste die vierte Derbyniederlage am Stück einstecken. Mit Eintracht Frankfurt (H), Borussia Mönchengladbach (A) sowie Borussia Dortmund (H) als nächsten Gegnern droht den Berlinern, wenn sie so weiterspielen, auch unter Sandro Schwarz ein Fehlstart in die Saison.

Dabei wollte man diesmal vieles besser machen, als in der vergangenen Spielzeit, als man dem Abstieg erst im Relegations-Rückspiel beim HSV (2:0) entging. Dedryck Boyata, etatmäßiger Kapitän, war stattdessen gar nicht im Kader. Sandro Schwarz bemängelte im Anschluss an die Derbyniederlage, dass die Schärfe gefehlt habe. Bereits vor der Pause hätte Union das Ergebnis deutlicher gestalten können, vielleicht sogar müssen. Das holten sie in der zweiten Hälfte nach: Ein Doppelschlag von Sheraldo Becker und Robin Knoche ließ die Partie einmal mehr zu einer deutlichen Angelegenheit verkommen.

Immerhin, das muss man der Hertha bei allen Fehlpässen und Ungenauigkeiten zugutehalten, ein gewisses Bemühen war zu erkennen. Gegen Ende der Partie erzielte Dodi Lukébakio noch den Ehrentreffer. Dennoch ist es ein langer Weg, bis der Verein wieder dort zurück ist, wo er sich selbst sieht: Als stärkste Kraft in Berlin.

Victor Catalina

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