Brückenschlag 97: Dem Meister Paroli bieten | OneFootball

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VfL Osnabrück

·20. Februar 2024

Brückenschlag 97: Dem Meister Paroli bieten

Artikelbild:Brückenschlag 97: Dem Meister Paroli bieten

1953/54 war Hannover 96 nicht nur in der Oberliga Nord das Maß aller Dinge. Auf dem Weg zur zweiten Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte verlor die Mannschaft von Helmut „Fiffi“ Kronsbein überschaubare 4 von 33 Spielen. Nur der VfL konnte die Hannoveraner in dieser Saison zweimal besiegen.

Schon der erste Erfolg am 8. November 1953 wurde vom „Osnabrücker Tageblatt“ als „Sensation des Nordens“ gefeiert. Und das zu Recht, denn die Gäste aus der Landeshauptstadt hatten zwar keine Stars und Nationalspieler in ihren Reihen, die ersten elf Saisonspiele aber allesamt gewonnen. Ganz im Gegensatz zu den Lila-Weißen, die bereits sechs Niederklagen hinnehmen mussten, auf Tabellenplatz 12 rangierten und nur noch vier Teams hinter sich wussten.


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Im Laufe der Saison drohte – erstmals seit Gründung der Oberliga – sogar echte Abstiegsgefahr, doch an diesem Tag lief es einfach für die Osnabrücker. Torhüter Walter Gack, dem wenige Monate später fristlos gekündigt wurde, weil er mit dem Ligakonkurrenten Altona 93 verhandelt hatte, erwischte einen Sahnetag und vereitelte in Durchgang 1 selbst die besten Chancen der spielstarken Gäste. Auf der anderen Seite tauchten Helmut Knobloch, Theo Schönhöft und Hansi Alpert, der gegen den rustikalen Vorstopper Heinz Bothe antreten musste, immer wieder gefährlich vor dem Tor der Hannoveraner auf. In der 19. Minute war es Schönhöft, der sich entscheidend durchsetzte und mit einem Flachschuss das wichtige 1:0 markierte.

Hans Tkotz gelang nach einer Stunde zwar der verdiente Ausgleich, doch die Hausherren ließen an diesem Tag nicht nach und kamen dank der vielleicht besten Saisonleistung kurz vor Schluss zum 2:1-Siegtreffer durch Hansi Alpert. Die Bilanz des „Tageblatts“ beschwor denn auch einige der wohl schon damals typischen VfL-Tugenden:

„Der erfreuliche Gesamteindruck der Mannschaft war, daß sie ihr Spielvermögen in der ersten Halbzeit nachzuweisen vermochte und später unter dem wachsenden Druck des konditionsstärkeren und routinierteren Gegners auftretende Schwächen durch unverbrüchlichen Kampfgeist ausglich.“

Auch das Rückspiel entschieden die Lila-Weißen für sich und machten damit den entscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt. Hannover stand am 4. April 1954 allerdings schon längst als Staffelsieger fest und ging in der ersten Halbzeit, als Theo Schönhöft und Reinhard Haseldiek den VfL mit 2:0 in Front brachten, nicht mehr mit der gewohnten Konsequenz zu Werke. Den Ehrentreffer für 96 erzielte auch diesmal Hans Tkotz, am Ende freuten sich die Gäste aber über den zweiten Sieg gegen den fast unschlagbaren Gegner, der ansonsten nur – jeweils einmal – von Eintracht Braunschweig und dem Hamburger SV bezwungen worden war.

In der anschließenden, wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft verkürzten Endrunde um die Deutsche Meisterschaft setzte sich Hannover auch gegen den Berliner SV 92 und den VfB Stuttgart durch, ehe im Finale der vermeintlich übermächtige 1. FC Kaiserslautern wartete. Doch auch die roten Teufel, die mit allen fünf Spielern aufliefen, die wenig später zu „Helden von Bern“ werden sollten, konnten Fiffi Kronsbeins Schützlinge nicht stoppen. Horst Eckel gelang im Hamburger Volksparkstadion zwar das frühe 1:0, doch Hannover 96 drehte die Partie und gewann am Ende triumphal mit 5:1.

Für die Lila-Weißen endete die Saison auf genau dem Platz, den sie vor der „Sensation des Nordens“ eingenommen hatten.


Text: Thorsten Stegemann

Bild: Hansi Alpert, Schütze des Siegtores beim 2:1-Heimspielerfolg im November 1953, Bild: VfL-Museum

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