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SV Darmstadt 1898

Es sind häufig ähnliche Begriffe, die genutzt werden, um Auswärtsspiele im Erzgebirge zu beschreiben. Aus diesem Grund wäre es wohl auch ein leichtes, eine Art Bingo zu erstellen mit Worten, die den Charakter dieser Partien verdeutlichen und gleichzeitig die Bedingungen aufführen, die erfüllt werden müssen, um in Aue erfolgreich zu sein. Wer es schafft, in zumindest einen Großteil der Felder einen Haken zu setzen, der wird mit einem Bingo belohnt. Beziehungsweise mit drei Punkten. So wie es den Lilien am Samstag gelang.

Schon auf der Pressekonferenz vor dem Gastspiel in Sachsen hatte Torsten Lieberknecht damit begonnen, die ersten Kacheln auszufüllen. "Mentalität, Zweikampfhärte und Aggressivität", nannte der Cheftrainer als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Auftritt und forderte zudem einen "kühlen Kopf" von seiner Mannschaft. Am Samstagnachmittag konnte er alle vier Punkte als erledigt vermerken. "Es war das Spiel, was wir erwartet hatten. Wir mussten uns als Mannschaft präsentieren", so Lieberknecht nach dem Abpfiff, bevor er konkretisierte: "Es war wichtig, ein verantwortungsvolles und seriöses Spiel abzuliefern. Diese Siege sind oftmals die wichtigsten."

Auf dem Weg zum vierten Erfolg in Serie zeigten sich die Lilien von Beginn an konzentriert und unbeeindruckt von der speziellen Atmosphäre des ersten Geisterspiels seit sechs Monaten. "Es ist nicht so einfach, sich nach langer Anreise in einem Spiel ohne Zuschauer so zu pushen. Das haben wir gut gemacht", bestätigte auch Luca Pfeiffer, der das Team mit dem 1:0 in der 62. Minute auf die Siegerstraße brachte. "Wir waren geduldig und haben dann auch unsere Chancen genutzt", erklärte der Angreifer und setzte damit einen verbalen Haken in das Feld, welches mit dem Wort "Geduld" gekennzeichnet war.

Harte Arbeit & Spielwitz

Bereits in der zurückliegenden Woche hatten sich die Darmstädter darauf eingestellt, dass das Kräftemessen mit den Veilchen ein anderes Spiel werden dürfte als die vorherigen Duelle mit dem FC St. Pauli, Schalke 04 oder dem 1. FC Nürnberg. Zehn Punkte hatte Aue in den vergangenen vier Partien gesammelt und dabei stets mit einer kompakten Defensive und zielführendem Umschaltspiel überzeugt. Doch nach den teilweise berauschenden Torfesten der letzten Spieltage fanden die Lilien im Erzgebirge auch die Dinge im südhessischen Werkzeugkasten, um diese Art von Herausforderung zu meistern. "Wir haben uns über Mentalität und Kampf reingearbeitet und schlussendlich ein leistungsgerechtes 2:1 erzielt. Wichtig sind die drei Punkte und so eine Partie fühlt sich manchmal sogar besser an als die Spiele, wo die Tore nacheinander reinfliegen“, bilanzierte Aaron Seydel kurz nach Spielende und stand dabei exemplarisch für die erneut geschlossene Teamleistung seiner Farben. In der 56. Minute eingewechselt, traf der hochgewachsene Offensivspieler nach 75 Minuten zum wichtigen 2:0 und hatte dadurch großen Anteil am dreifachen Punktgewinn des SV 98. Sowohl Seydels Tor als auch der Führungstreffer Pfeiffers bewiesen zudem, dass es mehr als nur harte Arbeit braucht, um das Erzgebirgstadion als Sieger zu verlassen: Nämlich eine ordentliche Portion "Spielwitz", die nicht nur Lieberknecht in der Entstehung und Vollendung beider Tore beobachtet hatte.

Dank all der ausgefüllten Felder konnte der Cheftrainer sogar ein wenig über den "Slapstick" hinwegsehen, der dem späten Anschlusstreffer der Auer vorausging und für vermeidbare Spannung in den Schlusssequenzen der Partie sorgte. "Das Gegentor ärgert. Aber morgen können wir zum Glück darüber lachen", so Lieberknecht angesichts von 29 Punkten, die der SV 98 mittlerweile auf seiner Habenseite weiß. Das Bingo von Aue beweist, dass die Lilien mehr sind als Spektakel gegen ebenfalls offensivfreudige Teams. Dass sie auch im umkämpften Zweitliga-Alltag bestehen können und sich dabei entwickelt haben. Noch in Rostock und Heidenheim blieben zu viele Felder offen, die nun im Erzgebirge ausgefüllt wurden. „Hier zu bestehen, das ist das tägliche Brot“, resümierte Lieberknecht mit Blick auf einen Gegner, den der 48-Jährige aufgrund der jahrelangen Konstanz zu den "wirklich großen Teams der Liga" zählt.

Freitag gegen Düsseldorf

Bereits am Freitagabend wartet nun wieder eine Aufgabe der anderen Art auf die Darmstädter. Fortuna Düsseldorf heißt der kommende Gegner im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Einige Begriffe aus dem Aue-Spiel werden auch dann wieder für einen Bingo benötigt werden, andere neu hinzukommen. Auch dann es wieder eine Leistung am Limit brauchen, damit die Lilien das Spiel als Sieger und einen weiteren Bingo verbuchen können.

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