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Beste Halbzeit seit Wochen: So können sich Dortmund und Favre freischwimmen


Borussia Dortmund hat mit einem 3:0-Sieg über den in der Bundesliga bis dato ungeschlagenen VfL Wolfsburg den ersten überzeugenden Erfolg seit Wochen erzielt. Dabei zeigte die Mannschaft des in der Kritik stehenden Lucien Favre nach 45 allenfalls soliden Minuten, dass sie durchaus Lösungen weiß, um ihre Probleme abzustellen.

Dass der BVB das 1:0 in eine Phase hinein erzielte, in der die Gäste aus Niedersachsen mit ihrer robusten Spielweise nach der Halbzeitpause mehr und mehr das Zepter in die Hand zu nehmen drohten, lässt sich wohl unter ‚Spielglück‘ verbuchen. Dies ist den Schwarzgelben derzeit sowieso recht hold, wie etwa das Revierderby mit zwei Alu-Treffern des FC Schalke 04 zeigte. Zuletzt waren Führungen für den BVB aber eher Fluch als Segen. Umso bemerkenswerter der jüngste Trend. Denn, wie schon am Mittwoch im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach, behielt Dortmund den Fuß nach dem Treffer auf dem Gaspedal.

Hazard ebnet den Weg

War es gegen die Fohlen ein plötzlich wie von den Ketten gelassener Julian Brandt, der das Spiel an sich riss und schnell einen zweiten Treffer nachlegte, oblag diese Rolle nun Thorgan Hazard. Der Belgier erzielte in der 52. Minute endlich sein langersehntes Premierentor für den neuen Klub, sechs Minuten später legte er wie maßangefertigt für den starken linken Fuß des aufgerückten Raphael Guerreiro auf. Der BVB geriet nun beinahe in einen Rauschzustand. Tricks, die wochenlang am ehesten zu Ballverlusten geführt hätten, funktionierten und auch das Stadion war laut wie lange nicht.

Zuletzt offensives Stückwerk

Mit dieser positiven Art des Fußballspielens hatte sich Borussia Dortmund in den vergangenen Spielen derart schwergetan, dass der Eindruck entstand, die Mannschaft würde regelrecht verkrampfen. Favre versuchte stets, den Schwächen seines Teams mit eher taktischen Erklärungen auf den Grund zu gehen. Regelmäßig monierte er das mangelnde Tempo im Spiel in die Tiefe und die fehlende Konstanz im Kombinationsspiel. Der BVB im Herbst 2019 betrieb auf dem Weg nach vorn, mit wenigen Ausnahmen, Stückwerk.

Favre lobt Tempo und Kombinationen

Ganz anders nun gegen Wolfsburg. Als hätte der Sieg nach Rückstand gegen Gladbach den Sand aus den Augen vertrieben, erspielte sich Dortmund mit spielerischer Leichtigkeit Chancen, das Spiel früher zu entscheiden, als es letztlich Mario Götze vom Strafstoßpunkt gelingen sollte. „Wir haben schneller gespielt, besser zwischen den Linien“, lobte Favre anschließend bei Sky. „Die Kombinationen waren viel besser und wir haben uns viele Torchancen kreiert“, so das 62-jährige Geburtstagskind.

Talsohle zumindest weitgehend durchschritten?

Es entstand an diesem Samstagnachmittag durchaus der Eindruck, das Team könne eine Talsohle zumindest weitgehend durchschritten haben. Freilich leugnete diese Erkenntnis eine erste Halbzeit ohne wahre Torgelegenheit, in der es mit weniger Glück bei den Chancen der Gäste, vor allem einem Lattentreffer von Lukas Nmecha, im weiten Rund des Signal Iduna Parks sicherlich wieder zu massenhaftem Raunen gekommen wäre. Gemeinsam mit dem Pokalspiel jedoch verdienen sich Favre und die Mannschaft das Lob, zweimal in Folge wenigstens nach einer gewissen Anlaufzeit zu dem Spiel gefunden zu haben, das die Qualität des BVB diktiert.

„Leichtigkeit musst du dir erarbeiten“

Eine wichtige Aufgabe wird es nun sein, dieses Vermögen nicht erst nach Rückschlägen oder Halbzeitpausen auf den Platz zu bringen. „Die Leichtigkeit musst du dir erarbeiten“, sagte Brandt dazu gegenüber dem Bezahlsender. Der Neuzugang aus Leverkusen ist dafür das beste Beispiel. Seit er auf seiner Lieblingsposition hinter der Spitze auflaufen darf, ist an seinen Leistungen noch längst nicht alles gold, was glänzt. Doch entwickelt er ein erhebliches mehr an Spielwitz, ist an mehr gefährlichen Szenen beteiligt und lässt auch die Defensivarbeit nicht mehr so schleifen, wie es noch auf der Außenbahn den Anschein hatte.

„Nicht von 0 auf 100“

Mit der von Brandt selbst angesprochenen Leichtigkeit sei es so eine Sache, sagte der Nationalspieler. „Das ergibt sich nicht einfach so von 0 auf 100. Wir kommen dem wieder näher, dass wir das von Anfang an zeigen können.“ Selten wären die Gelegenheiten dafür wichtiger, als die kommenden beiden Spiele für den weiteren Verlauf der BVB-Saison sein könnten. Am Dienstagabend steht gegen Inter Mailand in der Champions League das Achtelfinale zwar noch nicht auf dem Spiel, wohl aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin. Und am Samstag geht es auswärts zum FC Bayern. Teilten sich Meister und Vizemeister vor den Partien des 10. Spieltags noch den Status als wankende Riesen der Bundesliga, haben die Münchner in diesem Ranking nach der 1:5-Pleite in Frankfurt eine zumindest für eine Woche uneinholbare Führung eingenommen.