Audi Cup: Bayern verliert Elfmeterschießen im Finale Dahoam | OneFootball

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·31. Juli 2019

Audi Cup: Bayern verliert Elfmeterschießen im Finale Dahoam

Artikelbild:Audi Cup: Bayern verliert Elfmeterschießen im Finale Dahoam

Mit der Finalniederlage gegen Tottenham Hotspur nahm der Audi Cup sein Ende. In einem ungleichen Finale offenbarten sich für den FC Bayern Kaderlücken und eine schöne Parallele zu 2012.

Bevor es am Samstag im Supercup gegen Borussia Dortmund erstmals zumindest teilweise Ernst wird, hielt Bayern gegen die Spurs abends die Generalprobe ab.


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Das Spiel um Platz 3 entschied Real Madrid gegen Fenerbahçe am späten Nachmittag bereits mit 5:3 für sich. Für den FC Bayern hingegen schien der Supercup am Wochenende deutlich wertiger zu sein, wenn man sich die Startaufstellung des Trainers genauer ansieht.

Falls Ihr es verpasst habt:

Wie bereits die gesamte Vorbereitung, schickte Kovač seine Mannschaft im 4-3-3 auf das Feld, durch den Mangel an Rotation tags zuvor war es jedoch eine Elf gespickt mit Jugendspielern. Somit verblieben mit Neuer, Süle, Pavard und Tolisso eigentlich nur noch 4 Spieler, die wirklich dezidiert zum Profikader der nächsten Saison gehören.

Vor Neuer verteidigten Süle, Pavard, Davies und Kehl. Im Mittelfeld spielten Will, Johansson und Tolisso, während Arp von Singh und Nollenberger flankiert wurde. Im Gegensatz dazu spielten bei den Spurs bis auf Nkoudou allesamt Spieler, die auch in jedem Premier-League-Spiel Pocchetinos Vertrauen bekommen könnten.

Dementsprechend begannen die Londoner auch stärker und kamen zur ersten Chance: Nachdem Walker-Peters Davies ausspielte, musste Neuer aus kürzester Distanz Mouras Kopfball parieren. Nachdem die Bayern sich sukzessive mehr in die Partie hineinspielten, mussten sie in der 19. Minute trotzdem den Rückstand hinnehmen. Nkoudou tankte sich über Bayerns rechte Seite durch, flankte flach in die Mitte, wo sich Erik Lamela in Davies’ Rücken schlich und einschob. Danach plätscherte das Spiel ohne große Highlights vor sich hin in die Pause.

Im zweiten Durchgang brachte Kovač zunächst neben dem obligatorischen Torwartwechsel Boateng für Süle und Zylla für Will. In der 59. Minute spielte von der Strafraumgrenze Kane den freistehenden Eriksen an, der nicht fackelte und platziert zum 2:0 einnetzte.

Daraufhin kamen noch Thiago, Sanches und Alaba für Tolisso, Nollenberger und Johansson. Direkt im Anschluss an diese Wechsel gelang es dem durch die Hereinnahme Alabas nun höher spielenden Davies, den starken Vertikalpass Boatengs auf den bis dahin völlig unsichtbaren Arp zu stecken, der plötzlich viel Raum vor sich hatte, sich vor zwei Verteidigern behaupten konnte und zum Anschlusstreffer einschob. Eine bemerkenswerte Aktion.

Die Bayern kamen nun noch besser ins Spiel und in der 70. Minute erhöhte Kovač den Profianteil mit Lewandowski und Müller. Coman kam ebenfalls, verletzte sich aber sofort wieder und musste gehen. Eine Diagnose steht noch aus, zumindest lief er aber relativ rund in den Kabinengang. In der 81. Minute flankte Neu-Rechtsaußen Müller in den Rücken der Spurs-Verteidigung, wo Davies zunächst der Ball etwas versprang, ihn jedoch daraufhin mit rechts(!) aus gut 25 Metern per Weitschuss im Tor unterbrachte. Das war dann auch schon der Endstand, weshalb es ins Elfmeterschießen ging.

Dort ging es, nachdem Alaba und Eriksen verschossen, bis in die siebte Runde. Jérôme Boateng war es schließlich, der zugunsten der Spurs mit seinem Fehlschuss die Entscheidung besorgte und einen unterhaltsamen Abend beendete. Wie das FUMS-Magazin aber bereits schrieb: Haben die Bayern ein Finale Dahoam gegen eine Londoner Mannschaft verloren, gewannen sie im Jahr darauf statistisch gesehen immer die Champions League.

Dinge, die auffielen:

1. A-Plan mit C-Elf

Wem beim Anblick der Aufstellung schon Angst und Bange war, der durfte sich in gewisser Weise erleichtert fühlen: Zwar drängte sich kaum ein Spieler für eine größere Rolle in der nächsten Saison auf, doch von Kick & Rush und planlosem Gebolze war wenig zu sehen.

Stattdessen bestätigte sich der Eindruck der bisherigen Vorbereitung: Die Bayern kombinierten sich anständig mit Flachpässen und guter Positionierung bis ins letzte Drittel, ohne auf planlose 60-Meter-Schläge zurückzugreifen. Wirklich gefährlich wurde das ganze jedoch trotzdem kaum, denn obwohl man den Eindruck hatte, die Spieler wussten größtenteils was sie tun mussten, scheiterte es dann oft an dessen Ausführung. In der einen Situation fehlte es an der Schärfe im Passspiel, in der anderen wurden die Spieler von ihren deutlich erfahreneren Gegenspielern abgekocht oder die überwiegend körperlich schmächtigeren Spieler prallten einfach komplett ab.

Man kann vielleicht überspitzt formulieren, dass im Vergleich zu vielen Spielen in der vergangenen Saison viel Qualität ohne Plan durch wenig Qualität mit viel Plan ersetzt wurde. Mit Blick auf die Ersatzbank ist das bei einem solch unwichtigen Spiel sogar ein gutes Zeichen.

2. Davies zwischen Schatten und Licht

Alphonso Davies spielte eine ereignisreiche Partie. Es begann düster, als er bereits in den Anfangsminuten wiederholt vor defensive Probleme gestellt wurde. Nicht nur an Tottenhams erster Großchance durch Moura, sondern auch am Gegentor war der Kanadier beteiligt. Man hat den Eindruck, dass er nicht ganz weiß, wie er sich defensiv eigentlich verhalten muss. Wie und wo man stehen muss, wohin der Blick sich richten sollte, um Gegenspieler nicht außer Acht zu lassen und eine generelle Unsicherheit, wie man eigentlich als Abwehrspieler in Zweikämpfe zu gehen hat.

Er ist als Linksverteidiger so etwas wie der Prototyp des so häufig zu findenden modernen Außenverteidigers. Pfeilschnell, offensivstark, eigentlich sogar eher Außenstürmer, eher einfüßig unterwegs, aber mit vielen Defensivproblemen. Ein Außenverteidiger, an den der Bayernfan durch Jahre von Lahm, Alaba und ja, auch Kimmich, nicht gewohnt ist. Davies fehlt es aber nicht an Talent für diese Position, sondern an Zeit, Erfahrung und Coaching. Der Trainer muss ihm aufzeigen, wie er sich in Zweikämpfen an der Außenlinie zu verhalten hat, wie er verhindert den Überblick zu verlieren, sodass kein Spieler sich mehr in seinen Rücken schleichen kann. Desweiteren sollte Davies noch an seiner Passschärfe arbeiten, all­zu oft waren seine Pässe entweder zu lasch oder zu stark, sodass er den Passempfänger vor Probleme stellte. So ist er derzeit eher die dritte Lösung für die Linksverteidigerposition und es erscheint unwahrscheinlich, dass gerade in wichtigen Spielen Kovač auf ihn setzen wird. Zu seiner Ehrenrettung muss jedoch auch gesagt werden, dass seine Unterstützungsspieler Johansson und Nollenberger und nicht etwa Sanches und Coman hießen.

Trotz aller Kritik war sein Spiel auch in der 1. Halbzeit nicht nur von Problemen geprägt. Kleine, für einen Alaba selbstverständliche Aktionen in diesem Spiel zeigten, dass er echtes Potenzial auf dieser Position hat. Gerade, wenn er in die gegnerische Hälfte kam und nicht das Gefühl hatte, ein Fehlpass wäre nun direkt fatal, entfaltete er sich. Gute Dribblings und Courage prägten sein Spiel. Courage, die nicht selbstverständlich für einen so jungen Spieler nach den anfänglichen Problemen war.

Insgesamt ist er zweifelsfrei negativ wie positiv der Spieler des Spiels auf Seite Bayerns. Mit dem Wechsel auf seine gewohnte Linksaußenposition stiegen sein Selbstvertrauen und Impact auf das Spiel, während die Fehler abnahmen. Arps Tor bereitete er vor, den Ausgleich machte er sehenswert gleich selbst.

3. Comans Verletzung offenbart Kaderprobleme

Kingsley Comans ungewolltes Cameo entblößt Bayerns Personalplanung endgültig. Aus einem ohnehin schon viel zu dünnen Kader mit Thomas Müller als erste Außenstürmeralternative wird nun ein Kader, wo Müller ungewollt den Stammaußenstürmer geben muss, während Davies, der fast die gesamte Vorbereitung auf der Linksverteidigerposition verbrachte, nun so etwas wie erster und letzter Offensiv-Joker ist. Und falls Gnabrys Probleme ernsthafter Natur sind, wird aus dem Joker vielleicht gleich gar ein Stammspieler und noch bevor auch nur ein einziges Pflichtspiel gespielt ist, ist ein Bayerntrainer schnell mit der Situation konfrontiert, wieder einmal nicht einen einzigen offensiven Wechsel tätigen zu können.

Fiete Arp hat zwar in jedem seiner Spiele eine wirklich starke Aktion in petto, aber oft war diese Aktion dann auch seine einzige. Beim 1:2 heute stimmte zwar alles von Bewegung, Ballabschirmung bis hin zum Abschluss, aber sonst war er so unsichtbar wie das Phantom Roy Makaay in seinen Hochzeiten. Charakterlich spricht die selbstkritische Aussage, er habe gemerkt, dass das Niveau noch zu hoch für ihn sei, zwar für ihn, aber leider entspricht es auch den Tatsachen.

Der Kader ist nach den Abgängen von Ribéry und Robben gerade in der Offensive erschreckend dünn besetzt. Viel wird über Sané gesprochen, eigentlich braucht es aber gleich zwei neue Außenstürmer. Coman und Gnabrys nun zeitgleicher Ausfall unterstreicht das Bedürfnis nach weiteren Verpflichtungen. Beide Spieler hatten bereits viel mit Verletzungen zu kämpfen, der Franzose gerade in den letzten zwei Jahren, der Deutsche eher in seiner Arsenal-Zeit. Aber auch bei Bayern fiel er in der Hinrunde immer wieder alle paar Spiele aus, sodass er so richtig erst in der Rückrunde in Fahrt kam. Diese Verletzungen wären auch verträglich, gäbe es Alternativen, doch sind diese weit und breit nicht zu finden.

Zwar ist die Meldung des Transfers von Leverkusens Leon Bailey offenbar eine Falschmeldung, doch es spricht in dieser Situation Bände, dass es eigentlich als logische Idee anmutet, einen Spieler zu verpflichten, der sich nicht nur charakterlich bereits fragwürdig präsentiert hatte, sondern dem auch sportlich in der abgelaufenen Saison kaum etwas gelang.

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