"Am Tiefpunkt angelangt": Reaktionen auf Man Uniteds 0:4-Klatsche in Brentford | OneFootball

"Am Tiefpunkt angelangt": Reaktionen auf Man Uniteds 0:4-Klatsche in Brentford

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Dass Manchester United nach der 1:2-Auftaktpleite gegen Brighton auch das zweite Saisonspiel verloren hat, wäre eine sehr vornehme Beschreibung dessen, was den Red Devils am Samstagnachmittag widerfahren ist. Im Community Stadium in Brentford lag der englische Rekordmeister bereits nach 35 Minuten mit 0:4 zurück und gab ein erschreckend schwaches Bild ab, das selbst notorische United-Apokalyptiker nicht für möglich gehalten hätten.

"Wir sind Zeugen der Vernichtung von Manchester United." Ex-Kapitän und Sky-Experte Gary Neville wählte martialische Worte, nachdem sein ehemaliger Klub in der 35. Minute das 0:4 durch Brentfords Bryan Mbeumo kassiert hatte. Übertrieb Neville, der mitunter dazu neigt, seinen ehemaligen Klub über Gebühr zu kritisieren?

Angesichts der gespenstischen 90 Minuten ihres Teams waren die United-Anhänger wohl eher froh, dass der Ex-Profi kein Blatt vor den Mund nahm. "Ich dachte, United würde eine bessere Figur abgeben, aber sie wurden verprügelt, schikaniert, verarscht, wie man es sich nicht vorstellen kann, und niemand kann das mehr schönreden", fuhr der zweimalige Champions League-Gewinner fort. "Ich verfolge United seit 42 Jahren und ich kann mich an keinen Moment erinnern, in dem ich dachte, dass es so schlecht war wie in der ersten Halbzeit."

Andere Beobachter schlugen in dieselbe Kerbe. Alan Shearer, Rekordtorschütze der Premier League, erklärte gegenüber BBC Sport: "Es ist ein absolutes Chaos. Jahrelanges Versagen, jahrelanges Missmanagement. Es mangelt an Führung und die Personalpolitik war und ist einfach schrecklich. Es wird Zeit und unglaublich viel Geld brauchen, um die Dinge in Ordnung zu bringen, und die Fans von Manchester United müssen viel Geduld aufbringen. Sie sind meilenweit von dem entfernt, wo sie sein wollen."

BBC-Experte Chris Sutton und Sky-Expertin Karen Carney waren sich einig, dass United "den Tiefpunkt erreicht" habe (Sutton) und es "nicht mehr schlechter" gehe (Carney). Ganz zu schweigen von den Schlagzeilen in der Boulevardpresse und den Social Media-Kommentaren, wo die Elf von Erik ten Hag mit allerlei Spott überzogen wurde.

Nach dem Debakel gegen die "Bees" liegt Uniteds desaströser Zustand also offen zutage. Und nun?Dass ten Hag nach der Partie zum Straftraining bat und wie seit Wochen schon neue Spieler zu forderte, ist aller Ehren wert. Wenn die Transferziele aber Adrien Rabiot oder Marko Arnautovic heißen, wie zuletzt berichtet, oder ähnliche Leistungen bringen wie ten Hags Ajax-Zögling und 1,75 Meter-Innenverteidiger Lisandro Martinez, dürfte sich an der prekären Lage im Old Trafford herzlich wenig ändern.

Die Probleme der Red Devils scheinen ohnehin tiefer, das heißt bei den Klubbesitzern, zu liegen. Seit 2003 leitet die amerikanische Familie Glazer die Geschicke in Manchester. Kritiker würden im Zusammenhang mit den Glazers vermutlich lieber von "Missgeschicken" sprechen und vor allem davon, dass die Eigentümer ihre Zeit lieber in der amerikanischen Heimat verbringen anstatt sich vor Ort in Manchester mit dem Klub zu identifizieren.

Kein Wunder, dass nach dem Brentford-Waterloo neue Proteste gegen die Eigentümerfamilie angekündigt sind und auf Twitter der Hashtag #EmptyOldTrafford trendet. MUST, der offizielle United-Fan-Trust veröffentlichte eine Erklärung und bezeichnete das 0:4 als den "Höhepunkt einer schon lange andauernden Entwicklung." Weiter schrieben die Anhänger: "Was wir heute Abend erlebt haben, ist eine Peinlichkeit - nein, eine Demütigung - für die Fans von Manchester United. Und doch war es in vielerlei Hinsicht keine Überraschung."

Gary Neville lieferte sich bei Sky eine heftige Auseinandersetzung mit Experten-Kollege Jamie Redknapp, in deren Verlauf er mit den Glazers hart ins Gericht ging. "Joel Glazer muss morgen ins Flugzeug steigen", forderte Neville. "Er muss nach Manchester fliegen und damit beginnen, die Probleme des Klubs zu lösen und jedem sagen, was er mit diesem Fußballverein vorhat.

Wenn ein Unternehmen ins Straucheln gerät, ist der Eigentümer des Unternehmens schuld. Und das Unternehmen strauchelt gerade gewaltig. [...] Sie (die Glazers) haben ein heruntergekommenes, marodes und zweitklassiges Stadion, obwohl es vor zehn bis 15 Jahren zu den besten Stadien der Welt zählte. Sie haben ein Fußballprojekt, von dem sie keinen blassen Schimmer haben. Man kann die aktuellen Spieler kritisieren wie man will, aber der Fisch stinkt vom Kopf her. Sie (die Glazers) müssen herkommen und sich den Problemen stellen. Der Klub ist kaputt."

Bei aller Kritik können Harry Maguire und Co. von Glück reden, dass es wenigstens der Spielplan gut mit ihnen meint. Der kommende Gegner heißt FC Liverpool und bietet sicher die Gelegenheit für neue Tiefpunkte.

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