Abos gekündigt: Ich schaue Union nur noch im Stadion und nicht mehr über Sky oder Dazn | OneFootball

Abos gekündigt: Ich schaue Union nur noch im Stadion und nicht mehr über Sky oder Dazn

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Textilvergehen

Die nächste Saison wird besonders. Zumindest für mich. Denn ich habe mich entschieden, ohne extra Abo für Fußball durch die Spielzeit zu gehen. Das ist mir nicht leicht gefallen. Denn ich habe wirklich viele Jahre mindestens die Auswärtsspiele von Union via Sky verfolgt. Doch ehrlich gesagt waren mir die Kosten zu hoch. 30 Euro im Monat für Sky Ticket (das Angebot wurde umbenannt, heißt jetzt nur Wow und ich spare mir jeden Witz darüber) und ab diesem Sommer auch noch 30 Euro im Monat für Dazn. Für maximal 4 Unionspiele im Monat, falls ich auch zu keinem Heimspiel kann? Also im Prinzip für 2 Partien. Das war mir zu viel.

Die Samstagabendspiel-Runde von Sky aus Sebastian Hellmann und Lothar Matthäus mit Torsten Mattuschka als Experten in ihrer Mitte, Foto: Matze Koch

Die Trennung von Sky war wie das Aufgeben einer langen Beziehung, bei der man sich am Ende fragt, warum man überhaupt so lange zusammengeblieben ist. Die Qualität der redaktionellen Begleitung empfand ich schon immer als schwierig. Das lag vor allem daran, dass erstens nur wiederholt wurde, was die Medienberichterstattung unter der Woche brachte, es also im Prinzip eigentlich keine eigene Recherche oder Einschätzung gab. Ehrlich gesagt komme ich mir dort als Zuschauer bis heute unterfordert vor, da die Spielübertragung wahrscheinlich nicht für interessierte Fans, sondern für diejenigen konzipiert wurde, die absolut keine Ahnung vom jeweiligen Verein und Sport haben.

Kein Interesse und keine Wertschätzung von Sky

In der Zweiten Liga war es noch schlimmer, weil ich mich als Zuschauer fragte, ob sich überhaupt jemand im Sender für das Produkt interessierte, das da übertragen wird. Dazu kam die bis heute katastrophale App (bei uns schaut niemand im Haushalt mehr über Fernsehgeräte) und das fragwürdige Gefühl als Bestandskunde nichts wert zu sein. Denn man zahlte prinzipiell Mondpreise wenn man nicht ständig kündigt und dann mit Rückgewinnungsrabatten beworfen wird.

Die Gelder aus den TV-Übertragungen haben dazu beigetragen, die Clubs durch die Pandemie zu bringen. Das weiß auch Union-Präsident Dirk Zingler, Foto: Matze Koch

Kurzum, die Beziehung zu Sky entbehrte fast jeder Grundlage. Doch sie hatten halt die Übertragungsrechte für die Liga und den DFB-Pokal. In der Bundesliga wurde das anders und für mich nahm die Wichtigkeit von Sky schnell ab. Denn am Anfang kam nur das Freitagsspiel bei Dazn und seit vergangener Saison nur noch die Samstagsspiele. Je nach Spielplangestaltung lohnt sich also der eine Streamingdienst im Monat mehr als der andere, weil im Zweifel bei einem gar kein Unionspiel läuft, wenn die DFL meint, dass Union mal nur Freitags- oder Sonntagsspiele machen soll.

Sky kündigte ich irgendwann in der vergangenen Saison. Nach dem Motto: Union scheidet im Pokal sowieso immer in der zweiten Runde aus. Die Mannschaft hat mich dann eines Besseren belehrt und kam bis ins Halbfinale. Habe ich da etwas vermisst? Nein, denn ich hatte das unwahrscheinliche Glück beim Pokalspiel im Olympiastadion dabei sein zu dürfen und auch das Spiel gegen St. Pauli zu sehen. Nach Leipzig fahre ich nicht mehr, konnte das Spiel aber bei den Öffentlich-Rechtlichen sehen. Kurzum: Ich habe mit Sky Schluss gemacht, obwohl ich dachte, dass ich es brauche. Stellte sich für mich im Nachhinein heraus: Nein, ich brauche es nicht.

Dazn wurde immer wie Sky

Dazn hatte ich seit vielen Jahren und war zufrieden. Die App war offensichtlich zur Benutzung gemacht und hat ein paar gute Features (Highlights im Stream kenntlich machen, ganze Spiele zum Re-Live vorhalten, bei manchen Sportübertragungen konnte ich auf den Ton der Originalübertragung wechseln) und vor allem hatte sie Kommentatoren und Co-Hosts, die sich für den Sport interessierten.

Urs Fischer am Mikrofon von Dazn, Foto: Matze Koch

Der Wechsel kam tatsächlich erst mit der vergangenen Saison mit dem Mehr an Bundesligaspielen. Dafür wurden tatsächlich Kommentatoren von Sky verpflichtet (Warum?) und die Übertragungen wurden ein bisschen mehr wie Sky. Vielleicht weil man mehr Kunden gewinnen wollte und deshalb eine Marktforschung beauftragt hatte, die dann sagte, dass die Leute bekannte Stimmen hören wollen? Oder weil Sky weniger Spiele hatte und die Kommentatoren auf dem Markt waren? Oder weil man einfach mehr Mainstream werden wollte und Sky bis dahin der Mainstream war?

Die Entscheidung kam beim Preis für das Abo

Die neuen alten Kommentatoren hätte ich ertragen. So wie ich jede Saison Sky ertragen habe. Aber dann kam die Preiserhöhung von 15 Euro auf 30 Euro im Monat. Und bei diesem Preis stelle ich mir schon die Frage: Brauche ich das Angebot? Mein innerer Kompass sagte mir: Bis 20 Euro wäre ich bereit gewesen. Bei 30 Euro geht allerdings wieder die Rechnung im Kopf an: Was schaue ich eigentlich wirklich? Und da bleibt bei mir wenig übrig. Champions League interessiert mich schon lange nicht mehr, weil es ein absoluter Einheitsbrei geworden ist, zu dem ich emotional keine Bindung habe.

Und andere Bundesliga-Spiele lasse ich nebenbei laufen beim Kartoffelschälen, aber dass ich mir sage: „Heute muss ich unbedingt Stuttgart gegen Hoffenheim oder Augsburg gegen Wolfsburg ansehen“ – das kommt nicht vor. Das habe ich nur bei Union. Noch einmal: 30 Euro für ein oder zwei Union-Spiele im Monat? Eher nicht. Deshalb lief im vergangenen Monat auch das Dazn-Abo aus, was mir die zusätzliche Schwierigkeit einbrachte, dass ich Darts nicht mehr sehen kann (aber Dazn hatte sowieso die Möglichkeit gekillt, auf den englischen Sky-Kommentar zu wechseln).

Die TV-Erlöse finanzieren zum Teil auch den Etat der Profimannschaft, den Manager Oliver Ruhnert verantwortet, Foto: Matze Koch

Bedeutet kein Abo nun auch kein Union?

Und nun? Das frage ich mich tatsächlich. Ich weiß noch nicht, was diese Entscheidung macht und ob ich vielleicht doch FOMO bekomme. In meiner romantisierenden Vorstellung fahre ich einfach mehr auswärts. Ein bisschen wie Europapokal vergangenes Jahr, als ich mir das Desaster einer Fußballübertragung bei RTL fast gar nicht geben musste, weil ich die Spiele stattdessen live gesehen habe.

Aber ich bin realistisch: Das wird eher auf Heimspiele zutreffen, für die ich noch mehr als bisher auch Tickets für die ganze Familie organisieren muss. Denn das habe ich hier bisher weggelassen. Ich habe zwar die Entscheidung gegen Sky und Dazn getroffen, aber ich war nicht die einzige Person, die bisher Union im TV geschaut hat. Gerade bei eingeschränkter Verfügbarkeit (sei es wegen Corona-Maßnahmen oder prinzipiell zu kleinem Stadion) war TV manchmal die einzige Option, Union überhaupt zu sehen. Und wie mache ich das jetzt bei Auswärtsspielen? Entweder Re-Live bei AFTV, was ich manchmal schon gemacht habe in der vergangenen Saison. Oder live im Sportschau-Stream hören, was gerade unterwegs absolut okay ist. Oder Sport-Bars in den Landkreisen Uckermark und Oberhavel kennenlernen (nehme gerne Tipps entgegen).

Oder … gar nicht. Das klingt brutal. Aber das war vor nicht allzu langer Zeit für uns noch Alltag, das Union nicht jederzeit verfügbar war und wir auf die Schnipsel von Sport im Osten angewiesen waren, weil sich damals beim RBB niemand für Fußball unterhalb der Bundesliga interessierte.

Union im Fernsehen ist das Un-Unionigste, was man erleben kann

Mir ist nicht ganz klar, wie Union zu dem ganzen Thema Wie wird die Bundesliga im TV vermarktet steht. Denn einerseits machen die Erlöse aus der TV-Vermarktung einen gewaltigen Batzen im Etat aus und können deshalb sicher gerne weiter gezahlt werden. Aber andererseits ist die Fußballübertragung das absolut Un-Unionigste, was uns als Unionfans geboten wird. Ich habe da wirklich null emotionale Bindung dazu. Ob das nun auf Sky, Dazn oder QVC übertragen wird, scheint vollkommen egal. Das Signal der Übertragung produziert sowieso die Bundesliga selbst und die Kommentatoren sind auch immer dieselben, da sie von übertragenden Sender zu übertragenden Sender weiterziehen wie eine Karawane von Oase zu Oase.

Es gibt quasi nichts, bei dem ich sage: Ich muss das unbedingt auf Sender XY sehen. Außer den Preis, den ich zahle. Und da scheint meine persönliche Schmerzgrenze bei 20 Euro im Monat zu liegen. Meine individuelle Entscheidung liegt offensichtlich nur am Preis und keinen anderen Kriterien. Das hat mich sehr verwundert und ich bin gespannt, ob das nur mir so geht oder ob die Streaming-Dienste/TV-Sender das auch merken und damit die Bundesliga spätestens bei der nächsten Ausschreibung. Nächstes Jahr um diese Zeit kann ich auf jeden Fall berichten, wie das Jahr ohne TV-Sport-Abo lief. Vielleicht werde ich ja doch rückfällig …

Und sonst so?

So bemerkenswert sachlich und unauffällig Robin Knoche seine Arbeit in der Union-Abwehr verrichtet, so verlief auch das Kicker-Interview mit ihm heute in der Montags-Ausgabe des Magazins. Er wurde nach einer möglichen Erwartungshaltung gefragt angesichts des zweimaligen Erreichens des Europapokals gefragt. Und ich mochte, dass er da in zweierlei Hinsicht sehr klar war: Erstens geht es nur um den Klassenerhalt. Und zweitens wissen das auch die Fans.

Wobei ich durchaus gespannt darauf bin, ob sich unsere Erwartungshaltung durch die unfassbaren Erfolge nicht doch verändert hat. Ich hoffe nicht und hoffe, dass diese Einheit von Mannschaft und Fans, die Robin Knoche bei Union so schätzt uns auch in sportlich schwierigen Zeiten weiter erhalten bleibt.

Die Frage, warum Unions neuer Angreifer Jordan Siebatcheu (ich lasse das mit Pefok dann mal, bis er das mit den Papieren geregelt bekommen hat, denn sonst ist es mir ein zu großes Durcheinander) nicht gegen Magdeburg gespielt hat, wird in einigen Artikeln (Bild, Kurier, Morgenpost+) geklärt (Fitness-Test, um Belastungsgrenzen zu checken). Außerdem gibt es noch einen Text zu Paul Seguin, der in Magdeburg nicht nur ins eigene Tor, sondern auch seinen Vater getroffen hat (Kurier).

In diesem Artikel erwähnt

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