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·5. Oktober 2022

A La Liga | Real Madrid und Barcelona wecken Nostalgien – Was macht Athletic so stark?

Artikelbild:A La Liga | Real Madrid und Barcelona wecken Nostalgien – Was macht Athletic so stark?

Spotlight | Real, Barça und Athletic haben einen Start nach Maß hingelegt. Neben den aktuellen Top drei werfen wir auch einen Blick auf die untere Tabellenhälfte und schauen uns die Aufsteiger in La Liga genauer an.

In „A La Liga“ thematisiert 90PLUS-Redakteur Michael Bojkov die Brennpunkte des spanischen Fußballs. Das neue Format erscheint im zweiwöchigen Rhythmus.

Real Madrid, Barça – und Meisterschaftskampf in La Liga?

Spanische Fans vermissen sie, die Zeiten, in denen sich Real Madrid und der FC Barcelona einen spannenden Meisterschaftskampf bis zum Schluss lieferten. Zwischen 2014 und 2017 trennten die Rivalen in der Endtabelle keine drei Punkte. Doch die Zeiten haben sich geändert. Richtige Zweikämpfe an der Tabellenspitze gab es in den letzten Jahren kaum noch. Das könnte sich in der laufenden Spielzeit wieder ändern. Denn: Beide Mannschaften befinden sich nicht nur in bestechender Form, sondern auch in einer gesamtsportlichen Lage, die nachhaltigen Erfolg verspricht.

Xavi hat aus Barça wieder eine Mannschaft geformt, mit der sich die Fans identifizieren können. Die Katalanen pflegen einen sehr spieldominanten Stil und versprühen Spielfreude. Gerade offensiv greifen die Rädchen nach und nach immer besser ineinander, die Automatismen funktionieren. Im Sommer hat man sich mit Top-Neuzugängen verstärkt, die den Kader in der Spitze wie in der Breite qualitativ anheben. Das erfolgreiche Zwischenresultat nach sieben Spieltagen in La Liga: Sechs Siege, ein Unentschieden, 19:1 Tore und die Tabellenführung.

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(Photo by Ethan Miller/Getty Images)

Auf einer ähnlichen Erfolgswelle befindet sich der Konkurrent aus Madrid. Die Verantwortlichen moderieren den altersbedingten Umbruch geräuschlos und souverän. In der Offensive hat Vinicius Junior den Sprung zum absoluten Topspieler geschafft, sein Pendant Rodrygo könnte der nächste sein. Im Mittelfeld hat man Aurelien Tchouameni und Eduardo Camavinga zwei der vielversprechendsten Spieler des Planeten, die nach und nach in die Fußstapfen von Toni Kroos und Luka Modric treten können.

Der Abgang von Casemiro war aus emotionaler Sicht schmerzhaft, erweist sich aus sportlicher Perspektive aber als verkraftbar – weil Tchouameni erste Versprechen einlöst und genau wie seine Kollegen einen starken Saisonstart hingelegt hat. So steht man punktgleich mit Barça auf Platz 2, lediglich die Tordifferenz trennt die beiden Rivalen. Zumal auch die Konkurrenz hinterherhinkt, steht einem offenen und möglichst lang anhaltendem Kampf um die Meisterschaft nicht viel im Wege.

Athletic Club: Die erneute Auferstehung unter Valverde

Neun Jahre ist es her, da trat Ernesto Valverde einen Trainerjob beim Athletic Club an und führte die Mannschaft in der ersten Saison von Platz zwölf in die Champions League. Es folgten drei weitere Jahre in der Europa League. Dann verließ Valverde den Verein und damit auch der Erfolg. Die letzte Europapokal-Teilnahme liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Im Sommer kehrte Valverde auf die Trainerbank zurück und ließ sogleich die glorreiche Zeiten wieder aufleben. Zumindest verlief der Saisonstart äußerst vielversprechend. Mit fünf Siegen aus sieben Spielen startete man in die neue Spielzeit, rangiert hinter Real und Barça auf Tabellenplatz drei.

Ein Trumpf ist dabei nicht nur die traditionell starke Defensive. Neben vier Gegentoren traf man immerhin schon ganze 16 Mal ins Schwarze – eine für Athletic-Verhältnisse ungewöhnlich hohe Quote. Grundpfeiler für den offensiven wie defensiven Matchplan ist ein sehr hohes Pressing. Tatsächlich haben die Basken ligaweit die meisten offensiven Balleroberungen (siehe Grafik oben). Die „Leones“ brauchen also nicht zwingend viel Ballbesitz, um zum Torerfolg zu kommen. Wenn sie diesen haben, nutzen sie ihn in der Regel auch sehr effektiv.

Den einen Torjäger haben die Basken nicht. Die 16 Saisontreffer verteilen sich auf viele Schultern. So haben die Williams-Brüder Iñaki und Nico sowie Alex Berenguer und Oihan Sancet bereits jeweils drei Tore auf dem Konto. Gerade letztere beiden sowie Vereinsikone Iker Muniain genießen unter dem „neuen alten“ Übungsleiter mehr Freiheiten als zuvor.

Generell scheint der Klub endlich dem pragmatischen Stigma zu entweichen, das unter Gaizka Garitano und zuletzt Marcelino über ihm schwebte. Die Mannschaft bricht ein Stück weit aus dem defensiv geprägten Spielstil aus – mit wahrhaftigem Erfolg. Ob es am Ende für Europa reicht, dazu Bedarf es noch etwas mehr Beobachtungszeit und ein Mitrederecht der Konkurrenz. Der Anfang sieht aber äußerst vielversprechend aus und lässt die Fans in Bilbao zurecht träumen.

Girona, Valladolid, Almeria: Wie stark sind die Aufsteiger?

Auffällig diese Saison in La Liga: Keiner der Aufsteiger macht so richtig positiv von sich Reden. Der FC Girona steht aktuell auf Platz 13, überzeugt damit noch am meisten. Unter Trainer Michel sind gute spielerische Ansätze durchaus erkennbar, allerdings ist vor allem die Defensive noch nicht richtig sattelfest.

Viele Fragezeichen gab es vor der Saison bei Rückkehrer Real Valladolid. Neben zahlreichen Neuzugängen war auch nicht klar, ob die Qualität des Kaders reichen würde, um die Klasse halten zu können. Der schwache Saisonstart (0:3-Heimpleite gegen Villarreal) verstärkte die Sorgen von Fans und Kritikern früh. Am zweiten Spieltag legte die Mannschaft allerdings einen starken Auftritt im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan hin, hätten gegen den FC Sevilla sogar mehr als nur ein 1:1 verdient gehabt.

Allgemein lässt sich noch schwer sagen, wo genau der Klub von Ronaldo eigentlich steht. Dazu sind auch Leistungen und Ergebnisse noch zu inkonstant. Eine wichtige Erkenntnis bis hierher ist aber, dass man sich seine Punkte holt. Nach dem Remis in Sevilla gab es neben vier Niederlagen nämlich immerhin auch zwei knappe Siege. Und: Die anderen Abstiegskandidaten schwächeln gewaltig.

Artikelbild:A La Liga | Real Madrid und Barcelona wecken Nostalgien – Was macht Athletic so stark?

(Photo by Angel Martinez/Getty Images)

So etwa Mit-Aufsteiger UD Almeria. Eigentlich starteten die Andalusier vielversprechend in die neue Saison. Zum Auftakt hielt man Real Madrid über eine Stunde lang am Rande einer Niederlage, am Ende machte die individuelle Klasse den Unterschied und man verlor knapp mit 1:2. Dafür holte man nach einem 1:1 in Elche drei Punkte im Andalusien-Derby gegen den FC Sevilla. Vor allem offensiv überzeugte man, was insbesondere an Umar Sadiq lag. Nun verließ der Stürmer Almeria aber kurz vor Transferschluss Richtung San Sebastian, und das gab der Mannschaft einen Schlag.

Ohne ihren Aufstiegshelden (18 Tore/9 Assists in der Segunda Division 2021/22) erzielten die „Rojiblancos“ nämlich noch kein einziges Tor. Schlimmer noch: Sie verloren alle vier Spiele. Zuletzt gab es eine besorgniserregend 0:4-Klatsche bei Athletic. Die Abhängigkeit von Sadiq scheint ganz offensichtlich größer zu sein als gedacht, sodass Saudi-Besitzer Turki Al-Sheikh seine hohen Ambitionen vorerst zurückfahren muss. Im Moment deuten die Zeichen auf harten Abstiegskampf.

(Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

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